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Tanaka Koi Farm

Seit etwa 30 Jahren besuche ich Niigata in Japan und kaufe Koi. Während dieser Zeit konnte ich erfreulicherweise mit vielen Koi-Züchtern leben und arbeiten. Mit einigen dieser Koi-Züchter habe ich sehr eng zusammen gearbeitet, so auch mit der Tanaka Koi Farm.

Im Landstrich Mushigame gelegen, ist die Farm und die Familie erfüllt von Koi-Geschichte. Schon seit vielen Jahren wollte ich über die Familie Tanaka berichten, beginnend direkt nach dem zweiten Weltkrieg während der frühen Jahre des weltweiten Exports von Koi. Die Popularität der Koi-Haltung entwickelte sich in Japan während der 60er, 70er und 80er Jahre auch durch die Ankunft von Ausländern, die Koi kaufen wollten. Das verheerende Erdbeben im Jahre 2004 und der harte Wiederaufbau sowie der stetige Fortschritt seit diesem Zeitpunkt vervollständigen das Bild.

Die frühen Anfänge der Tanaka Koi Farm

Ich setzte mich mit der gesamten Familie Tanaka zusammen, um die frühen Anfänge ihrer Tanaka Koi Farm Geschichte niederzuschreiben, was sich als sehr schwierig darstellte, denn die Ursprünge des Koi-Geschäftes waren den jüngeren Familienmitgliedern nicht bekannt.

Hier die Familienmitglieder: Jyukichi Tanaka (83), Gründer der Tanaka Koi Farm, sein Sohn Shigeo (56) und seine Frau Etsuko und ihre 3 Söhne Shigeioshi (30), Yasuyuki (28) und Mitugu (22). Jyukichi Tanaka ist in den Ruhestand getreten; Shigeo und seine drei Söhne haben die Koi Farm und das Geschäft übernommen.

Blick von Tanakas Koi Farm

Jyukichis Vater interessierte sich als junger Bursche nicht für Koi sondern betrieb Reisanbau.

Früheres Transportmittel für Koi

Jyukichi berichtete, dass sich sein Vater als junger Bursche nicht für Koi interessierte, sondern Reisanbau betrieb. Aber sein 18 Jahre älterer Bruder Hakue Tanaka begann mit der Zucht und dem An- und Verkauf von Koi. Seit dem Ende des 2. Weltkriegs betrieb Hakue Tanaka Koi als Vollzeitbeschäftigung mit einigen Mudponds für die Zucht sowie dem Ankauf von Koi-Fischen bei einigen Züchtern aus seiner Umgebung in den Bergen. Jyukichi erklärte, dass in dieser Zeit nur zwei weitere Familien diesem Geschäft nachgingen.

Als kleiner Junge begann er, seinem Bruder zu helfen und mit ihm zu arbeiten. Jyukichis Bruder verkaufte seine Koi bereits in Tokyo. Diese aufregende Reise begann in den frühen Morgenstunden mit dem Einsetzen der Koi in hölzerne Schalen und ihrem Transport an Tragestangen aus den Bergen. Eine Person trug 2 hölzerne Schalen mit einem Gewicht von etwa 16 kg, zwei Personen hatten 3 Schalen mit etwa 32 kg an der Stange, hauptsächlich bestückt mit 2- und 3-jährigen Koi. Vor ihnen lag ein 2-stündiger Fussmarsch zum Bahnhof zwischen Ojiya und Nagaoka. Von dort transportierte der Bruder die hölzernen Behälter mit Wasser und Koi mit dem Zug nach Tokyo – unter ständigem Wasserwechsel während der 8 stündigen Bahnfahrt.

Tanaka Koi Farm

Seine ersten Koi-Zuchtversuche begann er mit Sanke und Kohaku.

Jyukichi arbeitete sowohl mit seinem Bruder als auch im Reisanbau. Im Alter von 32 Jahren entschloss er sich, den Schritt zu wagen und nur noch mit Koi zu arbeiten. Er begann mit nur einem Teich und ohne Fischhäuser. An diesem Punkt brach der Rest der Familie in Gelächter aus, da sie nicht gewusst hatten, wie ihr Grossvater vor so vielen Jahren das Geschäft aufgebaut hatte. Dieser eine Teich wurde von Wakimizu (unterirdischem Wasser) gespeist; dies ermöglichte ihm die Haltung der Koi Karpfen unter sehr guten Voraussetzungen.

Seine ersten Zuchtversuche startete er mit Sanke und Kohaku, die er von seinem Bruder bekommen hatte. Wenn er Fische zu verkaufen hatte, bot er sie zuerst seinem Bruder an. Da er nur einen Teich besass, kaufte er aber auch von anderen Koi-Züchtern. Zu Anfang verkaufte er seine Fische an ein Koi-Geschäft mit Namen Shiarshi in Tokyo. Wie auch zuvor sein Bruder transportierte er seine Koi per Bahn nach Tokyo. Erstaunlicherweise bewerkstelligte er dies alle 3 Tage, also 2mal wöchentlich während des ganzen Jahres. Der Verkauf von Koi gestaltete sich in jenen Jahren total anders als in heutiger Zeit. Jyukichi erklärte, dass die hochwertigeren Koi in die Städte Kyoto, Osaka und Nara versandt und dort individuell verkauft wurden. Die Koi in Tokyo wurde nach Gewicht verkauft.

Nach heutigen Preisen verkaufte er Koi zwischen 1.000 und 1.500 Yen per Kilo, im Vergleich dazu bekamen Farmer damals 4.000 Yen für 60 kg Reis, so dass der Verkauf von Koi sehr viel mehr Profit brachte. Die Mehrzahl der Farmer in Japan betrieb aber weiterhin den Reisanbau als Hauptgeschäft und betrachtete den Verkauf von Koi als Nebenerwerb. Jyukichis Betrieb entwickelte sich mit Zucht sowie An- und Verkauf von Koi in Japan stetig weiter. Er begann mit dem Aufbau weiterer Mudponds und beschäftigte Leute aus seiner näheren Umgebung für 450 Yen (3.50 engl. Pfund) am Tag für extrem harte Arbeit, da diese Teiche per Hand gebaut wurden.

Vor etwa 50 Jahren zog Jyukichi Tanaka mit seiner Frau und dem kleinen Sohn Shigeo (damals 6 Jahre alt) in ihr heutiges Domizil. Weiterhin züchtete und verkaufte er kleine Koi und erwarb auch grössere Fische für den Verkauf. Sein Geschäft expandierte und etwa 10 Jahre nach dem Umzug konnte er sein erstes Fischhaus errichten.

Impressionen der Tanaka Koi Farm aus dem Jahr 2011

Die Tanaka Koi Farm ist berühmt für ihre Showa. Die Geschichte der Entwicklung dieser Linie ist ebenso erstaunlich. Jyukichi wollte seine Showa-Blutlinie verbessern und nutzte bereits einige Showa und Yagozen Kohaku mit aussergewöhnlichem Rot (Hi). Bei einer Koi-Versteigerung im Miyakoya Auktionshaus in Ojiya stellte er aber einen Kobayashi Showa vor – dies ist eine der ältesten bekannten Blutlinien sehr erfolgreicher Showa mit einem aufsehenerregenden Schwarz (Sumi). Aus Vernunftsgründen (vermutlich für einen guten Profit) verkaufte er diesen Kobyayshi Showa an einen Koi-Hobbyisten aus der Umgebung von Niigata, bevor er ihn zur Zucht verwenden konnte. Glücklicherweise hatte der Käufer den Showa nicht bezahlt, so dass schlussendlich Jyukichi den Koi wieder abholen und zu seiner Farm zurückbringen konnte. In der folgenden Saison züchtete er dann mit diesem Showa und startete damit die berühmte Tanaka Showa Blutlinie. Wenn der Hobbyist diesen Koi bezahlt hätte, wäre die Familie Tanaka, in Bezug auf ihre Showa-Zucht, wohl derzeitig nicht so hoch angesehen.

Heute besitzt die Tanaka Koi Farm zahlreiche Mudponds und 4 Fischhäuser.

Dieses Koihaus wurde nach dem Erdbeben errichtet

Jyuichi verbesserte weiterhin die Qualität seiner Koi und seines Geschäftes und sein Prestige in Japan wuchs stetig an. Er kann sich nicht genau erinnern, aber irgendwann in den 60er Jahren sah er den ersten Ausländer in die Gegend kommen, der Koi kaufen wollte. Damals war es schwieriger als in der heutigen Zeit, Koi zu exportieren. Deshalb brachte er seine Koi zu einem Grosshändler in Tokyo, der sie dann ins Ausland überführte. Er gestand, dass er zu Beginn sein Geschäft wegen des Verdienstes betrieben hatte, aber Jahre später waren Koi sein Leben geworden. Nicht in seinen wildesten Träumen hatte er sich vorstellen können, wie populär Koi nicht nur in Japan, sondern auch in der restlichen Welt werden würden.

Obwohl er seinen Betrieb inzwischen an seinen Sohn Shigeo übergeben hat, hilft er noch immer beim Abernten und der Kontrolle der Mudponds. Sicherlich hat seine harte Arbeit die Tanaka Koi Farm als erfolgreiches Unternehmen etabliert und seinem Sohn den Weg zu noch grösseren Erfolgen eröffnet.

Shigeo Tanaka half und arbeitete – wie viele Söhne anderer Koi-Farmer – während der Schulzeit bei seinem Vater. Nach seinem Hochschulabschluss im Alter von 18 Jahren hatte ihm sein Vater einen Job bei einem Fischgrosshändler in Tokyo besorgt, der Koi, Goldfische und Magoi verkaufte. Hier arbeitete er ein Jahr lang und kehrte dann nach Hause zurück, um wieder an der Seite seines Vaters zu arbeiten. Als 40jähriger übernahm er das Geschäft und die inzwischen gut etablierte Koi-Farm seines Vaters, die vorwiegend Showa und einige wenige Kohaku und Sanke produzierte. Nahezu 100% der Koi-Produktion wurde an japanische Kunden verkauft. Heute besitzt die Familie zahlreiche Mudponds und 4 Fischhäuser. Shigeo heiratete seine Frau Etsuko (sie sind jetzt 31 Jahre verheiratet) und bekam 3 Söhne.

Der Traum vom Grand Champion Titel bei der All Japan Koi Show

Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch dieser Farm vor ziemlich genau 20 Jahren. Abgesehen von dem grossartigen Ausblick über das Gebirge war ich derartig beeindruckt von der Qualität seiner Koi, dass ich sofort den Hauptteil seiner Tosai und Nisai erwarb, um diese dann in England zu verkaufen. Einige Jahre später entwickelte sich der Exportanteil seines Geschäftes auf nahezu 50%. Unsere Freundschaft wuchs und in den folgenden Jahren reiste Shigeo zweimal mit mir nach Grossbritannien. Einer dieser Besuche war Teil der ersten Koi Master Class in England, die ich im Jahr 2001 in Hertfordshire ausgerichtet hatte. In Folge unserer engen Freundschaft lebte sein ältester Sohn Shigeioshi im Alter von 18 ein Jahr lang auf meiner Koi Farm und arbeitete in meinem Handelsgeschäft. Dort erlernte er die englische Sprache und entwickelte sein Verständnis für die europäische Marktwirtschaft. In den folgenden Jahren hat die Familie zahlreiche Preise bei Shows sowohl in Japan als auch weltweit gewonnen, einschliesslich dem Grand Champion Titel bei der All Japan Koi Show und dem zweiten Preis bei der Nogysai Show. Shigeo’s Traum ist aber noch immer der Gewinn des Grand Champion Titels beider Shows.

Der Traum vom Grand Champion Titel bei der All Japan Koi Show

Das verheerende Erdbeben, das am 23. Oktober 2004 den Landstrich Ojiya erschütterte

Shigeo’s grösste Herausforderung war dann aber – wie für so viele andere Koi Züchter – das verheerende Erdbeben, das am 23. Oktober 2004 den Landstrich Ojiya erschütterte. Ich erinnere mich genau an unser Zusammentreffen am Tag nach dem Beben. Wir alle wussten, dass das Erdbeben schlimm war, mein eigenes Haus (in dem ich mich zum Zeitpunkt des Bebens aufgehalten hatte) war total zerstört. Das Ausmass der Katastrophe in den Bergen war uns aber noch nicht bekannt. Niemals werde ich vergessen, wie Shigeo mir mit verletztem Arm und schockiertem Gesicht berichtete, dass sein Wohnhaus vom Berg abgerutscht, seine Fischhäuser schwer beschädigt waren und seine auch Mudponds Schaden genommen hatten. Doch glücklicherweise war seine Familie gerettet.

Impressionen der Tanaka Koi Farm aus dem Jahr 2000

Der Wiederaufbau erstreckte sich über mehrere Jahre, doch mit Hilfe seiner Söhne ist Shigeo heute wieder voll im Geschäft. Sie produzieren grossartige Showa und jetzt auch Tancho in grossem Umfang. Ich fragte Shigeo, weshalb er sich nun auf diese Varietät konzentriere. Verwundert schaute er mich an und sagte „natürlich wegen Dir, Martin“. Er erinnerte mich an unser Gespräch vor vielen Jahren. Wir hatten festgestellt, dass Tancho weltweit sehr beliebt sind, wirklich gute Exemplare aber kaum zu finden waren. Jahre später hatte er sich dann entschlossen, Tancho zu produzieren – inzwischen sind es Tausende.

Nun im Jahr 2011 besitzt die Familie 60 Mudponds, 30 für Tosai, etwa 10 für Nisai und die restlichen für grössere Koi. Ausserdem haben sie nach dem Erdbeben ein neues Koihaus erbaut, so dass sie es nun auf insgesamt 5 Fischhäuser gebracht haben. Das Geschäft geht zu 80 % in den Export, die anderen 20 % werden durch den Verkauf in Japan erzielt. 60% der Koi sind Tancho, 25 % Showa und 15 % Sanke. Die Varietäten der zweijährigen Fische sind 50 % Showa und 45 % Tancho, die restlichen 5 % sind Sanke und einige wenige Kohaku.

Tanaka Koi Farm – Die nächsten 30 interessanten Jahre.

Shigeo ist stolz, dass seine 3 Söhne heute hart im Koigeschäft arbeiten. Dies ist ungewöhnlich, das Erdbeben hat jedoch alle zusammengeschweisst. Sie streiten, aber in freundschaftlicher Weise und Shigeo ist begeistert, dass alle seine Jungs die Arbeit mit Koi geniessen und Spass daran haben. Sein Plan für die Zukunft ist die Produktion guter Tancho und Showa und sein Traum der Gewinn von Top-Preisen bei Koi Shows in der ganzen Welt.

Eines Tages wird sein Sohn Shigeioshi das Geschäft übernehmen. Obwohl dies noch einige Jahre dauern wird, hat er schon Zukunftsillusionen. Shigeioshi ist sehr froh, bei mir vor einigen Jahren die englische Sprache erlernt zu haben. Er möchte weltweit für Koi werben; die Familie ist von Anbeginn an grosser Anhänger meiner Koi Master Class und davon überzeugt, dass dies ein hervorragender Weg ist, immer weitere Leute für die Koihaltung zu begeistern. Auch wird er seinen Brüdern beim Aufbau weiterer Koihäuser und Teiche helfen und das Geschäft vergrössern und erweitern. Shigeioshi ist bereits verheiratet und hat einen kleinen Sohn mit Namen Shigemitsu – die Zukunft der Tanaka Koi Farm scheint also gesichert.

Es ist mir eine grosse Freude, diese Familie zu kennen und über Jahre hinweg eng mit ihr zusammen zu arbeiten. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten 30 interessanten Jahre.

 

Im Nippon Direct Online Shop finden Sie eine Vielzahl an importierten Kois aus Japan.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 69 – Tanaka – Die nächste Generation | Text & Bilder Martin Symonds

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