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Hoshikin Koi Farm

Katsuyuki Hoshino - Hoshikin Koi Farm
Katsuyuki Hoshino von der Hoshikin Koi Farm

In bestimmten Kreisen in Japan und in der ganzen Welt geniessen Koi von Hoshikin höchtes Ansehen. Die Kohaku von Hoshikin werden sogar zu den weltbesten gezählt. Die Geschichte der Familie reicht über 100 Jahre zurück und beschreibt die Hingabe und Arbeit, die in drei Generationen geleistet wurde, um solch ein Ansehen in der Koiwelt zu erreichen.

Katsuyuki Hoshino beim Selektieren von Koi
Katsuyuki Hoshino beim Selektieren von Koi

Die Biografie der Hoshikin Koi Farm

Der Familienbetrieb, der von Katsuyuki Hoshino (46) geleitet wird, stammt ursprünglich aus Shiodani nur einige Kilometer von Mushigame entfernt. Sie bewohnten mehr als 100 Jahre das selbe Haus und es war Katsuyukis Grossvater Kinsaku Hoshino, der mit der Koizucht begann – damals noch unter dem Namen Shiodan Koi Farm. Der heutige Name Hoshikin setzt sich aus dem Namensteil „Hoshi“ und dem Wort „Kin“, was so viel wie Grossvater bedeutet, zusammen.

Katsuyukis Grossvater hatte, wie so viele andere Menschen in der Gegend auch, seinerzeit Reis angebaut. Doch verdiente er wohl auch noch mit anderen Dingen seinen Lebensunterhalt, und er beobachtete, wie andere Familien, neben Kansuke, eine andere Familie Hoshino auch Oyaji, begannen, teilweise ihre Reisanbauflächen in Teiche für Koi umzuwandeln. Da er keinerlei Erfahrung in Sachen Koi hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als seine Erfahrungen gemäss dem Motto „Learning by doing“ zu machen.

Hoshikin Koi Farm - Erstes Koihaus in den Bergen
Hoshikin Koi Farm – Erstes Koihaus in den Bergen

Zucht & Verkauf von Koi

So begann er damit, neben einigen Goromo auch Kohaku zu züchten, die er im ganz Japan verkaufte. Schnell merkte er, dass man mit der Zucht und dem Verkauf von Koi viel mehr Geld verdienen konnte, als mit dem Anbau von Reis. Hinzu kam, dass der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung in Japan in den frühen 1960er Jahren diesen Eindruck noch verstärkte. Genauso bemerkte Katsuyukis Grossvater wie wichtig es ist, mit qualitativ hochwertigen Elterntieren zu züchten. In den 60er Jahren gab es eine Kohaku-Blutlinie, genannt Tomoin, die berühmt war für ihr intensives „Hi“. Und tatsächlich gelang es ihm, zwei Elternpaare dieser Tomoin-Blutlinie für sich zu erweben, aus denen später die Hoshikin-Kohaku-Blutlinie entstehen sollte.

Katsuyukis Vater Katsushique, der leider viel zu früh verstarb, übernahm als zweiter Sohn das Geschäft in sehr jungen Jahren, da sein älterer Bruder unglücklicherweise auch sehr früh verstarb – allgemein wird von dem ersten Sohn erwartet, dass er das Familienunternehmen weiter führt. So führte Katsuyuki das Unternehmen weiter und züchtete Koi bei seinem Elternhaus. Er erinnert sich noch gut, als er als Sechsjähriger aus der Dorfschule kam und danach sofort bei der Koiernte half oder wie er es nannte: „Koierntespielte“. Damals glaubten viele Leute in seinem Dorf und auch in seinem Bekanntenkreis, dass Familien, die im Koigeschäft tätig waren auch automatisch reich seien Er kann sich noch daran erinnen, dass ein Kunde sogar aus Taiwan zu ihnen kam.

Hoshikin Koi Farm - Hoshikin HQ Kohaku
Hoshikin Koi Farm – Hoshikin HQ Kohaku

Bau des ersten Koihaus

Das erste Koihaus wurde dann von Katsuyukis Vater Katsushique gebaut, denn sein Grossvater hielt seine Koi immer nur in Aussenteichen, die er im Winter dann immer vor den Schneemassen zu schützen versuchte, damit die Verluste an Koi nicht all zu gross ausfallen sollten. Die Kehrseite der Aussenhälterung war, dass die Koi ein hervorragendes „Hi“ dort entwickelten. Zwar begann Katsuyukis Vater damit, auch Sanke und Showa zu züchten, doch sein Hauptaugenmerk lag nach wie vor auf der Kohakuzucht.

Hoshikin Koi Farm - Hoshiki Koi Haus
Hoshikin Koi Farm – Hoshiki Koi Haus

Grosse Erfolge bei den Koishows

So erklärt sich vielleicht auch der grosse Erfolg, den er bei vielen Koishows hat, wo er so manches Mal den Grand Champion-Titel gewann oder wie 1999 den renommierten Kokugyo-Preis auf der All Japan Koi Show mit einem, wie kann es anders sein, Kohaku. Genau so hat er die Wakagoi Young Koi Show zweimal gewonnen. Vier Jahre später machte es Katsuyuki mit einem Sanke nach.

Als er 18 Jahre alt war und die High School beendet hatte, wurde von Katsuyuki natürlich erwartet, dass er den Familienbetrieb übernehmen sollte. Mit 27 Jahren übernahm er dann die Leitung der Koi Farm – nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, das beide, sowohl sein Grossvater als auch sein Vater mit Diabetes zu kämpfen hatten. So sagte er über sich selbst: „Ich hatte keine Zeit mir über mein Alter Sorgen zu machen, ich musste einfach weitermachen.“

Inzwischen besitzen sie vier Koihäuser, zwei davon bei sich zuhause in Shinoda und zwei in einer Sanbushou, einer Gegend vor den Toren Ojiyas am Shinano River. Sie brauchten einfach mehr Platz, den es bei ihnen zuhause aber einfach nicht gab. Die Koihäuser in Sanbushou wurden vor etwa 22 Jahren gebaut. Der Erste dort war die Dainichi Koi Farm, dann folgten Hoshikin und Marudo.

Hoshikin Koi Farm - Das ehemalige Zuhause der Familie
Hoshikin Koi Farm – Das ehemalige Zuhause der Familie

Das Erdbeben im Oktober 2004

Zu dem Zeitpunkt als Katsuyuki das Geschäft übernahm wurden ca. 80 Prozent der Koi innerhalb Japans verkauft und 20 Prozent wurden exportiert. Doch mit dem großen Erdbeben, damals im Oktober 2004, wurden seine Zukunftspläne jäh über den Haufen geworfen. An dem besagten Abend war Katsuyuki mit Kunden zum Essen in Ojiya. Sobald das Erdeben vorbei war, fuhr er zu den beiden Koihäusern in Sanbushou, um die Fütterungsanlagen auszuschalten – doch der Strom war hier schon komplett ausgefallen. Dann wollte er wieder zurück nach Hause, doch er kam aufgrund der vielen Schäden nicht sehr weit, sodass er den Rest des Weges zu Fuss zurücklegen musste.

Unterwegs sah er Unmengen toter Koi auf den Strassen liegen und ihm wurde klar, welche enormen Schäden dieses Erdbeben angerichtet hatte. Es war weit nach Mitternacht, als er zurück war und er musste mit Schmerz feststellen, dass all seine Koi das Beben nicht überlebt hatten. Er hatte mehr als 4.000 Tosai und etwa 150 Nisai verloren. Am nächsten morgen wurden sie mit einem Helikopter aus dem Gebiet evakuiert und mussten die folgenden 2 Jahre an einem sichereren Ort leben. Die Schäden an seinen beiden Koihäusern in Sanbushou waren ebenfalls enorm. Fünf Tage ohne Strom waren eine Katastrophe. Doch Zeichen und Wunder geschehen – ein LKW von der Narita Koi Farm brachte für Dainchi und ihn Stromgeneratoren. Gott sei Dank hatten seine Elterntiere das Beben überlebt. Zwar war durch die Beschädigungen der Wasserspiegel auf die Hälfte abgesunken, aber die Tiere lebten und er konnte mit ihnen weiter züchten und die Blutlinie somit erhalten.

Hoshikin Koi Farm - Das jetzige Zuhause der Familie
Hoshikin Koi Farm – Das jetzige Zuhause der Familie

Der Wiederaufbau der Koi Farm

Bis zum folgenden Frühjahr hatte Katsuyuki ca. 80% der Schäden an seinen Teichen behoben (Sie hatten finanzielle Hilfe von der Regierung für den Wiederaufbau erhalten), doch sollte es ca. zwei Jahre dauern, bis er sämtliche Schäden auf seiner Koifarm und an seinen Teichen behoben hatte. Seine Koi-Zucht hatte er allerdings schon nach einem Jahr wieder auf dem normalen Level. Da auch sein 100 Jahre altes Haus dem Beben zum Opfer gefallen war, ein neues errichtet, diesmal aber in der Nähe seiner beiden Koihäusern in Sanbushou.

Hoshikin Koi Farm - Koi Verkaufshaus
Hoshikin Koi Farm – Koi Verkaufshaus

Qualitativ bessere Koi

Kurz nach dem Beben dachte niemand an eine Verbesserung der Lage, doch Tatsache ist, dass viele Koi Züchter, und das betrifft auch die Hoshikin Koi Farm, meinen, jetzt qualitativ bessere Koi zu züchten. Katsuyuki meint: „Es ist schon seltsam, aber vor dem Erbeben hatten wir einen Teich dort und den nächsten Teich wieder irgendwo anders, jetzte habe ich aber meine gesamten Teiche in derselben Gegend, was das Arbeiten natürlich einfacher und effizienter macht. Aus dem Grund legt Katsuyuki seine Teich auch nicht mehr in den Bergen an, sondern eher in den tieferen Gegenden, wo er gleich mehrere Teiche auf einmal anlegen kann.

Insgesamt hat er jetzt sieben Koihäuser, 70 Teiche für Brut und Tosai und 40 Teiche für Nisai und grössere Koi. Als Elterntiere benutzt er ca. 30 weibliche und ca. 50 männliche Koi. Wenn er mit ihnen züchtet, nimmt er zwischen 10 und 15 weibliche Kohaku und 3 weibliche Showa. Katsuyuki präferiert die künstliche Befruchtung und er hält Männlein und Weiblein streng getrennt. Er beobachtet die weiblichen Tiere und aus seiner Erfahrung heraus sieht er anhand der Körperform und des Schwimmstils genau, wann die er die Eier abstreifen kann.

Hoshikin Koi Farm - Koihaus für Elterntiere und Tategoi
Hoshikin Koi Farm – Koihaus für Elterntiere und Tategoi

Ein weiblicher Koi kann bis zu 800.000 Eier produzieren

Ein weiblicher Koi kann bis zu 800.000 Eier produzieren, von denen aber nur 80 – 90% schlüpfen. Nachdem er die weiblichen Tiere abgestriffen hat, wird bei den männlichen Tieren der Samen entnommen und zu den Eiern hinzu gegeben. Er schätzt, dass er so etwa die 500.000 kleine Koi eines weiblichen Elterntieres in einen Teich setzen kann, von denen aber nur ca. 10.000 übrig bleiben. Das Keulen der Tiere nimmt viel Zeit in Anspruch. Es werden dafür drei Termine benötigt wobei der Zuchtprozess zeitlich daran angepasst wird. Das erste Keulen findet bereits nach etwa sechs Wochen, nachdem die Tiere in die Teiche gesetzt wurden, statt. Allein sieben Helfer werden dafür benötigt, die dann einen Monat beschäftigt sind ,von den 10.000.000 Tieren ca. 15 % übrig zu behalten. davon bleiben dann nach dem zweiten Keulen 20 % über und nach dem dritten Keulen sind dann 10.000 Tosai übrig. Weitere 10.000 Tiere sind dann noch für den Sofortverkauf bestimmt.

So bleiben von einer Brut von 10.000.000 Tieren nur etwa 10.000 Tiere übrig – eine unglaubliche Zahl, die aber verdeutlicht, dass nur bei so hohen Selektionsstandarts die hohe Qualität der Koi erreicht und erhalten werden kann. Nachdem man dann 10.000 Tosai über den Winter gebracht hat, werden round about 600 Tategoi selektiert, die dann zu Nisai heranwachsen sollen. Von diesen 600 Koi bleiben nur etwa 50 Tiere, die zu Sansai heranwachsen. Bei der Tosai Tategoi-Seketion wird vornehmlich auf das Muster der Fische geachtet, bei grösseren Tieren sind zu 70 % die Körperform und nur zu 30 % Das Muster entscheidend. Natürlich ist Katsuyuki immer bestrebt neue Koi für seine Elterntiere zu finden, er tut dies aber mit der mit der gesunden Portion Vorsicht, um keine Krankheiten an die Zuchttiere heranzulassen.

Hoshikin Koi Farm - Koihaus neben Dainichi
Hoshikin Koi Farm – Koihaus neben Dainichi

Kohaku und Showa im Vergleich

Einmal erklärte Katsuyuki, dass es Teiche gibt, in denen Kohaku schlechter aufwachsen, wohingegen Showa dort sehr gut wachsen. Zur Erklärung: Kohaku entwickeln sich in diesen Teichen nicht umbedingt zum Positiven, sie nehmen in der Qualität zwar auch nicht ab, aber eben qualitativ auch nicht zu. Bei Showa ist das eben anders. Bei Showa verbessert sich die Qualität schon mal eher, Voraussetzung natürlich – die Tiere haben die Anlage dazu. Aber die Chance auf qualitative Verschlechterung besteht auch hier. Katsuyuki geniesst diese Herausforderung. Aber nur viele Jahre Erfahrung machen das möglich.

Katsuyuki macht das Koigeschäft sehr viel Spass!

Katsuyuki macht das Koigeschäft wirklich sehr viel Spass, natürlich gibt es wie überall auch mal schwierige Zeiten, aber insgesamt ist es schon ein interessantes Business und er hat immer noch viel Spass daran, seine Koi zu füttern. Die Entwicklung der Koifarm erlaubte es, dass er Länder wie China, Thailand Singapur und Indonesien bereisen konnte, nicht zuletzt wegen seiner drei Mitarbeiter, die ihn auf der Koi Farm tatkräftig unterstützen.

Hoshikin Koi Farm - Kunden aus aller Welt
Hoshikin Koi Farm – Kunden aus aller Welt

Der Koi Markt verändert sich

Heutzutage hat sich allerdings die Struktur am Markt verändert. Im Gegensatz zu früher werden heute 80 % der Fische exportiert und nur noch 20 % innerhalb Japans verkauft. Katsuyuki glaubt, dass der japanische Markt immer kleiner wird, da wohl nur noch die älter Generation sich heutzutage Koi hält.

Koi von immer besserer Qualität

Für die Zukunft hat sich Katsuyuki jedenfalls auf die Fahne geschrieben, Koi von immer besserer Qualität zu züchten. Natürlich hat er kein Geheimrezept dafür, aber wenn die Qualität der Elterntiere stimmt und man dann noch sein Bestes gibt. Natürlich ist seine bevorzugte Varietät Kohaku und seine Ambitionen, immer besserer Fische zu züchten, ist klar zu erkennen. Fragt man ihn nach einem Tipp für die Hobbyisten ist seine Antwort: „Wenn du einen Koi kaufst, schau, was der Koi für dich hat und nicht, was er nicht hat.

Hoshikin Koi Farm - JKX Masterclass mit Hoshino
Hoshikin Koi Farm – JKX Masterclass mit Hoshino

Katsuyuki ist verheiratet,und hat zwei Söhne im Alter von 13 und 15 Jahren, wo er sich aber nicht sicher ist, ob sie später mal mit ins Koigeschäft einsteigen wollen. Aber sie lernen beide schon mal Englisch – ein guter Anfang und erster Schritt in diese Richtung. In den letzten Jahren hat er auch immer an der Koi Master Class teilgenommen, wo er dann gern und mit viel Herzblut den Besuchern alle Aspekte und Kriterien, seine Koi betreffend, erklärte. Es ist schon interessant, wenn man mit dem Koi Züchter zusammensitzt und einen echten Einblick von deren Denken und Geschäftsphilosophie bekommt, wenn man auf das Thema Koi zu sprechen kommt.

Bezogen auf Katsuyuki heisst das knapp: Ein sehr intelligenter Mann, der sein (Koi)handwerk versteht und dort sehr erfolgreich agiert. Die Zukunft der Koshikinkoi-Blutlinie ist also in sicheren und erfolgreichen Händen.

In unseren Koi Shop finden Sie eine grosse Auswahl an japanischen Kois, unter anderem natürlich Kohaku und Showa.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 97 – Hoshikin Koi Farm | Text & Bilder Martin Symonds

 

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