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Kanno Koi Farm

Die Kanno Koi Farm gehört und wird bewirtschaftet von Hiroshi Hirasawa und seinem Sohn Kazuhiro. Die Kanno Koi Farm liegt im Ort Yamakoshi in den Bergen von Mushigame. Sollten Sie einmal das Gück haben, diese Farm zu besuchen, werden Sie denken, dass dies die höchst gelegene Koi Farm sein muss, da das Wohnhaus und die Fischhäuser wie angegossen auf dem Berggipfel thronen und auf das Dorf hinabschauen.

Kanno Koi Farm – Hiroshi Hirasawa und Sohn Kazuhiro

Wnn Sie die Kanno Koi Farm bereits vor dem Erdbeben im Oktober 2004 besucht haben sollten, wissen Sie, dass die Koi Farm in früheren Zeiten Hirasawa Koi Farm genannt wurde. Hiroshi Hirasawa hatte nach dem Erdbeben beschlossen, den Namen des Geschäftes zu ändern, da er meinte, dass es zu viele andere Farmen mit dem Namen Hirasawa gäbe. Er wählte den Namen Kanno, den Spitznamen, unter dem die Familie in Yamakoshi bekannt war.

Vater & Sohn 1994

Wie so viele andere war seine Familie dort bereits seit etwa 250 Jahren ansässig, sein Sohn Kazuhiro (Kazu) bereits in der 4. Generation. Und auch wie viele andere waren seine Angehörigen in früheren Zeiten Reisbauern. Als kleiner Junge in Yamakoshi erinnert er sich an Leute aus der Umgebung, die Koi besassen, aber er selbst zeigte nie Interesse daran. Als Heranwachsender bewirtschaftete er weiterhin die Reisfarm. Die Wintermonate verbrachte er in Tokyo und arbeitete dort als Kraftfahrer für eine Mineralölgesellschaft.

Viele denken, dass alle Koizüchter hier aus Niigata die Zucht seit Generationen betreiben, aber dies trifft einfach nicht zu. Hiroshi Hirasawa beschloss vor etwa 40 (in den 70er) Jahren, in die Koizucht einzusteigen, hauptsächlich weil der Reisanbau extrem hart und Profit zu erwirtschaften noch härter war. Er stellte fest, dass Koizüchter in seiner Umgebung immer populärer wurden und ihre Geschäfte einen Aufschwung erlebten.

Seine ersten Koi Elternfische waren Sanke aus dem nahe gelegenen Ort Yomogihira

Die ersten Schritte waren, seine Reisteiche in Mudponds umzuwandeln. Sein Vater hatte hobbymässig einige Koi gehalten, aber das hatte Hiroshi nie interessiert. Er suchte Rat bei Bekannten aus seiner Umgebung und hielt Ausschau nach Elternfischen. Seine ersten Elternfische waren Sanke aus dem nahe gelegenen Ort Yomogihira. So also startete die Hirasawa Koi Farm. Eines habe ich während meiner vielen Jahre in Japan gelernt, hier arbeitet man in jeder Hinsicht jahrelang hart, um Perfektion zu erreichen. Im Fall von Hiroshi dauerte es etwa 15 Jahre, bis er mit
Zuversicht auf seine Koizucht blicken konnte. Zu Beginn verkaufte er seine Koi Fische ausser Haus an japanische Koi-Hobbyisten und bei Versteigerungen in der Stadt Ojiya und anderen Orten in den Bergen.

Hiroshi und Kazu

Endlich, Mitte der 80er Jahre, fühlte Hiroshi, dass er hochklassige Sanke produzierte. Dies bewies er sich selbst, indem er einen Sanke zum Preis von 250.000 Yen (heute wäre der Wert mehr als 1.000.000 Yen) an einen anderen Züchter verkaufte. Es war ein grossartiges Gefühl, einen solchen Koi zu erzeugen und an einen Züchter-Kameraden zu verkaufen, der die erstklassige Qualität dieses Fisches ebenso einschätzte. Mit dieser Zuversicht und jetzt auch Kenntnissen in hochwertiger Koizucht ausgestattet beschloss er vor etwa 15 Jahren, mit der Zucht von Goshiki zu starten. Er hatte gelernt, dass er für die Produktion guter Goshiki exzellente Elternfische finden musste. Diese Suche erstreckte sich über einen langen Zeitraum, so lange, dass er seine Idee fast aufgegeben hätte. Endlich fand er dann einen männlichen Goshiki im Bezirk Saitama und einen weiblichen Kohaku aus der Benibanna Blutlinie. Mit diesen beiden Koi startete er seine bis heute fortwährende Produktion exzellenter Goshiki.

Einstieg in den Koi Export

Kazu mit Tategoi

In den Koi Export stieg Hiroshi vor etwa 13 Jahren ein. Über einen japanischen Agenten gingen seine ersten Koi nach China. Erste eigene Werbeartikel erschienen im japanischen Koi-Magazin Rinko, und während der letzten 10 Jahre hat er seine Firma stetig ausgebaut.

Im Oktober 2004 wurde sein Geschäft, wie das aller anderer, durch das schwere Erdbeben um Jahre zurückgeworfen. Mit seiner Familie sass Hiroshi in seinem Haus zwei Tage lang fest, bis er per Helikopter ausgeflogen werden konnte. Glücklicherweise besass er einige Generatoren, aber nur begrenzt Benzin, so dass er entscheiden musste, welche Koi er retten konnte und welche nicht. Er verlor seine Sanke Elternfische und auch viele junge Koi. Erst nach etwa 10 Tagen konnte er seine Mudponds erreichen, wo er die Rettung seiner qualitativ besseren Koi bewältigte. Auch damals dachte er zu keiner Zeit daran, sein Geschäft aufzugeben, aber es brachte ihn auf die Idee, ein weiteres Koihaus ausserhalb der Berge zu bauen. Sechs Jahre später war die Produktion wieder voll angelaufen, und wieder waren Goshiki und Sanke seine bevorzugten Koi Varietäten.

Die Koi-Zucht wächst

Mountain Tosaihaus

Heute hat die Kanno Koi Farm 3 Fischhäuser, 2 davon in der Nähe ihres Wohnhauses in den Bergen. Vor 4 Jahren erbauten sie ein sehr schönes Fischhaus in Yokomakura. Sie besitzen 70 Mudponds, 40 für Tosai, 19 für Nisai und die restlichen für grössere Fische. Im Allgemeinen züchten sie mit etwa 10 weiblichen und männlichen Fischen. Aus der Fischbrut von 4 bis 5 Millionen verbleiben schlussendlich im Herbst annähernd 15.000 Tosai sowie 600 zweijährige und ältere Koi. Die Schwerpunktvarietät ist heute Goshiki, während Sanke und auch einige Showa und Kohaku gehalten werden. Das Geschäft exportiert 70% der Fische, 30% werden in Japan verkauft. Hiroshi glaubt aber, dass die wirklich hochklassigen Koi von japanischen Hobbyisten erworben werden.

Kanno Goshiki Koi in Japan anerkannt

Einer von zahlreichen Preisen!

Goshiki der Kanno Koi Farm werden heute als einige der besten Züchtungen in Japan anerkannt und haben zahlreiche Preise dort und in der ganzen Welt erzielt. Obwohl er ein noch relativ “neuer” Koi Züchter ist, hat einer seiner Sanke 1. Preise bei der All Japan Koi Show gewonnen. Ihre Koi Fische sind bei japanischen Hobbyisten hoch angesehen und deshalb auch bei fremden Kunden heiss begehrt.

Hiroshi blickt auf die letzten 40 Jahre mit Stolz zurück und sagt, wenn er den Reisanbau weitergeführt hätte, er möglicherweise niemals so viele Menschen in der ganzen Welt hätte kennenlernen können. Und obwohl er meint, dass seine besten Jahre im Koigeschäft bereits vergangen sind, versteht er, dass das Geschäft überall schwierig geworden ist. Er bedenkt aber, dass sich das Koigeschäft grundsätzlich weiter vervollkommnen wird, was immer auch geschehen mag, und meint, dass er selbst nicht mit weiteren Fischhäusern und Mudponds expandieren wird. Seine Blutlinien und die Zucht erstklassiger Koi wird er aber weiter vorantreiben.

Schon immer in Koi vernarrt

2-jährige High Quality Koi

So lange er sich erinnern kann, ist Kazu, Hiroshis Sohn, in Koi vernarrt. Bereits als 4 jähriger half er seinem Vater, und sein einziger Wunsch war, ihm zu helfen und mit Koi zu arbeiten. Sein Vater habe niemals von ihm erwartet, dass er sein Nachfolger werde und das Geschäft weiterführen würde. Heute ist Hiroshi selbstverständlich stolz, dass dies eingetroffen ist. Schon während seiner Schulzeit arbeitete Kazu bei Dainichi, um Erfahrungen zu sammeln.

Im Alter von 18 Jahren verliess er die Schule und begann, bei seinem Vater zu arbeiten. Zwischen beiden besteht ein extrem starker Zusammenhalt, man sieht sie immer zusammen bei ihrer harten Arbeit in Geschäftsangelegenheiten. Selbst während der Wintermonate arbeiten sie mehr als 12 Stunden am Tag, im Sommer sogar noch länger, wenn auch die Tage länger werden.

Während der ganzen Zeit, die ich mit der Familie verbracht habe, habe ich sie niemals streiten, sondern immer nur glücklich gesehen. Kazu hat jetzt mit 22 Jahren realisiert, dass sich das Koigeschäft seit den Anfängen seines Vaters enorm verändert hat. Er sagt, dass er, wenn er eines Tages CEO erreichen könnte, das Geschäft verkleinern und sich der Verbesserung der Blutlinien und somit auch der Qualität seiner Koi widmen würde. Ebenso weiss er, dass die Erhaltung der Gesundheit seiner Koi extrem wichtig für das Wachstum der Koi Farm ist.

Des Weiteren habe ich bemerkt, dass eine sehr enge Freundschaft mit Sakai San (Matsunosuke) zwischen den Vätern Hiroshi und Toshiyuki und auch ihren Söhnen Kazu und Toshiaku besteht. Diese wirklich enge Freundschaft basiert auf dem Koigeschäft und beide sehen Sakai nicht nur als Freund, sondern auch als Mentor.

Weit wichtiger ist für ihn, dass er sein leben geniessen kann.

Derweil wir uns unterhalten, erklärt Hiroshi, dass er mit seiner Entscheidung für das Koigeschäft während der vielen vergangenen Jahre sehr glücklich geworden ist. Er weiss, dass er niemals der grösste oder reichste Koi-Züchter der Gegend werden wird. Weit wichtiger ist für ihn, dass er sein Leben geniessen kann und sein Sohn Kazu dieses Lebensmotto von ihm übernommen hat. Kazu lächelt und stimmt ihm zu, Hiroshi erinnert ihn aber daran, dass er bis zum Alter von 63 Jahren noch einen langen Weg gehen muss.

Koi Liebhaber Martin, Hiroshi & Kazu

In unseren Koi Online Shop finden Sie eine Vielzahl an verschiedenen Kois aus Japan.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 67 – Kanno Fisch Farm – Die nächste Generation | Text & Bilder Martin Symonds

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