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Torazo Koi Farm

Torazo Koi Farm – Seit 1917 in der Koi Produktion

Die Torazo Koi Farm wird von Tsuyoshi Kawakami geführt und ist auch als “Urakawa Koi Farm” bekannt. Seine Koi Farm befindet sich an der Hauptstrasse, die nach Uragara, Yamakoshi und dem Dorf Mushigame führt. Zweifelsohne ist diese erstklassige Lage für den Erfolg des Familienunternehmens von Vorteil. Tsuyoshi Kawakami San lebt hier in der fünften Generation und sein Familienunternehmen feiert in diesem Jahr sein 100 jähriges bestehen.

Herzlichen Glückwunsch zu 100 Jahren in der Koi-Welt und alles Gute für die nächsten 100 Jahre!

Wie für ein Unternehmen, das es seit 100 Jahren gibt, angemessen, hat das Unternehmen eine einzigartige und sehr interessante Geschichte zu erzählen. Tsuyoshis Großvater Torakichi Kawakami gründete das Unternehmen. Bevor sein Großvater sich für Koi interessierte, verkaufte er Sake in seinem Geschäft. Anfangs kaufte er Koi von Züchtern vor Ort, die in den Bergen ihre Fische züchteten. So wurde er der erste Koigroßhändler, noch bevor die zu der Zeit bekannten Großhändler wie Miyaishi und Miyakoya starteten.

Von diesem Engagement sollte Tsuyoshi viele Jahre später noch profitieren. Sein Großvater konnte diese Koi überall in Japan verkaufen. Damals war der Transport von Koi Karpfen eine schwierige Aufgabe. Wenn die Koi Fische nicht an Leute vor Ort verkauft wurden, mussten die Koi per Zug geliefert werden. Zuerst mussten sie zur Nagaoka Station gebracht werden, um sie dann mit dem Zug zu ihren endgültigen Bestimmungsorten zu bringen. Diese Reisen konnten bis zu zwei Tage dauern. Die Koi wurden in Holzkisten transportiert und während der ganzen Reise mit Wasser bespritzt, um Sauerstoff zu schaffen und die Koi Fische am Leben zu erhalten. Auf wirklich langen Reisen wurde in Städten wie Osaka sogar das Wasser ausgewechselt. Andere Koi Züchter haben mir gesagt, dass dies die einzige Möglichkeit war, verkaufte Koi überall nach Japan zu liefern.

Torazo Koi Farm – Seit 1917 in der Koi Produktion

Die Anfänge der Torazo Koi Farm

Damals wurden Koi nach Gewicht und nicht nach Qualität verkauft. Ausserdem konnte man in Kyoto oder Osaka bessere Preise als in Tokyo erzielen. Kawakami San kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als sein Vater Koi nach Gewicht verkaufte und diese mit dem Zug auslieferte.

Kawakami San weiß nicht mehr genau, wann sein Großvater mit der Koizucht begann, aber dass er überhaupt damit begann kam dadurch, dass er so viel mit Koi zu tun hatte und dies einfach ein logischer Schritt war. Es wurde dokumentiert, dass auf der Tokyo Ausstellung 1924 Menschen aus Niigata zur Ausstellung kamen. Ich fragte mich, ob sein Großvater wohl einer dieser Menschen war, aber Kawakami San war sich nicht sicher. Als sein Großvater mit dem Koihandel begann, fing auch sein Vater an mit Koi zu arbeiten. Er war der einzige Sohn von fünf Kindern und wie in vielen Fällen wird erwartet, dass der erste Sohn das Familienunternehmen übernimmt.

Auch während des Zweiten Weltkrieges machten sie mit ihrem Koihandel weiter. Während dieser Zeit war Nahrung für Menschen sehr knapp. Seine Familie schaffte es, Reis zu verkaufen, damit sie Seidenraupenpuppen kaufen konnten, um ihre Koi zu füttern. Kawakami San zeigte mir ein fantastisches Schwarz-Weiß-Bild von einer Gruppe japanischer Züchter im Jahr 1948. Dieses Bild entstand nach der Beurteilung einer Koi-Show. Sein Großvater war der Hauptschiedsrichter dieser Yamakoshi Koi Show und ist auf der linken Seite des Bildes zu sehen.

Torazo Koi Farm
Sein Großvater 1940

Sein Ruf war so gut, dass viele japanische Käufer zu ihm nach Hause kamen.

Kawakami San wurde 1959 geboren und hat seinem Vater schon als kleiner Junge geholfen. Hauptsächlich wurden damals Sanke gezüchtet. Die Koi seines Vaters wurden vor Ort und überall in Japan sehr bekannt. Zu Anfang hatte Kawakami San keinen Spass daran mit Koi zu arbeiten. Das änderte sich erst im Alter von 18 Jahren, als er die High School beendet hatte und in dem Geschäft mitarbeitete. Es war, wie bei seinem Vater – von ihm als Sohn Nummer eins wurde erwartet, in das Koigeschäft einzusteigen. Er studierte sogar Fischzucht. Er erinnert sich, das während er aufwuchs viele Leute zu ihnen kamen und seinen Vater baten ihnen beim Koikauf zu helfen. So waren im Herbst oft für Wochen oder Monate viele japanische Käufer im Haus. Viele kauften auch Koi aus der Torazo-Blutlinie, die dadurch auch in den Züchtungen vieler Züchter in Japan zum Tragen kommt.

Kawakami San genoss es, in den Bergen unterwegs zu sein, nach Koi zu suchen, Tosai zu kaufen, sie wachsen zu sehen und sie dann zu verkaufen. Den Begriff Tategoi gab es damals noch nicht, aber Kawakami Sans Idee war ähnlich, er wollte qualitativ hochwertige Tosai von anderen Koi Züchtern kaufen, diese wachsen lassen und dann mit Profit weiterverkaufen. Sein Ruf war so gut, dass viele japanische Käufer zu ihm nach Hause kamen und die meisten der Koi, die er für sich selbst ausgewählt hatte kaufen wollten, was dazu führte, dass er immer mehr Fische einkaufte. Diese Erfahrungen, die er als junger Mann machte, sollten ihm in späteren Jahren beim Züchten eine grosse Hilfe sein.

Tosai von Torazo

Der Bau des erste Koi Haus

Damals hielten sie ihre Koi sowohl draussen in Teichen aus Blockbeton, die um ihr Haus herum standen als auch in Schlammteichen in den Bergen und Teichen, die aus Holz gemacht waren. Mindestens 10 bis 15 Jahre lang, bevor sie ihr erstes Koihaus bauten, brachten sie ihre Tosai nach Yuzawa, was von Ojiya heutzutage eine etwa 40 minütige Fahrt bedeutet. Hier hatten sie Teiche mit wärmerem Wasser, so dass die Koi das kältere Wetter besser überstehen konnten. Da dies sehr schwer war und sie viele Koi verloren hatten, entschied sich sein Vater, sein erstes Koi-Haus bei ihnen zu Hause zu bauen. So konnten sie sich besser um die Koi kümmern und konnten mehr Koi halten. Kawakami San war etwa 18 Jahre alt, als sie dieses Haus bauten.

Als er 21 Jahre alt war überliess sein Vater ihm Stück für Stück das Unternehmen. Er kann sich erinnern, dass er mit 27 Jahren das erste Mal Ausländer sah. Einer von ihnen war Peter Waddington zusammen mit einem japanischen Mann namens Takanashi, der für Kamihata Fish Industries arbeitete. Er sagte, er war nicht überrascht, dass Ausländer kamen, um Koi zu kaufen. Vielleicht war es wegen seines jungen Alters, dass so viele Leute zu ihnen kamen … es schien einfach eine natürliche Entwicklung zu sein.

Es war auch um diese Zeit, als er 27 war, dass er sein zweites Koihaus baute, das jetzt sein Tosai-Koihaus ist und das erste Koihaus, das sein Vater gebaut hatte, wieder aufbaute. Viele Menschen, die ihn jetzt besuchen und Koi von ihm kaufen wissen, wie gut sein Englisch ist. Er begann Englisch zu lernen, als Peter Waddington und andere Ausländer anfingen Koi bei ihm zu kaufen. Auch als Takanashi Kamihata verließ, ging er zu Kawakamis Vater und fragte nach Hilfe und Rat, um sein eigenes Geschäft aufzumachen, und so lernte Kawakami San Englisch von ihm.

Torazo Koi Farm eine der ersten geschützten Marken in der Koiwelt.

Während der 1980er Jahre wurde seine Koi-Farm eine der ersten geschützten Marken in der Koiwelt. Dies kam, abgesehen von der guten Qualität seiner Koi, auch dadurch, dass er Englisch sprach, was zu der Zeit nur sehr wenige Japaner konnten. Ich kann mich erinnern, dass ich im Jahre 1981 Niigata besuchte und völlig abhängig von meinem Agenten aus Tokyo war, der für mich übersetzen musste. Eine Person in der Koiwelt zu finden, die etwas Englisch sprechen konnte, war einzigartig. Darüber hinaus hat er einen grossartigen Charakter und ist sehrsympathisch. Kawakami San hört das zwar gerne, versteht aber nicht, warum er so beliebt ist. Während der späten 1980er Jahren und 1990er Jahre wuchs sein Ansehen immer mehr, und bald verkaufte er viele seiner Koi nach Amerika, wo sie auf Koishows gewannen.

1995 hatte ich das Vergnügen ihn für einen Artikel zu interviewen. Ich fand ihn so sachkundig und lustig, dass es leicht zu verstehen ist, warum es für Ausländer einfach war, mit ihm Geschäfte zu machen und warum er bis heute so beliebt ist.

Torazo Jumbo Koi

Das Chuetsu Erdbeben im Oktober 2004

Ein Wendepunkt für alle Züchter hier in Niigata war das Chuetsu Erdbeben im Oktober 2004, das die Region stark betroffen hat. Kawakami San war in seinem Haus, als das Beben begann. Er sagt, es kam so überraschend, er hatte nicht wirklich Zeit darüber nachzudenken. Die erste Nacht muss, um es gelinde auszudrücken, chaotisch gewesen sein. Ich war während des Bebens in Ojiya. Hier war es schon schlimm, aber in Uragawa muss es schrecklich gewesen sein. Am nächsten Morgen gelang es ihm einen Generator und später noch einen zweiten zu finden, um die Pumpen laufen zu lassen. In zwei seiner Teiche hatte er alle Tosai verloren. Am Ende stellte sich heraus, dass er 50 % seiner Tosai, also rund 2500 Koi verloren hatte. Trotzdem war er froh, keine seiner grösseren Koi verloren zu haben.

Die Strasse in Uragawa einen Tag nach dem Erdbeben

Er brauchte etwas mehr als ein Jahr, um seine Koi Schlammteiche wieder aufzubauen.

Ich kann mich lebhaft an den nächsten Morgen erinnern, als ich auf der zerstörten Strasse die Bahnlinie von Ojia entlanglief, um nach Uragawa zu kommen, um das Ausmass der Verwüstung zu sehen. Die ersten 500 Meter, wenn man in die Gegend kam, waren verheerend. Doch seltsamerweise wurde das Ausmass der Zerstörung kurz vor Kawakamis Torazo Koi Farm weniger. Er schien vom Schlimmsten verschont geblieben zu sein, wodurch viele seiner Koi am Leben blieben. Etwa eine Woche später gelang es ihm zu seinen Teichen zu gelangen, wo er seine Elterntiere hatte. Die Hälfte des Weges musste er zu Fuß laufen.

Obwohl seine Teiche beschädigt waren, hatten sie noch Wasser und seine Koi lebten. Er hat sie dann einzeln nacheinander in Beuteln weggetragen. Zweifellos hatte er mehr Glück, als andere Züchter. Kawakami San dachte natürlich sein Koigeschäft gehe nun zu Ende, aber innerhalb von 3 Wochen verkaufte er einige seiner Koi in die USA und da wusste ich, sein Geschäft konnte und würde weiter existieren. Er brauchte etwas mehr als ein Jahr, um seine Schlammteiche wieder aufzubauen, was aber im Vergleich zu anderen Züchtern in der Gegend eine sehr kurze Zeitspanne war.

Kawakami keschert einen Koi

Torazo Koi so beliebt wie eh und je!

Jetzt im Jahr 2017 sind seine Koi so beliebt wie eh und je und seine Qualität ist aussergewöhnlich. Er züchtet etwa 90 % Kohaku und 10 % Sanke und Showa. Er hatte nicht viele Elternkoi, rund 12 weibliche und 10 männliche, aber die, die er hat sind von sehr guter Qualität. Für die Zucht nimmt er etwa die Hälfte dieser Koi. Er schaut auch bei seinen Lieblingszüchtern nach neuen Koi, um seine Blutlinie damit zu kreuzen. Seine Lieblingsvarietäten sind Kohaku und Sanke.

Die Brut aus seinem Zuchtprogramm zählte ca. 1.500.000 junge Fische, von denen er nach der Auslese ca. 5000 Tosai in sein Koihaus brachte. Bis zum Frühjahr werden etwa 2000 von ihnen als Tategoi ausgewählt. Ohne sein Wissen und das, was wir „ein Auge“ für die Koiauswahl nennen, das er sich in jungen Jahren schon angeeignet hat, wäre dies gar nicht möglich. Von diesen 2000 Koi bleiben am Ende nur rund 300 Nisai. Grössere Koi hat er nur 50 dreijährige und 60 vierjährige Koi. Das bedeutet, dass diese Koi die qualitativ Hochwertigsten sind. Um diese Koi zu züchten und heranwachsen zu lassen, stehen ihm über 30 Fischteiche und 15 Teiche für zweijährige Koi und älter zur Verfügung.

Eine Auswahl an 3-jährigen Koi

Koi Grand Champions bei den grossen Koi-Shows in Japan

Im Laufe der Jahre wurden seine Koi Grand Champions bei den grossen Koi-Shows in Japan. 1977 gewann ein Koi seines Vaters und vor ein paar Jahren wurde ein Sanke von Kawakami San Grand Champion auf der Niigata Nishikigoi Show.

Er ist heute sehr froh darüber, dass er in das Koi Geschäft einstieg. Dadurch war es ihm möglich, um die ganze Welt zu reisen und die USA, Holland, China, Südkorea, die Philipinen, Indonesien, Thailand und Malaysia zu besuchen. Er freut sich immer noch, Ausländer auf seiner  Torazo Koifarm begrüssen zu dürfen. Der Familienmensch hat drei Töchter, die aber im Moment nicht daran interessiert sind ins Koi-Geschäft einzusteigen. So wird er so lange, wie möglich weiter machen und Koi züchten.

Ich frage jeden Züchter, welchen Rat er den Koi-Hobbyisten auf der ganzen Welt geben würde. Kawakami San gab diesen Rat: „Zu viele Menschen kaufen Koi einfach nur, um mit ihnen Preise auf Shows zu gewinnen. Was auf Dauer natürlich langweilig ist. Sie sollten lernen Koi mehr zu schätzen und sie kaufen, um sich langfristig an ihrer Haltung und Entwicklung zu erfreuen.

Sehr kluge Worte von einem sehr weisen Mann denen ich völlig zustimme. Obwohl er manchmal Dinge sagt, die nicht ganz richtig sind. Dies ist das dritte Mal, dass ich ihn in den letzten 30 Jahren interviewt habe. Ich erinnere mich noch gut, als ich ihn einmal fragte, warum er so wenige Koi zum Züchten braucht, seine Antwort darauf: „Ich bin faul“. In diesem Interview sagte er auch: „Ich bin Niigatas dümmster Züchter“. Beides sagte er mit einem Lächeln. Dadurch, dass ich ihn in den letzten 30 Jahre gut kennengelernt habe und sein Familienunternehmen dieses Jahr 100 Jahre alt wird, wird deutlich, dass beides wohl nicht stimmen kann.

Der Name Torazo und Urakawa wurde damals, wie heute auf der ganzen Welt respektiert.

Fragen Sie sich, wo der Name Torazo herkommt? Er stammt aus der ersten Generation, sein Gross-Gross-Grossvater war Kawakami Torazo. Der Name Torazo und Urakawa ist, damals wie heute, auf der ganzen Welt sehr angesehen und das macht Kawakami San sehr stolz. Herzlichen Glückwunsch zu 100 Jahren in der Koi-Welt und alles Gute für die nächsten 100 Jahre.

In unseren Japan Shop auf Nippon Direct finden Sie eine grosse Auswahl an hochwertigen Kois, wie z.B. Kohaku, Sanke und Showa.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 91 – Torazo | Text & Bilder Martin Symonds

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