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Sekiguchi Koi Farm

Sekiguchi Koi Farm – 3 jähriger männlicher Tancho Showa

Alle Koi-Enthusiasten wissen, dass die Wiege der japanischen Koi in der Region Niigata und in der Bergregion von Yamakoshi stand. Der Ort Mushigame hat die höchste Konzentration an Koi Farmen weltweit. Einige Koi Farmen haben sich etwas weiter weg entwickelt, sind aber in der Region Niigata geblieben.

Eine dieser Gruppen hat sich weg von Ojiya City in die Nähe von Echigo Yusawa angesiedelt. Dies ist das Hauptskigebiet während der Wintermonate. Es sind Farmen wie Murata Nishikigoi, Satoshi Tanaka Koi Farm, Kobayashi Koi Farm und nicht zuletzt Sekiguchi Koi Farm, welche man im Ort Shiozawa fi ndet. Von dieser Koi Farm kann man weit über das Tal schauen bis hin zu den Bergen bei Echigo Yusawa mit den Skipisten. Während der letzten 20 Jahre hat sich die Sekiguchi Koi Farm still und leise zu einem professionellen Qualitäts-Showa Produzenten entwickelt, der es mit allen anderen bekannten Showa Züchtern in Japan aufnehmen kann. Doch die Geschichte fängt schon vor über 50 Jahren, 1966, an.

Die Geschichte der Sekiguchi Koi Farm

Heute wird die Sekiguchi Koi Farm von dem äusserst liebenswerten Masayuki Sekiguchi (39 Jahre alt) bewirtschaftet, aber es war sein Grossvater, Kousuke Sekiguchi, der sich als erster für Koi interessierte. Viele der jungen Generation wissen heute wenig über ihre Familiengeschichte, aber Masayuki meint, dass das Interesse des Grossvaters geweckt wurde, als Nachbarn mit den Koi anfingen. Es dauerte nicht lange, bis sein Grossvater anfing, bei Ojiya Koi zu kaufen, um sie dann in seiner Nachbarschaft wieder zu verkaufen.

Sein Vater Kazuo begann, Koi zu züchten. Dies passierte, weil auch andere Leute in der Gegend anfingen, Koi zu züchten. Sein Vater beschäftigte sich ursprünglich mit dem Färben von Kimono-Stoffen. Nach einiger Zeit hörte er damit auf, um sich voll und ganz auf die Koizucht zu konzentrieren. Als Masayuki noch jung war, züchtete sein Vater Koi, die man Tamagin Kohaku nannte. Diese Kohaku hatten Ginrin in sich. Heute nennt man sie Pearl Kohaku. In jenen Tagen hatten sie Betonbecken direkt vor dem Haus. Im Winter mussten sie mit Holz ummantelt werden, um sie vor dem Frost zu schützen. Ausserdem bauten sie ein kleines Becken in der Garage, direkt neben dem Haus. In diesem Becken schwimmen bis heute Koi.

Masayuki Sekiguchi von der Sekiguchi Koi Farm

Vom Studium zur Koi Zucht

Kazuo hat drei Söhne. Als kleine Jungen halfen Masayuki und sein ältester Bruder ihrem Vater bei den Koi. Der mittlere Bruder interessierte sich nicht so sehr für die Koi. Nach Abschluss des Gymnasiums gingen Masayuki und sein Bruder zur Universität nach Tokyo. Dort studierte er Politikwissenschaften und kehrte nach 5 Jahren zurück, um seinem Vater weiter bei den Koi zu helfen. Auch sein Bruder versuchte wieder mit einzusteigen, jedoch zwangen ihn Rückenprobleme, mit der direkten Koiarbeit aufzuhören. Da er aber nicht ganz von den Koi lassen konnte, baute er sich sein eigenes Geschäft als Koi-Agent auf. Masayukis Vater fing vor über 30 Jahren mit der Produktion von Showa an. Er machte es wohl, weil es alle in der Gegend so machten. Er bekam seine ersten Elterntiere von der Izumiya Koi Farm in der Nähe von Ojiya und der Kobayashi Koi Farm aus dem Ort Horinouchi. Sein Vater lernte von der Pike auf, gute Koi zu selektieren, was natürlich viel Zeit und Hingabe kostete.

Champion bei der All Japan Koi Show

Es war nicht vor 1996, als die Leute anfingen, auf die Sekiguchi Koi Farm aufmerksam zu werden. Das lag auch daran, dass einer ihrer Showa bei der All Japan Koi Show in der 65 Bu Klasse Champion wurde. Danach entwickelte sich das Geschäft rasant, da immer mehr Hobbyisten aus Japan kamen, um die Koi zu kaufen. 1996 wurde auch schon das erste Koihaus gebaut.

Die harte Arbeit in der Koi Zucht macht sich bezahlt

Ich frage die Koi Züchter immer wieder, wie das Erdbeben von 2004 ihr Geschäft beeinflusst hat. Masayukis Farm war weit genug vom Zentrum des Bebens entfernt, so dass sie nur einen Tag Stromausfall, sonst jedoch keinen nennenswerten Schaden hatten. Im Jahr 2006 übernahm Masayuki das Familienunternehmen komplett und konzentrierte sich aufs Züchten. Sein Bruder kümmert sich weiter um den Vertrieb. Die harte Arbeit der letzten 10 Jahre hat sich ausgezahlt. Er hat jetzt 5 Koihäuser, alle selbst gebaut. Mudponds hat er 23 für Tosai und 7 für grössere Koi. Alle Arbeiten erledigt er selbst, sodass er hat nur gelegentlich Teilzeit-Beschäftigte benötigt, die ihm beim Ernten und Sortieren helfen.

Eines der Tosaihäuser

Focus hauptsächlich auf Showa und Kohaku

Er konzentriert sich hauptsächlich auf Showa, jedoch züchtet er auch noch einige Pearl Kohaku und Kohaku. Er hat 20 männliche und 20 weibliche Elterntiere und zum Züchten nimmt er 5 bis 7 weibliche Koi. Mit diesen Fischen erzielt er eine Brut von über 500.000 Exemplaren, die in die Mudponds kommen. Im Oktober bleiben nach der Selektion noch ca 10.000 Koi übrig. Von diesen 10.000 Koi werden wiederum nur 300 Tategoi ausgewählt, die dann aufwachsen können – ein extrem hartes Auswahlverfahren.

Es gibt eine weitere Einzigartigkeit bei Masayuki. Von den 300 Tategoi wachsen 200 in Mudponds auf, während die restlichen 100 in eines der Fischhäuser kommen. Er begründet sein Tun damit, dass er die Koi im Fischhaus besser unter Kontrolle hat und somit eine bessere Qualität der Fische erlangen kann. Er meint, sie werden hübscher, das Hi und Sumi sind stärker ausgeprägt. Die Wachstumsrate der Fische im Mudpond ist jedoch höher. Erreichen doch diese Koi in einem Sommer eine Grösse von 55 bis 57 cm, während die Kollegen im Fischhaus nur 50 bis 55 cm gross werden. Je nach Anzahl der Mudpond hat er irgendwann dann ca. 300 Nisai und 30 bis 50 grössere Koi.

Kauf der ersten Sekiguchi Kois

Ich erinnere mich, dass ich die ersten Koi gleich nach dem Erdbeben von ihm kaufte. Rene hörte, dass einige Showa und Tosai Pearl Koi zu verkaufen waren. Nach einem Telefonat fuhren wir hin und waren mehr als erstaunt, als wir diese Qualität sahen. Wir kauften alle Koi Fische auf und verkauften sie an nur einen einzigen Kunden in Europa. Masayuki hatte ursprünglich gar nicht vor, uns alle Koi Karpfen zu verkaufen. Auf die Frage, warum er es trotzdem getan hatte, sagte er, dass er wusste, das wir von Ojiya kamen und er deshalb nicht mehr nein sagen konnte.

Heute kommen seine Kunden aus der ganzen Welt und er sagt, dass er versucht, eine gleichmässige Verteilung zu erreichen. Sein Geschäft teilt sich heute in 80 % Export und 20 % japanischer Markt auf.

Suche der passenden Koi Elterntiere

Wie ich schon erwähnte, kehrte Masayuki nach Beendigung der Universitätszeit zu seinem Familienbetrieb zurück, um hier zu arbeiten. Da war er 23 Jahre alt. Er lernte viel von seinem Vater und später machte er seine eigenen Erfahrungen.

Während der Jahre schaute er immer wieder nach neuen Elterntieren. Immer auf der Suche nach etwas Besonderem. Erst einmal muss der Koi gross sein und eine gute Figur haben. Dann schaut er nach einer Besonderheit, zum Beispiel dem Sumi und nicht unbedingt nach dem Beni(Hi). In einem anderen Fall achtet er dann mehr auf ein gutes Beni(Hi) und nicht so sehr auf das Sumi. Es ist wie bei einem Puzzle, aus vielen kleinen Einzelheiten wird zum Schluss ein schönes Bild.

Selektion der Elterntiere

Selektion und Auswahl der Koi

Auf diese Weise selektiert er auch seine eigenen Tosai und Nisai. Zuerst schaut er sich den allgemeinen Zustand des Fisches an, um dann weiter ins Detail zu gehen. Er schaut sich zum Beispiel einen Showa an, achtet auf die Balance des Musters und des Sumi, dann schaut er auf das Beni(Hi) und das Muster. Er sagt, dass das Beni nicht zu dominant sein soll. Zum Schluss wird überlegt, welches Zukunftspotential der Koi wohl hat. Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie sich das Sumi jedes Jahr verändert. Er findet ein Motoguro (Sumi an der Basis der Brustflossen) sehr schön, ist aber auch kein Problem, wenn es nicht da ist. Was er nicht mag, wenn die Linien, wie beim Sanke, bis zum Ende der Brustflossen gehen. Seiner Meinung nach wird ein Showa gross, wenn er kein Motoguro hat.

In der Zukunft möchte Masayuki noch bessere Qualitätskoi entwickeln und sie auch grösser wachsen lassen. Sein grösster Koi ist im Moment 90 cm gross. Er benötigt aber noch grössere Mudponds, um auch grössere Fische zu erhalten. Wenige Wochen vor diesem Gespräch zeigte er uns einen 3 Jahre alten Tancho Kage Showa und einen 80 cm grossen Showa, beides Männchen. Diese beiden Fische gaben uns eine gute Sicht auf das, was sich in Zukunft bei Masayuki abspielen wird. Einer meiner Kunden hat beide Fische sofort gekauft und sie schwimmen jetzt in England.

Die besten Kois aus Niigata

Seine Passion, die besten Koi zu produzieren, ist offensichtlich, zumal er davon ausgeht, dass die besten Koi, speziell Showa, aus Niigata kommen.

Masayukis Koi werden immer populärer und begehrter. Sie gewinnen auf Koishows in der ganzen Welt. So erhielten seine Showa auf der diesjährigen All Japan Koi Show im Februar Toppreise in den Klassen 50 cm Miyabi und 30 cm Kokugyo.

Kokugyo Preis-Gewinner der AJKS

Rat für die Koi-Hobbyisten in aller Welt

Jedes Mal, wenn ich mit einem Züchter ein Interview führe, frage ich nach einem kleinen Rat für die Hobbyisten in aller Welt. Masayukis Rat ist folgender: Wenn man einen Fisch kaufen möchte, schau auf das Kage und nicht so sehr auf das Sumi. Schau, wie sich der Fisch entwickelt. Kage wird sich verändern, denn es hängt von den Umständen ab, wie der Fisch gehalten wird und in welcher Umwelt er aufwächst. In meinen Augen ist es wichtiger, das ein Hobbyist einen Fisch aufwachsen sieht, als einen fertigen Showa zu kaufen. Wenn du auf einen Fisch schaust, achte beim Kage oder Sumi darauf, dass das Muster ausgewogen ist. Beim Beni (Hi) achte darauf, dass es nicht zu viel ist, denn beim Wachsen wird es schnell zu dominant – ein grossartiger Rat. Und wie man sehen kann, liebt Masayuki die Kage Showa am meisten.

Die Zukunft Sekiguchi Koi Farm

Masayuki ist verheiratet und hat 3 Söhne, 9, 7 und 6 Jahre alt. Er hofft, dass sich, wie bei ihm und seinem Bruder, mindestens zwei für das Koigeschäft interessieren werden – die Zeit wird es zeigen. Sein Vater Kazuo starb 2015. Er hat aber noch gesehen, wie sein Sohn das Familiengeschäft nicht nur weiter führte, sondern neue Höhen erreichte. Er war so stolz darauf, wie die Sekiguchi Familie das Geschäft von den bescheidenen Anfängen bis heute zum berühmtesten und besten Showa Züchter Japans gebracht hat.

In unseren Online Shop finden Sie eine grosse Auswahl an exzellenten Kois, wie z.B. Kohaku und Showa.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 92 – Sekiguchi Koi Farm | Text & Bilder Martin Symonds

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