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Otsuka Koi Farm

Die Otsuka Koi Farm

Obwohl ich die Otsuka Koi Farm seit 1994 jährlich besuche und dort Koi kaufe, fiel mir bei meinem letzten Gespräch mit Yoshikazu Otsuka auf, wie wenig ich über diesen ruhigen Koi-Züchter und sein Familienunternehmen wusste. Am Ende unseres Gesprächs war meine Bewunderung und mein Respekt für ihn deutlich gestiegen. Ich gab ihm auf Grund dieses Gesprächs den Spitznamen “Mr. Innovator“.

Yoshikazu Otsuka (52 Jahre alt) züchtet in dritter Generation in Koguriyama Koi. Koguriyama liegt an der Strasse nach Yamakoshi Village in den Bergen von Mushigame. Es war sein Grossvater, der anfing, sich für Koi zu interessieren und sie in einem Reisfeld hielt. Yoshikazu ist ein bisschen ungenau, wenn er von dieser Zeit erzählt, als wüsste er nicht viel darüber. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen in Japan nicht viel über die Vergangenheit ihrer Familien wissen. Dafür wurde die Familiengeschichte deutlich klarer, als wir auf seinen Vater Fumio Otsuka zu sprechen kamen.

Der Ursprung der Otsuka Koi Farm

Yoshikazu’s Vater Fumio ist der Bruder von Yokio Isa, der ein sehr bekannter Züchter in Uragara ist. Seine Farm heisst Isa Koi Farm und ist ebenso bekannt als Maruju Koi Farm. Nicht zu verwechseln mit der bekannten Isa Koi Farm, die in dem Aussenbezirk von Ojiya liegt. Fumio‘s Hauptfamiliengeschäft war der Reisanbau, doch er übernahm das Interesse für Koi von seinem Vater und begann über die Jahre Koi zu züchten. Er fing 1945 an, Koi an Leute vor Ort zu verkaufen. Yoshikazu‘s früheste Erinnerung daran, wie er seinem Vater bei den Koi half, war, als er 9 Jahre alt war. Er erinnert sich, wie fasziniert er von den Farben und der Schönheit war. Sein Vater züchtete Kohaku, Sanke und Yamatonishiki. Was aber für mich viel faszinierender war, war die Tatsache, dass die Yamatonishiki damals komplett beschuppt waren. Inzwischen werden diese Koi Fische nicht mehr gezüchtet und die Doitsu-Variante nahm überhand.

Yoshikazu Otsuka (52 Jahre alt) züchtet in dritter Generation in Koguriyama Koi.

1975 baute sein Vater das erste Koihaus und sie züchteten Kohaku, Sanke, Yamatonishiki und Doitsu Sanke.

Als er mit 18 die Schule beendete, wusste er genau, dass er mit Koi arbeiten wollte und so nahm er zwei sehr unterschiedliche Aufgaben an. Zum Einen verbrachte er viel Zeit damit, seinem Onkel Yokio Isa auf der Maruju Koi Farm zu helfen. Sein Onkel hatte den Ruf, gute High Quality Koi zu finden und zu selektieren, die in ganz Japan Wettbewerbe gewannen. Bei ihm zu arbeiten lehrte ihn also, Gewinnerfische zu erkennen. Zum Anderen arbeitete er im Miyakoya Auktionshaus, welches in diesen Tagen zweimal die Woche Auktionen abhielt. Sein Job war es, die Gebote auszurufen und die allgemeinen Arbeiten, wie z.b. das Ziehen der Koibehälter durch den Auktionsraum, zu erledigen. Auf diesen Auktionen war damals immer extrem viel los. Menschen aus ganz Japan kamen und kauften dort Koi. Es gab Tage, an denen wurden ungefähr 1200 Koibehälter versteigert.

All diese Erfahrungen vermittelten ihm ein sehr gutes Grundwissen für sein eigenes Koi-Geschäft.

Während der Arbeit im Auktionshaus lernte Yoshikazu, welches die beliebtesten Koi-Varietäten für den Verkauf sind. Er lernte, woher sie kamen und wieviel die Leute bereit waren, für verschiedene Qualitäten der Koi zu bezahlen. All diese Erfahrungen vermittelten ihm ein sehr gutes Grundwissen, welches für sein eigenes Koigeschäft, das er im Alter von 24 Jahren startete, von Vorteil war.

Während er mit diesen beiden Jobs jonglierte, baute er auch seine eigenen Mudponds und mietete Ponds, um dort Koi Fische zu halten. Das Geld hierfür nahm von seinem Gehalt und aus dem Verkauf der Koi, die sein Vater züchtete. Er hatte durch die Auktionen gelernt, dass für Varietäten, die durch das Kreuzen verschiedener Koi-Arten entstehen, mehr Geld gezahlt wurde. An diesem Grundsatz hat er bis heute fest gehalten und inzwischen 15 verschiedene Koi-Varietäten gezüchtet.

Einige der Fischhäuser der Otsuka Koi Farm

Die Otsuka Koi Farm ist auch berühmt für ihre Asagi und Aka Matsuba.

Ihre Asagi Blutlinie ist sehr verschieden zu der Asagi Blutlinie der Hosokai Koi Farm.

Die Arbeitsbelastung ist durch die Produktion der Asagi und 14 anderer Varietäten enorm. Er hat ungefähr 140 Elterntiere, die aus 100 männlichen und 40 weiblichen Koi bestehen und alle 15 Varietäten abdecken. Als er anfing zu züchten, benutzte er 25-30 weibliche Fische, die ca. 5.000.000 Stück Brut ergaben (100 Gramm Eier entsprechen ca. 100.000 Stück Brut). Immer, wenn das Selektieren beginnt, arbeitet er zwei Monate lang jeden Tag (ausser Sonntags). Während der Auslese braucht er die Hilfe von drei Leuten, während er sonst für den Rest des Jahres nur zwei von ihnen beschäftigt. Die Selektion ist eine riesige Arbeit, 5.000.000 Larven am Anfang und nur 50.000 Tosai (nur 1% von 5 Millionen) kommen Ende September über den Winter in das Fischhaus. Im Herbst diesen Jahres, will er 50.000 Tosai, 4000 Nisai (ein hoher Anteil von ihnen sind Asagi und Aka Matsuba), 500 Sansai und ca. 200 Jumbo Koi haben.

Die Otsuka Koi Farm ist auch berühmt für ihre Asagi und Aka Matsuba.

Das Erdbeben im Jahr 2004

Im Jahre 2004 änderte sich alles aufgrund des Erdbebens. Yoshikazu war in seinem Haus, als das Erdbeben zuschlug und er wusste sofort, das es ernst war. Am Morgen war die Hauptstrasse vor seinem Haus in einen Fluss verwandelt und er sah seine eigenen Koi Fische vorüber  schwimmen. Traurigerweise waren seine Mudponds, die höher lagen, zerstört. So konnten die Fische entkommen und ihren Weg ins Tal machen. Er musste feststellen, dass 90% seiner Ponds zerstört und nicht mehr nutzbar waren. Er hatte über 50% seiner Tosai, über 50% seiner grösseren Koi und über 70% seiner Elterntiere verloren.

Es kostete Yoshikazu 5 Jahre, sich von all dem zu erholen. Nun hat er eine grossen Teil seiner Ponds im flachen Land in Nagaoka. Er hat inzwischen 50 Tosai Ponds, 10 Nisai Ponds und 30 Ponds für Sansai und grössere Koi. Sei Geschäft und die Qualität seiner Koi hat sich jetzt um 100% verbessert.

Er ist sehr glücklich, dass japanische Koi so beliebt geworden sind und in die ganze Welt exportiert werden.

Als er mit dem Koigeschäft anfing, wurden all seine Koi ausschliesslich in Japan verkauft. Es war die Kamihata Farm, die als erste seine Fische exportierte. Es ist nun 20 Jahre her, dass Leute wie ich und andere Ausländer das erste Mal zu seiner Koi Farm kamen und seine High Quality Kois kauften. Inzwischen werden 70% seiner Fische exportiert und 30% werden in Japan verkauft. Ihm ist klar, dass, wenn das Koigeschäft nur in Japan geblieben wäre, es sehr hart für die Koi-Züchter geworden wäre und ist dankbar, dass Koi auch in anderen Ländern so beliebt geworden sind.

Bericht über Otsukas Fische in einer japanischen Fachzeitschrift

Eine neue Koi Varietät – Kage Shiro Utsuri

Während unserer Unterhaltung erzählte der ruhige Mann immer mehr über seine Ideen für die Zukunft und die neuen Varietäten, die er gerne züchten möchte. Er berichtet mir über eine neue Art, die Kage Shiro Utsuri heisst. Er denkt darüber nach, Asagi mit Shiro Utsuri zu kreuzen und wie das Ergebnis aussehen könnte. Mit der Arbeit an diesem Projekt begann er schon vor 12 Jahren. Er nahm einen männlichen Asagi und einen weiblichen Shiro Utsuri. Von der ersten Zucht nahm er die Shiro Utsuri Brut und liess sie drei Jahre wachsen, um sie dann mit reinen Asagi zu kreuzen. Die zweite Generation der Koi sah schon nach Kage Shiro aus und bei der dritten Generation war es geschafft … er züchtete Kage Shiro Utsuri.

Jedes Mal musste er drei Jahre warten, um zu sehen, wie sich die Koi entwickelten und ob sie gut genug waren, um mit ihnen weiter zu züchten. Dieser stetige Einsatz von Zeit, Ressourcen, Geld und harter Arbeit ist ihm hoch anzurechnen. Ich fragte ihn, warum er so engagiert ist, immer neue Varietäten zu kreieren? Seine Antwort war einfach: Wenn sich nicht er und frühere Züchter jahrelang damit beschäftigt hätten, neue Arten zu züchten, gäbe es nicht so viele verschiedene Arten, die wir so gerne sehen. Und wo wäre das Hobby Koi heute ohne sie? Sehr vorausschauend!

Kage Shiro Utsuri

Auszeichnungen auf vielen Koi Shows in Japan

Die Erhaltung seiner Kage Shiro Utsuri hat sich ausgezahlt, einer seiner Koi gewann 2013 in der Kategorie „Best in Variety“ auf der Young Koi Show in Japan. Sein Kage Shiro Utsuri gewann auch den Riyukai in der Sakura Tai Show (dies ist der beste Preis unter allen Sakura Gewinnern). 2014 gewann er auf der All Japan Koi Show in der Kategorie „Best in Variety“.

Aber damit war er noch nicht zufrieden. Sein nächstes Projekt war, Goshiki Showa zu züchten. Ich fragte ihn, wie er das gemacht habe und er erklärte mir, dass er mit einem weiblichen Showa und einem männlichen Goshiki Sanke die Zucht begann. Ich fragte ihn, wo der männliche Goshiki Sanke her kam, er sah mich an und antwortete „Ich habe ihn gezüchtet.“

So erklärte er noch einmal: Um einen Goshiki Sanke zu bekommen, kreuzte er einen männlichen Goshiki mit einem weiblichen Sanke. Es dauerte wieder drei Jahre, bis daraus gute Goshiki Sanke wurden. Erst, wenn sie wenigstens zwei Jahre alt sind, kann man sagen, ob sie eine gute Qualität haben oder nicht. Er merkte auch, dass sie, wenn sie erst einmal drei Jahre alt sind, sehr stabil sind und sich meistens nicht mehr verändern.

Nun wusste ich, woher der Goshiki Sanke kam und er konnte nun erklären, wie er die Varietät Goshiki Showa weiter entwickelte. Er kreuzte einen normalen weiblichen Showa mit einem männlichen Goshiki Sanke. Der Tosai, der dabei heraus kam, war „ziemlich hässlich“, seine Worte, nicht meine. Aber er brachte diesen Tosai in sein Fischhaus und beobachtete seine Entwicklung. Je mehr er wuchs, um so besser wurde er. Es brauchte aber noch 4 bis 5 Jahre des Züchtens und Wachsens, bis er mit dem Ergebnis glücklich war.

Es ist ein atemberaubendes Bild, das einen Eindruck von der Leidenschaft vermittelt, mit der er neue Koi-Varietäten kreiert.

Yoshikazu wollte mir ein Kunstwerk zeigen (ein Bild, auf dem einige seiner besten Koi zu sehen sind), das im Eingang seines Hauses hängt. Es ist ein atemberaubendes Bild, welches einen Eindruck von der Leidenschaft vermittelt, mit der er neue Koi Varietäten kreiert. Er hat Pläne für neue Varietäten, doch vorher möchte er sich mehr darauf konzentrieren das Muster seiner Kage Shiro Utsuri Blutlinie zu stabilisieren. Er scheint ihm nichts auszumachen, wie viele Jahre das unter Umständen noch dauern könnte, was ihm wirklich hoch anzurechnen ist.

Also zusammenfassend: Er arbeitet mit Kage Shiro Utsuri, Goshiki Showa und Goshiki Sanke und all den anderen Varietäten, die er für den Export und den japanischen Markt züchtet und verkauft. Lachend sagt er dazu „nein“. Er arbeitet seit drei Jahren schon wieder an einer anderen neuen Varietät, die Kage Hi Utsuri heisst. Hierfür nahm er einen weiblichen Hi Utsuri und einen männlichen Aka Matsuba. In diesem Herbst werden die Fische dreijährig aus dem Mudpond kommen. Er ist nicht sicher, ob das Schuppenmuster gut genug sein wird. Wäre dies der Fall, würde er die Besten dieser dreijährigen wieder mit einem reinen Aka Matsuba kreuzen und so versuchen, die Qualität dieser neuen Varietät zu verbessern. Auf dieses Ergebnis muss er dann wieder drei Jahre warten.

Yoshikazu‘s Kunstwerk, auf dem einige seiner besten Koi zu sehen sind

Die Otsuka Koi Farm umfasst 3 Fischhäuser.

Yoshikazu‘s Koi Farm breitet sich hinter seinem Haus aus und umfasst 3 Fischhäuser, in denen diese Koi untergebracht sind. Er besitzt immer noch das Koihaus, welches sein Vater 1975 baute. Für die Zukunft würde er gerne neben der Entwicklung neuer Varietäten anfangen, sehr hochwertige Go Sanke zu züchten Die Zukunft der Otsuka Koi Farm, ist auf jeden Fall sicher und bleibt interessant, so lange Yoshikazu arbeitet. Er hat zwei Töchter, die nun 20 und 18 Jahre alt sind. Scherzend meint er, eine davon solle den Sohn eines Koizüchters heiraten.

Ich bin nicht sicher, ob mein Spitzname für ihn wirklich korrekt ist. Ich wusste nicht viel über diesen ruhigen Mann, doch nun weiss ich, dass er vom Koigeschäft aussergewöhnlich viel versteht und ganz genau weiss, was Kunden weltweit wollen. Er hat die Geduld und Fähigkeit, neue Koi Varietäten zu züchten, die, wie er hofft, dann in vielen Jahren bekannt werden. Ich hoffe, dass die Menschen sich in 10 oder 20 Jahren noch daran erinnern, wie es durch viel Einsatz und harte Arbeit nur eines Mannes zu diesen neuen Varietäten kam – Yoshikazu Otsuka – ein wirklicher Erfinder und für mich ab jetzt “Mr. Innovator“.

Yoshikazu Otsuka – Mr. Innovator

 

 

In unseren Nippon Direct Koi Shop finden Sie eine grosse Auswahl an High Quality Koi aus Japan.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 85 – Otsuka Koi Farm | Text & Bilder Martin Symonds

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