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Koi Medizin FMC – Was steckt dahinter?

Koi Karpfen
Nippon Direct – Koi Medizin FMC – Was steckt dahinter?

Schon lange wird in der Koi-Medizin FMC zur Behandlung von bakteriellen Infektionen, Ichthyophthiriose und Parasitenbefall beim Koi eingesetzt.

In der EU ist der Einsatz für den Speisefischbereich nicht erlaubt.

Koi Medizin FMC – Mit welchen Stoffen haben wir es hier zu tun?

Bei FMC handelt es sich um eine Mischung aus Formalin, Methylenblau und Malachitgrün. Bei den ursprünglichen Produkt handelte es sich um eine Mischung aus 100 ml Formalin und jeweils 0,37g Malachitgrünoxalat und Methylenblau.

Koi Medizin FMC – Bestandteile

Formalin

35 -37 % Mischung aus Formaldehyd und Methanol als Antipolymerisationszusatz.

Fomaldehyd ist chemisch gesehen Methanal, das einfachste Aldehyd. Natürlicherweise kann man Formaldehyd in geringen Mengen beispielsweise Äpfeln oder Weintrauben finden, auch die Atemluft enthält geringe Mengen an Formaldehyd. Formaldehyd ist bei Zimmertemperatur gasförmig und riecht stechend. Es ist sehr gut in Wasser löslich. Zudem ist es reizend für Haut, Schleimhaut, Atemwege, in höheren Konzentrationen kann es zum Lungenödem und Lungenentzündung führen. Bei chronischer Exposition ist es karzinogen. Formaldehyd wird zur Flächendesinfektion eingesetzt. Die antimikrobielle Wirksamkeit von Formaldehyd beruht auf Alkylierungsprozessen an Zellprotein und Nukleinsäuren. Dabei werden Proteine denaturiert.

Malachitgrünoxalat

Malachitgrünoxalat gehört zu den Triphenylmethanfarbstoffen. Es bildet grüne, metallisch glänzende Kristalle, die in Wasser und Ethanol gut löslich sind. Dieser Stoff kann als Farbindikator eingesetzt werden da er seine Farbe in Abhängigkeit vom pH- Wert ändert. Für das Färben von mikrokopischen Präparaten findet es ebenfalls Verwendung. Immer noch wird Malachitgrün in Speisefischen als Arzneimittelrückstand festgestellt. In vielen Nicht-EU-Staaten ist es immer noch als Medikament für Lebensmittel liefernde Tiere zugelassen. In der EU ist die Anwendung verboten. Ein genauso wirksames Ersatzpräparat steht bisher nicht zur Verfügung. Bei hoher Dosierung können Schädigungen der Kiemen auftreten. Bei Einatmen oder Verschlucken schädigt Malachitgrünoxalat die Schleimhäute, es besitzt eine hohe Toxizität für Wasserorganismen und gilt als krebserregend.

Methylenblau

Methylenblau ist ein Phenothiazin-Derivat. Der Farbstoff wird in der Chemie, Medizin und Färbetechnik verwendet. In ungelöster Form stellt es sich als dunkelgrünes kristallines Pulver dar. Der Stoff ist gut in Wasser lösbar und bewirkt dort eine intensive Blaufärbung. In der Histologie kann es zur selektiven Färbung von Geweben eingesetzt werden. Auch eine Färbung am lebenden Organismus ist möglich. Es wird zur Blaufärbung von Fasern oder Papier verwendet. In Wasser löst sich Methylenblau gut mit intensiver blauer Farbe (daher der Name), selbst geringe Mengen bewirken eine sichtbare Färbung des Wassers. Medizinisch wird es als Antidot bei Vergiftungen mit Nitrit oder Anilin verwendet. Es beschleunigt die Umwandlung von Methämoglobin zu dem lebensnotwendigen Hämoglobin. Methylenblau wirkt in der entsprechenden Dosierung bakterizid und fungizid. In hohen Konzentrationen kann es neurotoxisch wirken.

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Welche Einsatzgebiete für FMC gibt es im Zierfischbereich?

Ichthyophthirius multifiliis – Weißpünktchenkrankheit

Wohl am bekanntesten ist der Einsatz gegen Ichthyophthirius multifiliis (oft auch unter Weißpünktchenkrankheit gemeint) sowie eine Anwendung bei Verpilzungen, sowohl den Koi Fisch als auch den Laich betreffend. Ebenso kann es bei Chilodonella angewendet werden. Eine Behandlung gegen Costia ist erfolgreich – es reicht in diesem Falls aber auch eine Behandlung mit reinem Formalin.

Koi Parasit Ichthyophthirius Multifiliis Weisspünktchenkrankheit
Nippon Direct – Ichthyophthirius multifiliis (Weißpünktchenkrankheit)

Andere Grunderkrankung oder schlechte Haltungsbedingungen bei Koi?

Auch sollte immer bedacht werden, dass es sich bei Costia um einen sogenannten Schwächeparasiten handelt und daher eine andere Grunderkrankung oder schlechte Haltungsbedingungen zugrunde liegen. Daher muss in vielen Fällen nicht gegen Costia an sich vorgegangen werden.

Vorschädigung der Haut oder der Schleimschicht bei Koi?

Bei einer Infektion mit Pilzen liegt in den meisten Fällen eine Vorschädigung der Haut oder der Schleimschicht vor. Wenn die Schädigung weit fortgeschritten ist, kann die Behandlung mit FMC sehr schmerzhaft sein. Es sollte in diesen Fällen anders vorgegangen werden.

Trichodina, Trichodinella sowie Haut- und Kiemenwürmer bei Koi

Immer wieder liest man Dosierungen von FMC für den Einsatz gegen Trichodina, Trichodinella sowie Haut- und Kiemenwürmer. Hier kann man bei entsprechend hoher Dosierung sicher einen Teilerfolg erzielen, es gibt aber besser wirksame Medikamente für diesen Bereich.

Koi mit Ichthyophthirius Weisspünktchenkrankheit am Auge
Nippon Direct – Koi mit Ichthyophthirius (Weisspünktchenkrankheit) am Auge.

Was ist bei der Anwendung von FMC zu beachten?

Genaue Diagnose und gezielte Anwendung

Allgemein kann gesagt werden: FMC darf nur nach genauer Diagnose gezielt anwendet werden. Der Anwender sollte sich wegen der Giftigkeit des Medikaments gut schützen, Handschuhe tragen, nicht einatmen!

FMC Behandlung gegen Ichthyophthirius multifiliis

Da in diesem Bereich oft Fehler gemacht werden, möchten wir zuerst auf die Behandlung gegen Ichthyophthirius eingehen. Dafür ist es wichtig, den Entwicklungszyklus von Ichthyophthirius multifiliis zu kennen.

Entwicklungszyklus Ichthyophthirius Multifiliis
Nippon Direct – Entwicklungszyklus Ichthyophthirius Multifiliis.

Mindestens 3 x mal behandeln!

FMC wirkt nun nur auf die freien Stadien im Wasser nicht auf die am Fisch. Da immer wieder neue von Fisch ins Wasser gelangen, muss mindestens 3 mal behandelt werden. Das Behandlungsintervall hängt von der Temperatur ab.

Wassertemperatur von 10 °C darf nicht unterschritten werden!

Bei der Anwendung von FMC darf eine Wassertemperatur von 10 °C nicht unterschritten werden. Ist das Wasser kälter so polymerisiert das Formaldehyd zu Paraformaldehyd, dieses ist unwirksam und giftig für den Fisch.

Aufgepasst bei der Lagerung von FMC

Bei einer Lagerung unter 10°C polymerisiert das Formaldehyd ebenfalls. Häufig sehen wir eine Lagerung in der Garage, dort herrschen gerade im Winter nicht die geeigneten Lagertemperaturen. In klaren Formalin ist der entstehende Niederschlag gut zu sehen, in der farbigen FMC Lösung dagegen nicht. Daher empfiehlt es sich wenn man sich nicht sicher ist ob die Lagerung korrekt war, die Lösung durch ein Sieb zu gießen.

UV-Filter und Ozon

Während der Behandlung müssen UV-Filter und Ozon ausgeschaltet sein.

Zusätzliche Belüftung des Koi-Teiches

Im Zuge der FMC-Zugabe sollte eine zusätzliche Belüftung des Koi-Teiches erfolgen: zum einem löst eine Behandlung immer Stress bei den Kois aus – allein dadurch kann der Sauerstoffbedarf steigen – und zum anderen tritt eine Sauerstoffzehrung durch das Medikament ein. Dies kann besonders bei hohen Wassertemperaturen im Sommer ein Problem für die Fische sein.

Auslagerung des Filtermaterials

Zu bedenken ist auch die Schädigung der Filterbakterien. Wenn möglich, sollten Teile des Filtermaterials ausgelagert werden. Nach einer Behandlung mit FMC, müssen die Wasserwerte genau überwacht werden.

Teilwasserwechsel nach einer FMC Behandlung

Nach einer Behandlung muss ein Teilwasserwechsel durch geführt werden. Malachitgrün ist dann zwar farblich nicht mehr zu erkennen, die Auswirkung als Atemgift für die Koi kann aber weiterhin bestehen.

Ausflockung FMC Koi Medizin
Nippon Direct – Ausflockung FMC Koi Medizin.

Gibt es FMC Resistenzen?

Bevor man über Resistenzen nachdenkt, müssen zunächst alle Dosierungsfehler ausgeschlossen werden. Man sollte de Berechnung des Wasservolumens überprüfen, Einflussfaktoren wie eine Verdünnung der Wassers müssen ausgeschlossen werden. Allerdings wird im Falle von Ichthyophthirius immer wieder von nicht erfolgreichen Behandlungen trotz korrekter Durchführung berichtet. Es ist davon aus zu gehen, dass es hierbei tatsächlich um resistente Stämme handelt.

In diesen Fällen verschlechtert sich der Zustand während der Behandlung immer weiter. Bei zu niedriger Dosierung oder zu kurzer Behandlung ist zunächst eine Verbesserung zu sehen.

Frei verkäufliche FMC Medikamente

Durch den § 60 des Arzneimittelgesetzes, den so genannten Heimtierparagraphen, ist es möglich, dass frei verkäufliche Therapeutika in Zierfischbereich auf dem Markt sind. Die Vorschriften für die Zulassung von apothekenpflichtigen Medikamenten gelten in diesem Bereich nicht. Möchte man diese anwenden, so sollte man genau wissen was die Inhaltsstoffe sind, wie die korrekte Dosierung ist und für welche Indikation es angewendet werden kann.

Koi Medizin FMC – Sehr gut wirksames aber auch äußerst giftiges Präparat

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es sich bei FMC um ein sehr gut wirksames allerdings auch äußerst giftiges Präparat handelt. Daher sollte es nur nach genauer Diagnose und bei passender Indikation verwendet werden. Durch einen verantwortungsvollen Umgang können wir einen Beitrag dazu leisten, nicht unnötig Giftstoffe in die Umwelt zu geben und die Chance zu erhöhen, dass uns das Mittel weiterhin zur Behandlung von Koi zur Verfügung steht.

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Quelle: Koi Kurier Ausgabe 91 – FMC – Was steckt dahinter? | Text & Bilder: Dr. med. vet. Werner Hoedt, Dr. med. vet. Friederike Weinzierl, Tierärztin Maite Schneider;
Bildnachweis: Sides Imagery | Lizensiert via Pexels

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