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Shinoda Koi Farm

Damals im Jahr 1982 führte mich einer meiner ersten Besuche auf die Shinoda Koi Farm. zu jener Zeit präsentierte sich die Koi Farm völlig anders als heute. Doch seit diesem ersten Besuch bin ich ein grosser Fan von Shinoda Koi.

Während der letzten 30 Jahre sah ich die Farm aufgrund ihrer Zucht feinster Doitsu Go Sanke, Hi Utsuri und Gin Rin Showa für ganz Japan, wachsen und gedeihen und ein Niigata-Trip mit unseren Kunden wäre ohne einen Besuch der Shinoda Koi Farm nicht perfekt.

Die Ursprünge der Shinoda Koi Farm bestimmte Masaru Shinoda im Jahre 1955; heute haben sein jüngerer Bruder Sucumu Shinoda (68) und Sucumu’s Sohn Masnori Shinoda (38) das Koi Geschäft und die allseits bekannte Farm übernommen.

Damals im Jahre 1955 arbeitete Masaru Shinoda, wie so viele andere, in den Bergen als Reisbauer.

Damals im Jahre 1955 arbeitete Masaru Shinoda, wie so viele Andere, in den Bergen als Reisbauer, beobachtete Leute in seiner Umgebung bei der Arbeit mit Koi und beschloss, dies selbst zu versuchen. Er war freundlich und lernte viel von den frühen Koizüchtern. Zuerst kaufte er Koi-Fischbrut von lokalen Züchtern wie Kawakami und Hiroi. Er hatte einen Teich gepachtet, in dem er seine ersten Koi heranwachsen liess. Fische, die er nicht behalten wollte, verkaufte er an diese Züchter zurück; die besseren Koi behielt er selbst.

Koi, die er selbst halten und bis zur eigenen Zucht heranwachsen lassen wollte, waren hauptsächlich Go Sanke-Varietäten und Mizuho Ogon; die Zucht von Kohaku stellte er zurück. Die Koi-Produktion entwickelte sich stetig und sein Geschäft florierte. Er erkannte, dass Produktion und Verkauf von Koi ein besseres Geschäft als sein Reisanbau war und verwandelte mehr und mehr seiner Reisfelder in Koiteiche. In den Wintermonaten war es ein absoluter Glücksfall, wenn die Koi überlebten, da er kein eigenes Koihaus besass, daher hielt er einige seiner grösseren Fische in Teichen von Miyaishi oder in Teichen im Gebirge. Doch einige Male fi elen seine Koi den schweren Schneefällen in den Bergen zum Opfer.

Masaru arbeitete mit anderen kleineren Züchtern in seiner Umgebung zusammen und verkaufte seine Koi an die Miyaishi Koi Farm oder die Miyakoya Koi Farm. Beide Farmen waren Grosshändler, die das ganze Land Japan mit Koi belieferten.

Ein eingespieltes Team – die Familie Shinoda bei der Arbeit.

Im Jahr 1957 begann Sucuma Shinoda als 14-jähriger, seinen Bruder zu unterstützen.

Die Familie lebt in Koguriyama, dem Land der 4 Berge. Ihr erstes Haus befand sich an der heutigen Stierkampfarena. Ihr neues Heim und die Koihäuser liegen nur wenige hundert Meter von ihrem ursprünglichen Haus entfernt.

Im Jahr 1957 begann Sucuma Shinoda als 14jähriger, seinen Bruder zu unterstützen. Da dieser 12 Jahre älter war, sah er in ihm eher eine Vaterfigur als einen Bruder. Auch Sucuma arbeitete mit Kawakami und Hiroi zusammen und er lernte alles von diesen beiden Züchtern über Koi. Ausserdem war er für den Transport der Koi Fische per Bahn nach Hiroshima zur Tamaki Koi Farm, einem Gross- und Einzelhändler (der noch heute dort ansässig ist), zuständig. Dies war eine grosse Verantwortung für einen Jungen in den späten 50er Jahren, die er 3 Jahre lang übernahm. Zeitweise lebte er sogar in der Gegend.

Besuch in Shinodas Koihaus

Sie erwarben Doitsu-Varietäten als Elternfische und starteten die Zucht von Doitsu Go Sanke.

Während dieser Zeit versuchten beide Brüder, eine neuartige Koi Varietät zu züchten. Sie erwarben Doitsu-Varietäten als Elternfische und starteten die Zucht von Doitsu Go Sanke. Die Kohaku-Zucht stellten sie wegen zu grosser Konkurrenz (nicht gerade in Niigata, aber in ganz Japan) mit anderen Farmen ein.

Vor etwa 20 Jahren wollten sie die Zucht grösserer Varietäten versuchen und entschieden sich für Showa und Hi Utsuri. Sie liehen sich einen weiblichen Hi Utsuri von Suda und einen Showa der Dainichi Blutlinie aus. Der weibliche Hi Utsuri wuchs auf 84 cm und ähnelte einem Gin Rin – war es aber tatsächlich nicht.

Sucuma Shinoda bei der Koi-Selektion

Der Gewinn des Grand Champion 1999 war eindeutig eines seiner Highlights.

Diese Koi-Kreation sehen wir noch heute bei Shinoda. Damals bauten sie auch ihr erstes Koihaus. Aus der Zucht dieser Koi entstand die Hingabe der Familie Shinoda nicht nur für die Produktion von Doitsu Go Sanke, sondern auch für Hi Utsuri und sensationelle Showa und Gin Rin Showa. Die harte Arbeit zahlte sich aus, als im Jahr 1999 einer ihrer Gin Rin Showa (84 cm) den Grand Champion Titel der Nogyosai Show in Ojiya gewann (leider starb dieser Koi, damals 94 cm, während des Erdbebens 2004).

Für die Familie war dies ein fantastischer Erfolg. Obwohl sie viele Angebote für diesen Koi erhielten, lehnten sie den Verkauf ab und wollten den Fisch als Elterntier einsetzen. Ausserdem war dies eine hervorragende Werbung. Viele Kunden aus Japan und – weit wichtiger – fremde Hobbyisten wollten ihre Koi nun sehen und kaufen. Damals mass ihr grösster weiblicher Hi Utsuri kolossale 105 cm und der Gin Rin Showa 94 cm. Aber auch viele andere Fische waren ca. 90 bis 100 cm gross.

Sucuma und Masnodi Shinoda mit Martin Symonds

Shindo bevorzugt Gin Rin Showa

Zu jener Zeit übergab der Gründer Masaru Shinoda seinem Bruder Sucumu und dessen Sohn Masnori Shinoda die Leitung des Geschäfts. Sucumu ist ein aussergewöhnlich freundlicher, amüsanter Mensch; mich beeindruckt vor allem sein ansteckendes Lachen. Er bevorzugt Gin Rin Showa vor allen anderen Varietäten und kann sich nicht erinnern, jemals etwas anderes als die Arbeit mit Koi gelebt zu haben.

Selbstverständlich gibt es mal gute und mal schlechte Zeiten. Doch heute geniesst er sein Leben mit den Koi. Der Gewinn des Grand Champion 1999 war eindeutig eines seiner Highlights. Tiefpunkt hingegen war das Erdbeben 2004, bei dem die Familie 70.000 Tosai und fast alle zwei- und dreijährigen sowie ihre Jumbo Koi verloren hat. Er dachte damals, sein Koigeschäft sei erledigt. Zum Erstaunen aller war aber, nachdem man sich zu den Mudponds durchgekämpft hatte, der Teich mit den Elterntieren noch halb voll Wasser und die meisten Fische hatten überlebt. Dieser glückliche Umstand erlaubte Shinoda, weiter zu arbeiten. Im folgenden Jahr gelang es, die Produktion von Koi fortzusetzen. Es waren nicht viele, aber genug, um das Geschäft weiterzuführen. Auch errichteten sie ihr neues Heim an gleicher Stelle, wo ihr vom Beben zerstörtes, altes Haus gestanden hatte.

Heute hat sein Koi Geschäft wieder die gleiche Grössenordnung wie vor dem Beben erreicht.

Heute arbeitet Sucumu eng mit seinem Sohn Masnori (38 Jahre) zusammen. Er ist noch immer für Koi Zucht und Ernte zuständig, ermöglicht aber seinem Sohn, die Verkäufe und andere geschäftliche Dinge der Farm zu erledigen. Darum ist er sehr stolz, dass sein Sohn in das Geschäft eingestiegen ist. Masnori erinnert sich, dass er als kleiner Junge in den Schulferien bei der Koi Ernte half. Später besuchte er die Universität in Iwake, erlernte die Koizucht und begann mit 24 Jahren, an der Seite seines Vaters zu arbeiten.

Heute züchten sie noch immer vorwiegend die gleichen Doitsu Go Sanke, Gin Rin Showa und Hi Utsuri. Sie besitzen etwa 50 Mudponds, 30 für Tosai und 20 für grössere Koi, sowie 3 Fischhäuser. Ein Fischhaus ist ihr Familiengeheimnis – als ich beschrieb, wo es sich befindet, erntete ich grosses Erstaunen. Für die Zucht verwenden sie 50 bis 60 männliche und etwa 40 weibliche Koi, die sie jährlich untereinander turnusmässig auswechseln, sowie in jeder Saison weitere 18 bis 20 Weibchen. Am Ende jeder Saison kommen sie etwa auf 30.000 Tosai, 3.000 Nisai und 400 grössere – bis Jumbo Koi, wobei ca. 90 % in den Export und 5 % nach Japan gehen.

Die Produktion von Jumbo Koi

Für die Zukunft plant Masnori weiterhin die Produktion von Jumbo Koi. Seiner Meinung nach werden sie schöner, je grösser sie sind. Gern würde er auch die Zucht normaler Showa ausbauen. Seine Produktion ist aber auf nur ein weibliches Elterntier beschränkt. Er müsste also neue Elternpaare beschaffen. Aus diesem Grund ist er sehr vorsichtig bei dem Einsatz neuer Bestände. Wie sein Vater denkt er, dass im Koigeschäft Hoch- und Tiefpunkte einander ablösen, ist aber glücklich, sein Leben der Arbeit zu widmen, die er gern verrichtet. Nach dem Erdbeben glaubte er auch, sein Geschäft sei vernichtet. Bald stellte er aber fest, dass er einige Teiche weiter bewirtschaften konnte. Heute hat sein Geschäft, inkl. Fischhäusern und Teichen, wieder die gleiche Grössenordnung wie vor dem Beben erreicht. Seine steten Ziele sind jedenfalls die Qualität seiner Koi zu verbessern, weiterhin Jumbo Koi zu kreieren und hoffentlich einmal normale Showa zu züchten.

Vor 3 Jahren hat Masnori geheiratet und ist Vater einer 2jährigen Tochter. Doch hätte er gern noch weitere Kinder. Er hofft auf einen Sohn, der in den Familienbetrieb einsteigen könnte, doch er würde ihn nicht dazu drängen.

Vater und Sohn haben mich schon in England besucht. Ich selbst habe ihren Aufstieg zu einer erfolgreichen Koi Farm und dem eindrucksvollen Geschäft stets verfolgt und ich bin immer begeistert, wenn ein Besuch bei Shinoda ansteht, weil man niemals genau weiss, was es dort neues zu entdecken gibt.

Shinoda und Stierkämpfe

Wenn meine Kunden nach Japan kommen, möchte ich ihnen immer gern die Gelegenheit bieten, einen Nachmittag in der Stierkampfarena zu verbringen. In den Bergen von Niigata kennt Jedermann die Geschichte der Koi Fische. Nicht so bekannt ist die alte Tradition der Stierkämpfe. Sie gleicht nicht den Stierkämpfen in Spanien oder anderen Ländern. Hier werden zwei Bullen zusammen mit 20 Leuten in eine kleine Arena gesperrt. Diese feuern dann die Bullen an, sich gegenseitig umzuwerfen. Gewinner ist der Bulle, der den anderen besser herumgeschoben hat. Die Stiere werden von ihren Besitzern wie Haustiere gehalten und bei den Kämpfen niemals verletzt.

Es gibt hier zwei bedeutende Stierkampfarenen, eine in Mushigame, die andere liegt direkt oberhalb des Wohnhauses und der Koihäuser von Shinoda. Menschen aus ganz Japan kommen mit ihren Kampfstieren in der Zeit von Mai bis November an 19 Tagen in diese beiden Arenen.

Zwei Züchter sind berühmt für diese Events, Izumiya und selbstverständlich Shinoda. Masaru Shinoda startete mit seinen ersten Bullen im Jahr 1975. Heute besitzt die Familie einen Stier, der jetzt 16 Jahre alt ist und als Jungbulle den Grand Champion Titel gewonnen hat. Normalerweise kämpfen die Stiere im Alter von 12 bis 13 Jahren, aber dieser alte Bulle liebt den Kampf noch immer. Familie Shinoda wird einen neuen Bullen kaufen, wenn der alte verstorben ist. Sie kaufen die Tiere im Alter von etwa 2 Jahren, als 3jährige werden sie dann an die  Stierkämpfe herangeführt. Dies betreibt die Familie als Hobby und Spass. Sollten Sie einmal die Möglichkeit haben, an einem dieser Events teilzunehmen, werden Sie nicht nur die Familie Shinoda, sondern auch ein einzigartiges Ereignis japanischer Kultur erleben – dies sollten Sie nicht verpassen!

Die Bullen versuchen sich gegenseitig umzuwerfen.
Gewinner ist der Bulle, der den anderen besser
herumgeschoben hat.

 

In unseren Online Shop finden Sie eine Vielzahl an importierten Kois aus Japan.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 71 – Shinoda Koi Farm | Text & Bilder Martin Symonds

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