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Koshiji Koi Farm – Mr. Koi Socke

Kiyoshi Kase Koi-Socke
Die von Kiyoshi Kase San erfundene Koi-Socke

Wie viele Menschen auf der ganzen Welt verwenden heute eine Koi Socke, um ihre Koi zu bewegen? Tausende, Zehntausende, Hunderttausende? Aber wer weiss schon, worher diese Socke kommt? Ich, denn ich kenne den Mann, der sie erfunden hat.

Vom Doitsu Showa, Doitsu Sanke, Doitsu Kohaku, Yamatonishiki, Goshiki über Kikokuryu, Herr Kiyoshi Kase, Inhaber und Gründer der Koshiji Koi Farm, hat sich in den letzten 30 Jahren in der Koiwelt hier in Japan und auf der ganzen Welt einen Namen gemacht.

Kase Sans Toilette

Denke ich an 1993 zurück, denke ich an Kase Sans Toilette. Es ist vielleicht nicht grade üblich einen Artikel über einen Koi Züchter so zu beginnen. Aber auch wenn ich hier über einen der schönsten Koizüchter berichte hat mich doch vor 25 Jahren zweifelsohne seine Toilette am meisten umgehauen. Viele Menschen, die Japan in den letzten 20 Jahren besucht haben, werden jetzt wissen, was ich meine, wenn ich darüber spreche. Beim Betreten der Toilette öffnete sich der Klodeckel automatisch und es ertönten eine Reihe von Geräuschen. An der Wand befand sich ein Bedienfeld mit Knöpfen, kleinen Diagrammen und Anweisungen – auf japanisch natürlich. Abgesehen vom Sitzen auf einem warmen, beheizten Sitz und der Betätigung einiger Knöpfe, musste man nichts tun, alles war automatisch. Es wurde automatisch gespült und der Deckel schloss sich, wenn man ging. Mir wurde gesagt, dass die Kosten für diese Toiletten ungefähr eine Million Yen waren! Meiner Meinung nach gibt es keine bessere Art als diese um auf Toilette zu gehen.

Koi-Teiche der Koshiji Koi Farm
Koi-Teiche der Koshiji Koi Farm

Der Ursprung der Koshiji Koi Farm

Herr Kiyoshi Kase – jetzt 70 Jahre alt – wurde in Koshiji geboren, einen Kilometer entfernt von dem Tal, wo er jetzt lebt. Koshiji liegt etwa 30 km von Ojiya entfernt. Seine Eltern führten ein sehr altes und traditionelles Hotel mit heißem Quellbad namens Hakama Onsen. Dort wurde er geboren und lebte bis zu seinem 30. Lebensjahr dort. Das Hotel wurde am Ende des Tales gebaut, ein Bach ging durch das Tal und seine Eltern hatten einige dekorative Teiche um das Hotel herum gebaut, in die sie Koi Fische gesetzt hatten. Seit dieser Zeit interessierte sich Kiyoshi für Koi.

Mit Mitte zwanzig (24) war sein Interesse an Koi Karpfen so groß geworden, dass er an dem Ort, an dem sich jetzt sein Zuhause und seine Koshiji Koifarm befinden, einige Teiche bauen ließ. Damals war der Showa seine Lieblingsvarietät. Er hatte Elternkoi von der Kobayashi-Showa-Sanshoku-Blutlinie erworben, und so begann er, mit diesen Eltern-Koi zu züchten.

Er hatte auch Showa aus der Sekiguchi-Blutlinie und kreuzte die beiden Blutlinien. Es war im Jahr 1974, als er mit dem Verkauf von Koi an Hobbyisten vor Ort und in Japan begann. Bekannt wurde er durch die Züchtung hochwertiger Showa. Dieser Geschäftswachstum ermöglichte es ihm, 1981 seine ersten beiden Koi-Häuser und 1991 das letzte zu bauen.

Luftbild Kase Koi Farm
Luftbild von der Kase Koi Farm

Erst im Jahre 1993 kaufte Michel Capot einen Koi bei ihm. Im darauffolgenden Jahr kamen ich und Michel, um einen Tosai zu kaufen, dies war der Beginn des Verkaufs an Ausländer. Wir waren so beeindruckt, dass wir uns einig waren, alles zu kaufen, was er uns gestatten würde. Rückblickend war er darüber ein bisschen geschockt. Er erzählte mir, wie unseriös er das damals fand. Aber dieser Gedanken verflog, als wir drei Wochen später alle seine Tosai nach Großbritannien und Europa verschifften. Innerhalb weniger Jahre wurden seine Koi bei Kunden in Europa sehr beliebt.

Zu dieser Zeit war er auf Koi-Shows dort lernte einen örtlichen Hobby-Koi-Züchter aus dem Dorf Katakai kennen mit dem er sich anfreundete. Dieser Koiliebhaber war Herr Haru Aoki, der späteren weltbekannten Farm A.O. Aokiya Koi Farm.

Aoki San züchtete Hikarimono-Sorten und Kase erkannte, dass diese Sorten bei Kunden auf der ganzen Welt beliebt werden würden. Aoki San züchtete Koi nur als Hobby, da er im Dorf ein Grillfleischrestaurant – Yakinikubetrieb und kein Koi-Haus hatte. Kase San erlaubte ihm, seinen Tosai in einigen seiner Innenteiche zu halten.

In den nächsten Jahren arbeiteten sie eng zusammen und Kase San erkannte, dass die Hikarimono-Sorten sehr beliebt geworden waren. Er beschloss, von der Showa-Zucht Abstand zu nehmen und Hikarimono-Sorten und weitere Doistu Go Sanke-Sorten zu züchten. Innerhalb der Hikarimonozucht konzentrierte er sich auf Heisei Nishiki (Yamatonishiki), Kikokuryu und Kin Kiko-kuryu. Kase San erklärte, dass die Sorte Yamatonishiki anfangs vollkommen geschuppt war, davon nun allerdings nichts mehr übrig geblieben sei und sie in Doitsu Yamatonishiki umbenannt wurden. Über die Jahre wuchs der Beliebtheitsgrad der Koi von Kase San und Aoki San. 2003 änderte sich ihre Zusammenarbeit jedoch.

Koshiji Koi Farm - Koi Haus Nr. 2
Koshiji Koi Farm – Koi Haus Nr. 2

2003 Ausbruch von KHV

Mit dem Ausbruch von KHV in Japan im Jahr 2003 beschlossen die beiden Freunde, dass es sicherer sei, ihre Koi zu trennen. Aoki San verlegte seine Koi in seine neuen Koi-Häuser in Katakai. Ich hatte damals viele Gespräche mit Kase San über KHV und er erkannte die Gefahren, die von diesem Virus ausgehen können. Er entschied, dass er beim Bau neuer Schlammteiche nicht auf Wasser aus den Bergen angewiesen sein wollte, sondern eigenen Bohrlöcher einzubauen, um Wasser aus dem Boden zu ziehen.

Koshiji Koi Farm - Koi Haus Nr. 3
Koshiji Koi Farm – Koi Haus Nr. 3

Bau neuer Koi Schlammteiche

Zwischen den späten 1990ern und den frühen 2000ern begann Kase San mit dem Bau von immer mehr Teichen in der Nähe seines Hauses und im Tal. Er entwarf und baute all dies zusammen mit seinem Freund. Ich hatte das Glück, viel Zeit mit ihm verbringen zu dürfen. Ich hatte ja auch Erfahrung mit dem Bau von Teichen auf meiner eigenen Koi Farm in Großbritannien. Während dieser Zeit verbrachte ich viele Stunden mit Kase San in einem Bulldozer, der ihm beim Bau seiner Teiche während der Sommermonate half, und ich muss sagen, es war eine der schönsten Zeiten, die ich je hier in den Bergen hatte.

Koshiji Koi Farm - Bau neuer Koi Schlammteiche
Koshiji Koi Farm – Bau neuer Koi Schlammteiche

Glühwürmchen, BBQ’s und der Koch des Kaisers

Nachdem wir den ganzen Tag an den Teichen gearbeitet hatten, verbrachten wir viele Abende damit, im Kase San Haus zu grillen. Eine andere Sache, für die diese Gegend in Koshiji bekannt ist, sind auch ihre Glühwürmchen, die bis heute die Gegend an einem Sommerabend erhellen können. Was sehr schön anzusehen ist. Eines Abends sagten Herr und Frau Kase, wir würden zum Hotel ins Tal fahren, in dem Kase San geboren und aufgewachsen war. Bis dahin wusste ich nicht einmal, dass es dort war, da es so gut versteckt war. Es war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit, das Hotel war traditionell japanisch und der Besitzer und der Koch, die uns mit Essen versorgt haben, hatten eine sehr interessante Vergangenheit. Er hatte in diesem Hotel den persönlichen Koch des Kaisers von Japan übernommen. Ich habe einen Einblick in das alte Japan erhalten, den nur wenige Leute je bekommen würden. Leider hat das Erdbeben 2004 das Hotel zu stark beschädigt und es wurde geschlossen. Ich habe es vor kurzem noch einmal besucht, und es war eine Schande zu sehen, dass es verrottete, weil ich wusste, welche Geschichte es hatte.

Koshiji Koi Farm - Kunden beim selektieren der Doitsu Koi
Koshiji Koi Farm – Kunden beim selektieren der Doitsu Koi

Das Erdbeben von 2004

Als das Erdbeben in Chuetsu im Oktober 2004 ausbrach, war Kase San mit seiner Frau zu Hause. Da sie einige Kilometer von Ojiya entfernt waren, waren die Schäden gering. Er hatte leichte Schäden an seinen Koihäusern und etwa 70% seiner Schlammteiche waren beschädigt, aber nicht ernsthaft. Er verlor ungefähr 5000 Tosai, aber dies nicht durch das Beben, sondern durch den Stromverlust. Glücklicherweise befanden sich seine Elterntiere und die Mehrheit seiner Nisai und größeren Koi immer noch in seinen Schlammteichen. Im Vergleich zu vielen anderen Koi Züchtern konnte er froh über die geringen Verluste sein.

Koshiji Koi Farm - Tempelruine
Koshiji Koi Farm – Tempelruine nahe seinem alten Zuhause

Der Erfinder der Koi-Socke

Koi-Socke
Die von Kase San erfundene Koi-Socke

Fragen Sie einen Koiliebhaber was der wichtigste Ausrüstungsgenstand beim täglichen Umgang mit den Koi Fischen ist, wäre sicher die Koi-Socke ganz oben auf der Liste. In den 1990er Jahren wollte Kase San einen Weg finden, um seine Koi Karpfen sicherer und effizienter zu bewegen. So fing er an, seine eigene Koi-Socke mit Plastiktüten herzustellen. Dies war nicht ideal, also rief er Matsuda Nets an und erklärte, was er suchte und wollte. Matsuda kam zurück mit dem Prototyp dessen, was wir heute alle als Koi-Socke kennen. Eine geniale und einfache Idee, entworfen von Kase San.

Koi Zucht- und Schlammteiche

Über seine Koi Zucht führt Kase San sehr detailliert Buch. Er zeichnet genau auf welche Koi von ihm gezüchtet wurden, welche Elterntiere er für die Zucht verwendet hat und ihre Erfolg. Diese Aufzeichnungen sind sehr umfangreich und bestehen aus vielen Büchern und Fotos. Er hat rund 100 weibliche und 200 männliche Koi, die er für seine Zucht verwendet. Letztes Jahr benutzte er 29 Weibchen, die 15 verschiedene Sorten abdeckten. Abhängig von den Weibchen verwendete er zwischen 2 und 4 Männchen pro Weibchen.

Mit all diesen Elternkoi züchtet er ungefähr 3.000.000 Eier. Während des Sommers finden drei Selektierungen statt, hier wird von 3.000.000 auf etwa 30.000 Koi reduziert, so dass nur 10% übrig bleiben. Dieses Selektieren wird von Herr und Frau Kimiko Kase und Mitarbeiter Katsunori Iguchi. Zur Ergänzung seiner Koi-Häuser hat er jetzt 70 Schlammteiche. 35 für Tosai, 15 für Nisai und 20 größere Teiche für Sansai und höher. Wie bei so vielen Koi Züchtern hier in Niigata ist sein Geschäft jetzt zu 80% Export und die restlichen 20% bleiben in Japan.

Koshiji Koi Farm - Tategoi
Koshiji Koi Farm – Tategoi

Die Zukunft Koshiji Koi Farm 

In den letzten Jahren war Kase San mit seinen Koi auf den Koi Shows in Japan und im Rest der Welt erfolgreich. Nach so vielen Jahren im Alter von 70 Jahren ist Kase San immer noch mit grossem Enthusiasmus dabei immer bessere Koi und immer neue Koi Varietäten zu züchten. In letzter Zeit hat er mit seinen Showas grosse Erfolge erzielt und möchte sie weiter verbessern. Er hofft auch eine neue Koi Varietät zu züchten. Als ich fragte, was er sich vorstelle, sagte er: „Vielleicht einen metallischen Beni Kumonryu“. Wer weiß, was wir in Zukunft noch sehen werden.

Ich habe viele Tage und Nächte mit Herrn und Frau Kase verbracht und kann ihnen nur für ihre Gastfreundschaft und Freundschaft in den letzten 25 Jahren danken. Er hat die Koi Masterclass unterstützt, die wir seit Beginn des Jahres 2000 hier in Niigata abhalten und an der er jedes Jahr noch teilnimmt.

Koshiji Koi Farm - Blick von Kases Haus auf die Koi Farm
Koshiji Koi Farm – Blick von Kases Haus auf die Koi Farm

Koi und Toilette

So wie ich diesen Artikel mit dem Thema Toiletten angefangen habe, so sollte ich ihn auch damit beenden. Wie bereits erwähnt sind Kase San und Aoki San die besten Freunde und gehen auch als Konkurenten freundschaftlich miteinander um, wenn es um Koi geht. Aber auch beim Thema Toilette sind sie sich einig! Als Aoki San vor ein paar Jahren sein neues Haus baute, zeigte er mir seine Toilette. Hier sah man nicht nur die modernste Toilette, die alles für einen erledigt sonder auch eine Beleuchtung, die das Licht wechselte und Musik, die den Raum mit klassischer Musik erfüllte damit man sich vollkommen entspannen kann. Also wirklich … Koi und Toilette, was für eine Kombination.

 

Nach so vielen Jahren im Alter von 70 Jahren ist Kase San immer noch mit grossem Enthusiasmus dabei immer bessere Koi und immer neue Koi Varietäten zu züchten.

 

Eine grosse Auswahl an Kois aus Japan finden Sie in unserem Koi Online Shop, unter anderem natürlich Doitsu Showa, Doitsu Sanke, Doitsu Kohaku, Yamatonishiki, Goshiki und Kikokuryu.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 99 – Koshiji Koi Farm | Text & Bilder Martin Symonds

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