Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Yamasan Koi Farm

Yamasan Koi Farm – Zufriedene Kunden nach der Koi Selektion

Noch während ich diesen Artikel über die Yamasan Koi Farm schrieb, bekamen Rene und ich von Hiro San von der Yamacho Koi Farm die traurige Nachricht, dass Sei‘ichi Yamazaki, der Gründer der Yamasan Koi Farm, verstorben war. Meine Freundschaft mit ihm geht bis in die frühen 1980er Jahre zurück, als ich das erste mal dort Koi kaufte. Ich ahnte nicht, dass mein Interview mit ihm sein letztes mit mir sein würde. Es macht mich genau so traurig, dass Sei‘ichi diesen Artikel über ihn und seine Koifarm nicht mehr lesen kann. Doch hoffe ich, dass man sich noch lange an ihn erinnern wird. In dieser schweren Zeit gilt mein Beileid und sind meine Gedanken nun bei Manabu und seiner Familie.

Die Welt hat einen grossen Koizüchter verloren.

Die Yamasan Koi Farm befindet sich in Kawaguchi und liegt nur einen Steinwurf von der Yamacho Koi Farm und der Miyatora Koi Farm entfernt und wird jetzt von dem 41 Jahre alten Manabu Yamazaki geführt. Meine Verbindung zu der Familie und der Koi Farm besteht nun seit fast 35 Jahren, als Manabu noch ein kleiner Junge war und die Farm noch von seinem Vater Sei‘ichi Yamazaki geführt wurde.

Die Anfänge der Yamasan Koi Farm

Es hat mich schon immer fasziniert, zu erfahren, wie es Menschen wie der Yamazaki Familie in dieser Gegend gelang, ins Koigeschäft einzusteigen. Sei‘ichi begann damit 1967. Davor hatte schon sein Grossvater Kokichi Yamazaki, ein Reisbauer, Magoi, die „gewöhnlichen“ Karpfen, als Nahrung gehalten. Sei‘ichis Vater Tokuichi Yamazaki führte diese Tradition fort und begann aber auch neben der Viehhaltung noch hobbymässig Koi zu züchten – wie es so viele Leute zu dieser Zeit taten. Tokuichi kaufte Koi-Nachkommen hauptsächlich von Leuten aus der Gegend, die auch Koi züchteten – vornehmlich Kohaku und Sanke. Diese setzte er dann zum Wachsen in seine Reisfelder.

Wie zu vermuten ist, war die Überlebensrate der Fische nicht sehr hoch, aber die, die überlebten, behielt er oder verkaufte sie sogar an seine Nachbarn. Aber das konnte man nicht als Koibusiness bezeichnen.

Wie auch immer – Tokuichi genoss es jedenfalls, dem Vater bei seinem Koihobby zu zuschauen. Die Koizucht begann er mit Purachina oder Platin Ogon, welche er von seinem Freund Chogorou von der Yamacho Koi Farm bekam und mit Go Sanke, wie es jeder in der damaligen Zeit machte. 1970 entschied er sich, die Viehzucht komplett einzustellen und sich auf Reis und Koi zu konzentrieren. Und es dauerte nicht lange, dass er auch sein Geschäft mit Reis an den Nagel hing.

Die Yamasan Koi Farm – Ein immer lächelnder Manabu

So entwickelten sich in zu dieser Zeit das Koi- und Pilzbusiness gleichzeitig.

1971 starb Sei‘ichis Vater Tokuichi. Zu dieser Zeit sah Sei‘ichi einen weiteren lukrativen Geschäftszweig, nämlich das Züchten von Pilzen, die „Enoki“ genannt wurden. Diese etwas ungewöhnlich aussehenden Pilze sind äusserst schmackhaft und in Japan sehr beliebt. Mman sagt sogar, dass sie sehr gesund sein sollen. So entwickelten sich in zu dieser Zeit das Koi- und Pilzbusiness gleichzeitig, obwohl Sei‘ichi mir beteuerte, dass er das Koigeschäft preferieren würde, da es profitabler sei.

Das ehemalige Pilz-Haus beherbergt heute einen Teil der Koibecken

Ich kann mich an einen sehr netten und freundlichen Kkerl erinnen, der kein Wort von dem verstand, was ich ihm erzählte …

Meine erste Begegnung mit Sei‘ichi war in den frühen 1980er Jahren, als ich mich damals im Frühling auf einer Geschäftsreise befand. Ich kann mich an einen sehr netten und freundlichen Kerl erinnen, der kein Wort von dem verstand, was ich ihm erzählte und stattessen mit gefühlten 100 „Sachen“ von Koibecken zu Koibecken rannte und unaufhörlich redete. Bei einem weiteren Treffen im Jahr 1987 filmte ich Sei‘ichi mit meiner Videokamera, wo er genau das gleiche tat, nämlich herum rennen. Das ist jetzt 30 Jahre her, doch es zeigt, dass viele Koifarmen zu der Zeit keine Fischhäuser, sondern nur Becken aus Beton besassen, die sie in den Wintermonaten nur mit Zweigen gegen Kälte und Schneefall abdeckten. Und so fragte er manchmal sogar andere Koi Züchter, ob sie nach seinen Koi schauen könnten, denn die Verluste in den Wintermonaten waren doch erheblich.

Die Yamasan Koi Farm befindet sich in Kawaguchi.

Grosse Varietätenvielfalt an Butterfly-Koi

Jedem Besucher der Yamasan Koi Farm fällt sofort die grosse Varietätenvielfalt an Butterfly-Koi auf, die auf japanisch „Hirenaga“ heissen. Diese Koi Fische sind in Niigata immer noch recht selten uns so verwundert es nicht, dass es heuzutage vielleicht nur 2 bis 3 Koifarmen in dieser Gegend gibt, die diese Butterfly-Koi züchten.

Butterfly-Koi zu züchten, ist nicht so einfach, wie man glaubt.

Sei‘ichi war einer der wenigen Koizüchter, die das Züchten von Butterfly-Koi auf seiner Farm in Betracht zogen. Sein Gedanke dabei war, dass mit den Butterfly-Koi die Zahl seiner Varietäten zunehmen würde und so die Zahl der Koihalter steigen würde. Aus diesem Grund erwarb er mitte der 90er Jahre einige Butterfly-Hi Utsuri von der Suda Koi Farm. Die Vorfahren dieser Koi kamen ursprünglich aus Indonesien, gingen dann nach Chiba, wo mit ihnen gezüchtet wurde. Die Nachkommen aus dieser Zucht gingen dann zur Suda Koi Farm, wo Sei‘iche einige kaufte und damit dann eine eigene Zucht begann. Einige Jahre später brachte der Belgier Michael Capot einige Butterfly-Platinum und -Hariwake mit und fragte, ob Sei‘ichi mit diesen Fischen züchten würde. Das war der Beginn eines Zuchtplanes, der vorsah, so viele Butterfly-Varietäten wie möglich zu kreuzen. Dabei entstand eine High-Quality Blutlinie von Butterfly-Koi „Yamazaki Hirenaga“ genannt.

Butterfly-Koi zu züchten ist nicht so einfach, wie man glaubt, und selbst, wenn man männliche und weibliche Butterfly-Koi zum züchten nimmt, kann es passieren, dass die Nachkommenschaft nur 2-3 % oder aber bis zu 35 % an Butterfly-Koi enthält. Jetzt, nach 20 Jahren, ist das  Angebot an Butterfly-Varietäten auf der Yamasan Koi Farm enorm. Kein Wunder also, dass diese Art in den USA sehr beliebt ist.

Yamasan Nisai

Koi-Einkäufe auf der Koi-Farm liessen unsere Freundschaft wachsen

Die Jahre vergingen und meine Besuche und Koikäufe auf der Yamasan Koi-Farm liessen unsere Freundschaft wachsen. So lernte ich aber auch seinen Sohn Manabu kennen. Dieser kann sich noch daran erinnern, dass er mit vier oder fünf Jahren seinem Vater bei der Zucht der Koi helfen durfte. Ab der Zeit war für Manabu klar, dass er, wenn er nicht zur Schule musste, seinem Vater bei der Koizucht helfen wollte. So lernte ich Manabu langsam kennen, der, wie sein Vater auch, immer mit einem freundlichen Lachen durchs Leben geht. Auch wurden meine Töchter, die mich auf einigen meiner Besuche begleiteten, dort immer sehr herzlich in der Familie aufgenommen. Nach Beendigung seiner Schule begann Manabu, wie er es sich schon als kleiner Junge gewünscht hatte, ganztägig mit seinem Vater zu arbeiten.

Yamasan Tosai-Koihaus

Ich könnte ein Buch über all die schönen und lustigen Momente in der Zeit mit Manabu schreiben.

Es war im Frühjahr 1997, als ich zusammen mit meinen Töchtern bei Sei‘ichi in der Küche sass, als dieser mich fragte, ob Manabu zu mir nach England kommen, dort bei meiner Familie leben und auf meiner Tewin Mill Koi Farm arbeiten dürfte. Dieses Vorhaben von Sei‘ichi zeigte, wie
vorausschauend er dachte, denn ein Besuch Manabus auf meiner Koi Farm würden seine Englischkenntnisse enorm verbessern, und er würde wertvolle Einblicke in das europäische Koi-Business bekommen, was wiederum dem Geschäft der Yamasan Koi Farm in der Zukunft sehr nützlich sein würde. So begann eine einjährige Partnerschaft zwischen Manabu, der seine englische Sprachkenntnisse verbesserte, und mir, der mehr über das japanische Koi-Business erfuhr. Ich könnte ein Buch über all die schönen und lustigen Momente in der Zeit mit Manabu schreiben, doch das hebe ich mir für mein geplantes Buch in der Zukunft auf. Es war eine grossartige Zeit damals, und die Freundschaft, die daraus entstand, dauert bis zum heutigen Tag.

Andere japanische Koi Züchter sahen, was Manabu durch seinen Englandaufenthalt auf meiner Farm zu Hause erreichte, und so verwunderte es nicht, dass Shigeyoshi Tanaka von der Maruju Koi Farm mich ebenfalls fragte, ob er für ein Jahr bei Tewin Mill verweilen dürfte, um die Englisch-Sprach- und europäischen Koi-Business-Kenntnisse zu intensivieren und jetzt, in 2017, wenn Kunden die Maruju– oder eben die Yamasan Koi Farm besuchen, zahlen sich die „Lehrjahre“ von vor 20 Jahren, als zwei Junge Burschen nach England kamen, eben aus.

Yamasan Nisai- und Sansai-Koihaus

Nach Manabus Rückkehr aus England beschlossen er und sein Vater einige grundlegende Änderungen für die Yamasan Koi Farm.

Nach Manabus Rückkehr aus England beschlossen er und sein Vater einige grundlegende Änderungen für die Yamasan Koi Farm. Als erstes sollte das Portfolio von Platinum und Sanke um einige Zuchtvarietäten erweitert werden. Damit sollte der Verkauf von Koi an ausländische Kunden gesteigert werden. Ebenso meinten sie, damit auf dem Markt wettbewerbsfähiger zu sein. Ausserdem beschlossen sie, ihr erstes Koihaus zu bauen. All diese grundlegenden progressiven Änderungspläne hatte Manabu von seinem Besuch in England mitgebracht, und es machte mich sehr stolz, was er damit erreicht hat und heute noch erreicht.

Nach seinem „Lehrjahr“ in England ging Manabu noch für drei Winter nach Oklahoma, um dort auf einer Koifarm zu helfen. All das verhalf ihm zu einem fundierten Wissen, um ausländische Kunden auf seiner Koi Farm optimal bedienen zu können. Wie bei fast allen Züchtern in der Gegend, hat das verheerende Erdbeben von 2004 mehr oder weniger grosse Schäden bei den Züchtern hinterlassen. Sei‘ichi verlor dabei eine nicht unerhebliche Zahl an Eltertieren. Zwar gelang es ihm, sich einige schon verkaufte Koi zu leihen und mit diesen Tieren weiter zu arbeiten, doch wie Sei‘ichi mir erzählte, sollte es lange dauern, bis er wieder gute Butterfly-Elterntiere gezüchtet hatte.

Die Yamasan Koi Farm

Sei‘ichis Traum war es, den Menschen die Schönheit ihrer Koi näher zu bringen.

Heute, und das muss ich anerkennend sagen, hat sich die Yamasan Koi Farm so enorm entwickelt, dass sie mit der von vor über 30 Jahren in keinster Weise mehr zu vergleichen ist. Denn drei grosse Koihäuser und insgesamt 50 Paaren an Elterntieren aller Varietäten verlangen schon nach 80 Mudponds – 50, in denen Tosai schwimmen und 30 für Nisai und grössere Koi. Ende September haben sie ungefähr 100.000 Tosai in Ihren Koihäusern schwimmen – Tendenz steigend und das Portfolio der Varietäten klingt wie folgt: Go Sanke, Ochiba, Ginrin Ochiba, Chagoi, Ginrin Chagoi, Hi Utsuri, Ginrin Hi Utsuri, Ginrin Benigoi, Shiro Muji, Shiro Utsuri, Kinki Utsuri, Ginrin Kohaku, Ginrin Showa, Koromo, Doitsu Go Sanke, Kikusui, Kujaku, Beni Kikokuryu, Platinum, Doitsu Yamabuki, Doitsu Purachina, Asagi.

All das macht die Yamasan Koi Farm zu einem der grössten Koizüchter mit den meisten Varietäten, und nicht zu vergessen – die Butterfly-Varietäten.

Als ich mich noch mit Sei‘ichi vor seinem Tod unterhielt, erzählte er mir, dass er das Koi-Business immer noch so liebte wie zu Beginn, doch habe sich dieses verändert. Er als 15. Generation in dieser Gegend ist sehr froh, dass Manabu die Führung der Yamsan Koi Farm übernimmt und so erfolgreich in diesem Job ist. Er hoffte, dass Manabu High-Quality Go Sanke und grössere Koi züchten werde – ich konnte in seinen Augen sehen, wie solz er auf seinen Sohn war.

Abfischen von Nisai für Koi-Kunden

Kois populär in der ganzen Welt!

Wie viele andere Züchter auch, bemerkte Sei‘ichi nicht, wie populär Koi in der ganzen Welt werden würden, und dass diese Popularität es ihm und seinem Sohn erlaubt hatte, 17 Länder der Erde zu bereisen und so diese Tiere zu promoten.

Manabu betreibt das Koi-Business nunmehr seit einigen Jahren. Er ist verheiratet, hat eine junge Familie und das Lächeln und die freundliche Art seines Vaters vererbt bekommen. Es ist mir eine wirkliche Freude, diese Familie über so viele Jahre zu kennen und mit zu erleben, wie sich Manabu zu dem Mann entwickelt hat, der er heute ist.

Die Pilzfarm existiert nicht mehr und das Gebäude, in dem Millionen von Pilzen produziert wurden, beherbergt noch weitere Koi-Becken und Koi. Das ist es, wo Manabus Herz dran hängt. Sei‘ichis Traum war es, den Menschen die Schönheit ihrer Koi näher zu bringen, und ich glaube, dass Manabu es schafft, den Traum seines Vater zu verwirklichen – ich freue mich darauf, ihm dabei zu zu sehen.

Nur eine Sache noch: Sollten Sie sich mal mit Manabu auf englisch unterhalten und er mal ein Schimpfwort gebraucht, so müssen Sie ihm das entschuldigen – das haben wir ihm in England beigebracht 😉

 

In unseren Nippon Direct Online Shop finden Sie eine grosse Auswahl an hochwertigen Kois, unter anderen auch Butterfly-Koi.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 93 – Yamasan Koi Farm | Text & Bilder Martin Symonds

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.