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Miyatora Koi Farm

Miyatora Koi Farm

Wer mich gut kennt, versteht, dass mein Interesse und meine Liebe für Japan nicht mit Koi beginnt und endet, obwohl dies ein wichtiger Teil davon ist – ich war immer fasziniert und wollte alles über die japanische Kultur und Geschichte lernen. Diese Suche nach Erkenntnissen während der letzten 33 Jahren hat mir gestattet, so viel in diesem wundervollen Land zu entdecken, dass ich es tatsächlich als meine zweite Heimat bezeichnen würde.

Deshalb begeistert es mich immer wieder, mit Koi-Züchtern über ihre frühen Anfänge oder die Geschichte ihrer Familien zu sprechen. In vielen Fällen wissen sie nicht viel darüber, wie ihre Grossväter oder auch Väter das Familiengeschäft aufgebaut haben. Wenn alle zusammensitzen, um über die Ursprünge zu reden, ist es zuweilen das erste Mal, dass ein Familienmitglied diese Geschichte selbst hört.

Dies ist bei der Miytora Koi Farm aber nicht der Fall, da die Geschichte der Farm und der Familie offenbar gut bekannt ist und von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Ausserdem ist dies eine der wenigen Koi Farmen, die ihre Wurzeln über 100 Jahre zurückverfolgen kann. Ich habe den Vorteil, die Familie zu kennen, seit fast 30 Jahre Geschäfte mir ihnen zu machen und ihre Entwicklung zu einer der grössten und besten Koifarmen während dieser Zeit zu beobachten.

Die Geschichte der Koi Farm wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Heute spreche ich mit Katsunori Miya, nun 53 Jahre alt – leider geht es seinem 91jährigen Vater Toraichi Miya nicht gut genug, um sich uns anzuschliessen. Es war Toraichi, den ich vor vielen Jahren zuerst getroffen und mit dem ich Geschäfte abgeschlossen habe und dessen Vater Ichizo Miya mit der Zucht und dem Verkauf von Koi vor über 100 Jahren begonnen hat.

Katsunori erklärte, dass sein Grossvater Ichizo wie alle Familien in dieser Region ein Reisfarmer war; die terrassenförmigen Reisfelder wurden von einem hoch in den Bergen liegenden Teich gespeist. In diesem Teich hielt die Familie Magoi gewöhnliche Karpfen, um ihren Speiseplan während des ganzen Jahres, besonders aber im Winter, aufzubessern, wenn sie durch starke Schneefälle monatelang von der Aussenwelt abschnitten war. Die Magoi vermehrten sich natürlich und die kleinen Fische wuchsen in diesem Teich und auch in den Reisfeldern heran.

Manchmal sah sein Grossvater junge, farbige Fische, Katsunori sagte, dass diese Fische wie Kohaku und Asagi aussahen, dies aber selbstverständlich nicht sein konnten. Es ist schwer zu erklären oder zu begreifen, was man zu jener Zeit über diese verschiedenfarbigen Fische unter den Magoi dachte, aber offensichtlich verursachte es ein wenig Anregung, Aufregung und Interesse, diese Fische zu separieren und nicht auf den Speiseplan zu setzen. Schon bald wollten Einheimische sie kaufen und als Haustiere halten. Zuerst wurden diese Fische für sehr kleine Geldbeträge verkauft und viele starben sehr schnell, da niemand Erfahrung mit der Haltung von Fischen hatte.

Eine Zeitlang geschahen verschiedene Dinge und mehr und mehr Einheimische wollten diese ungewöhnlichen farbigen Fische besitzen. Deshalb verbrachte der Grossvater mehr Zeit mit Beobachten und Lernen, wie diese Fische zu halten sind. Schliesslich wurde er als Experte und örtlicher Grosshändler bekannt. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass zur gleichen Zeit ein Verwandter nur wenige Meilen entfernt auch einer der bekanntesten Grosshändler wurde; auch diese Familie hiess Miya und entwickelte sich zur berühmten und renommierten Miyaishi Koi Farm, die schon damals Koi von allen möglichen Züchtern in den umliegenden Bergen sammelte und nach Tokyo oder Kyoto verkaufte. Dieser Miya San wurde viele Jahre später mein Mentor bis zu seinem Tod im Jahr 2010.

Ein sehr alter Koi Zuchtbetrieb ist die Miyatora Koi Farm. Seit über einhundert Jahren werden hier schon Koi gezüchtet.

In diesen frühen Tagen züchtete sein Grossvater weiterhin Koi Fische und verbesserte seine Kenntnisse.

In diesen frühen Tagen züchtete sein Grossvater weiterhin Fische und verbesserte seine Kenntnisse. Katsunori’s Vater Toraichi wuchs in dieser Familie mit 4 Schwestern und einem Bruder auf, einige seiner Schwestern waren älter als er, aber er war der älteste Sohn und sollte in späteren Jahren Familienoberhaupt werden. Als kleiner Junge sah er seinen Vater mit Koi arbeiten. Ihr Wohnhaus lag in Araya und niemand, der heute die Miyatora Koi Farm besucht, erinnert sich noch an die schmale gewundene Strasse, die zu ihrem Haus führte. Leider kam die Verantwortung, Familienoberhaupt zu werden, viel früher als erwartet, da sein Vater Ichizo im Alter von 50 Jahren plötzlich verstarb. Toraichi war ein Junge von nur 14 Jahren, als er als Familienoberhaupt die Verantwortung für seine Mutter, 4 Schwestern und einen Bruder  übernehmen musste – eine enorme Verantwortung für einen Jugendlichen. Er musste die Schule verlassen und die Versorgung seiner Familie übernehmen. Er wusste nur wenig über Koi und Reisfarmen und konzentrierte sich nun vollständig darauf.

Neue Miyatora Koi-Zucht Anlage

Ein Sanke als Hochzeitsmahl!

Dies geschah während jener Zeit, als 1945 – 1946 der zweite Weltkrieg endete. Toraichi kann sich daran erinnern, dass 1946 eine seiner älteren Schwestern geheiratet hat. Geld und Besitz waren sehr knapp, aber als Familienoberhaupt tat er sein Bestes, um die Hochzeit seiner Schwester auszurichten. Er beschloss, ihr als Hochzeitsgeschenk einen seiner besten Sanke zu geben, da er nichts anderes hatte. Ich meinte, dies war ein sehr schönes Geschenk, und ob sie den Fisch wohl verkauft haben? Er sah mich an, lächelte und sagte: „Nein, das war ihr Hochzeitsmahl!!!!

Während der nächsten 20 Jahre von 1945 bis 1965 konzentrierte sich Toraichi auf Reisanbau, Zucht sowie Ein- und Verkauf von Koi auf örtlichen Volksfesten, um Geld zu verdienen. Während der Wintermonate arbeitete er in der Gegend um Niigata im Baugewerbe – sein Leben war extrem hart.

Kois wurden populärer

Seit 1965 erlebte Japan ein starkes Wirtschaftswachstum. Neue Häuser mit Gärten und Teichen wurden gebaut und auch Koi wurden populärer. Eine spezielle Varietät, Yamabuki Ogon, war sehr beliebt. In dieser Zeit hatte Toraichi einige der besten Yamabuki Ogon in Japan, bald hatte sich dies herumgesprochen und besonders Grosshändler aus ganz Japan kamen, um seine Koi zu kaufen. Dies brachte ihm und – weit wichtiger – seiner Familie Geld. Dieses Geld investierte er überlegt in den Kauf weiterer Koi, besonders Go Sanke, die er heranwachsen liess und für sehr viel Geld verkaufte.

So verkaufte er im Jahr 1965 3 Jahre alte Go Sanke für 100.000,00 Yen pro Koi! 1965 war auch das Jahr, in dem er seinen ersten 1.000.000,00 Yen Koi produzierte.

Neues Koihaus für 2- und 3-jährige Koi

Der erste Grand Champion Titel auf der ersten All Japan Koi Show

Die erste All Japan Koi Show fand 1968 in Tokyo statt. Toraichi war Gewinner des ersten Grand Champion Titel mit einem 55 cm Doitsu Sanke. Erstaunlicherweise hatte er diesen Koi Fisch kurz vor dem Wettbewerb für umwerfende 300.000,00 Yen verkauft. Noch utopischer war, dass dieser Koi direkt nach der Show für fantastische 1.000.000,00 Yen verkauft wurde, was zu diesem Zeitpunkt noch nie geschehen war.

In dieser Zeit erfand er auch den Namen Miyatora. Sein Familienname war Kokuraimochi, aber er mochte die Endung „Imochi“ nicht und änderte ihn auf den allseits bekannten Namen Miyatora.

Seit 1968 hat Toraichi nur noch mit Koi gearbeitet. Er besass 10 Koiteiche, aber noch kein Koihaus. Er kaufte und verkaufte noch immer Koi, hatte aber nicht genug Platz, Koi nach seinen Wünschen zu züchten. Dem Grunde nach arbeitete er so bis 1978.

Langsam begann Katsunori, seinem Vater zu helfen. Im Alter von 12 Jahren fütterte er die Koi zweimal täglich, vor und nach der Schule. Er kann sich daran erinnern, dass damals viele Leute ihre Reisfelder verkauften (zu jener Zeit zahlte die japanische Regierung Ablösesummen an Farmer, um die Reisproduktion einzuschränken). Infolge dessen kaufte sein Vater weiteres Land, da er mit Koi Geld erwirtschaftet hatte. Dies ermöglichte ihm den Kauf weiterer Teiche und die Zucht weiterer Koi in grösserem Rahmen.

Neues Tosaihaus

1980 startete Katsunori die Zucht von Kohaku und Sanke.

Nach Abschluss der Hochschule im Alter von 18 Jahren schickte sein Vater Katsunori zur Ausbildung auf eine Koifarm in Fukuoka, die Fukuoka Koi Farm. Dort verbrachte er 2 Jahre und erlernte die Zucht von Koi. Nach seiner Rückkehr auf die Farm seines Vaters begann er, perfekte Koiteiche zu bauen. Er startete die Zucht von Kohaku und Sanke, da er meinte, dass der Schlamm in seinen Teichen nicht gut für Showa sei. Dies ereignete sich im Jahr 1980.

Katsunori gibt zu, dass es ein sehr harter Lernprozess war und sie viele Fehler machten, aber er war ausdauernd. Zur gleichen Zeit zeigte ihm sein Vater, wie er Qualität bei Koi erreichen konnte. Während sich Katsunori auf die Zucht konzentrierte, kaufte sein Vater hochwertige Koi, um sie heranwachsen zu lassen und dann zu verkaufen. Aber etwa 1990 entschloss er sich, dies zu stoppen, da bekannt wurde, dass Krankheiten bei Koi in Japan auftraten. Aus Sorge, Koi mit möglichen Krankheiten anzuschaffen, beschlossen sie stattdessen, nur noch ihre eigenen Koi zu züchten.

Er denkt, dass die Zeit zwischen 1985 und 1993 die beste für das Geschäft war. Ich selbst kaufte die ersten Koi bei ihnen im Jahr 1983. Während dieser Zeit expandierte ihr Betrieb. Das erste Koihaus wurde 1975 erbaut, ein weiteres 1991 und 1994 begannen Michel Capot aus Belgien und ich selbst, all ihre Tosai und Nisai zu kaufen. Katsunori sagt, dass danach ihr Betrieb wirklich gross wurde.

Neues grosses Tosaihaus

Wie bei allen Koi Züchtern in dieser Region veränderte das verheerende Erdbeben im Oktober 2004 alles.

2004 besass er 4 Koihäuser, 20 Teiche für Tosai, 15 Teiche für Nisai und einige Teiche für grössere Koi. Die vorwiegenden Varietäten waren Go Sanke, Gin Rin Go Sanke und Kin Ki Utsuri. Vor 2004 exportierten sie etwa 50% ihrer Fische, die anderen 50% wurden in Japan verkauft.

Wie bei allen Koi Züchtern in dieser Region veränderte das verheerende Erdbeben im Oktober 2004 alles. Ich erinnere mich, dass ich 2 Tagen nach dem Beben auf ihrer Koi Farm eintraf und nicht glauben konnte, was ich dort sah. Das Wohnhaus war von herabstürzenden Wassermassen aus den Bergen um mehrere Meter verschoben worden. Es wurde später abgerissen. Die Gefühle nach dem Erdbeben waren gemischt. Die Familie hatte viele Koi Fische von Kunden verloren, aber von ihren eigenen Beständen etwa 70% retten können.

Einen Tag nach dem Erdbeben begutachtete Katsunori seine Mudponds. Alle waren beschädigt, aber er dachte nicht daran, aus dem Geschäft auszusteigen. Es würde nur sehr viele Arbeit kosten, alles wieder in den alten Zustand zu versetzen. Als Familie hatten sie mehr freie Kapazitäten als andere, und da 70% der Fische gerettet wurden, konnte er sein Geschäft bereits im folgenden Jahr weiterführen. Gerade 3 Wochen nach dem Beben bat ich einige meiner Kunden, zu helfen und die Züchter zu unterstützen – und organisierte den Kauf eines hervorragenden 4-jährigen Goshiki von dort.

Das Erdbeben hat die Miyatora Koi Farm stärker gemacht!

Zurückblickend denkt er, dass das Erdbeben die Familie eigentlich stärker gemacht hat. In den letzten 9 Jahren haben sie einen soliden neuen Betrieb, 3 neue Fischhäuser und ein neues Eigenheim aufgebaut. Er behauptet, dass sie dies nicht getan hätten, wenn das Beben sie nicht so hart getroffen hätte – dies war die Gelegenheit, um- und anzubauen. Heute besitzen sie 7 Koihäuser, 70 Mudponds und weitere Gebäude. Derzeitig produzieren sie Go Sanke incl. Gin Rin Varietäten, Sushui, Kujaku, Doitsu Sanke, Kin Ki Utsuri und andere Arten. Der Betrieb läuft auf voller Kapazität und wird weiter florieren, wenn sein 18jähriger Sohn Takumi in das Geschäft einsteigt.

Zurückblickend kann Katsunori erfreulicherweise feststellen, dass er Koi wirklich gern hat (ohne an das Geschäft zu denken) und dass dies gut für seine Familie gewesen ist. Über die Jahre hat er mit der Ambition, ausgezeichnete Koi zu produzieren, gut mit seinem Vater zusammengearbeitet. Er hat mir stolz erzählt, dass sein Vater erst im letzten Jahr bemerkte, dass Katsunori die besten Koi, die er jemals auf der Farm gesehen hat, produziert habe. Sie sehen, wie stolz ihn dies machte, als er es mir erzählte. Die Zukunft ist gesichert. Wenn Sie Koi in diesen riesigen modernen Einrichtungen ansehen, denken Sie daran und blicken Sie zurück auf die Zeit, wo für die Familie vor mehr als 100 Jahren alles begann. Sie werden erkennen, dass Sie es hier mit absoluten Koi-Originalen zu tun haben.

Besucher auf der Miyatora Koi Farm

 

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Quelle: Koi Kurier Ausgabe 82 – Miyatora Koi Farm | Text & Bilder Martin Symonds

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