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CEV Koi Sleepy Disease – Koi Schlafkrankheit Teil 2

Gelber Koi
Nippon Direct – CEV Koi Sleepy Disease – Koi Schlafkrankeit Teil 2.

Leider ist CEV – Carp Edema Virus in Deutschland offenbar weiter verbreitet als zuerst angenommen.

In unserer Praxistätigkeit werden wir momentan sehr häufig mit der Schlafkrankheit bei Koi (KSDV – Koi Sleepy Disease Virus) konfrontiert.

Schlafkrankheit bei Koi – CEV | Carp Edema Virus

In einem vorangegangen Artikel “Schlafkrankheit bei Koi” haben wir bereits die durch CEV – Carp Edema Virus ausgelöste Erkrankung beschrieben. Nun soll geschildert werden, wie es inzwischen weiter ging. Wir berichten von unseren Erfahrungen mit den betroffenen Koiteichen. Natürlich gehen wir auch darauf ein was, sich in der Diagnostik dieser Viruserkrankung getan hat. Zunächst noch für die Leser, die den ersten Artikel nicht kennen, ein paar Sätze zu dieser „neuen“ (?) Koikrankheit:

Apathischer Koi Karpfen
Nippon Direct – Apathischer Koi.

Schlafkrankheit bei Koi bereits ca. 1970 zum ersten Mal beschrieben

Das Krankheitsbild wurde bereits um 1970 in Japan beschrieben. Vor ca. eineinhalb Jahren wurde erstmals das Carp Edema Virus als kausaler Erreger der Erkrankung nachgewiesen. Mit der Bezeichnung Koi sleepy disease Virus (KSDV) ist derselbe Erreger gemeint. Die genaue Verbreitung steht bisher leider noch nicht fest.

Betroffene Koi apathisch am Teichgrund

Betroffene Koi Fische stehen apathisch am Teichgrund und zeigen sich schläfrig. Laut Literatur verläuft die Krankheit häufig tödlich (Mortalität bis 80%). Bisher haben wir in den betroffenen Teichen meist eine deutlich geringere Sterberate beobachtet. Relativ tiefe Wassertemperaturen begünstigen einen Ausbruch – in der Regel zeigt sich die Erkrankung zwischen 15 und 25 °C. Stress, wie beispielsweise Neubesatz, kann einen Ausbruch der Krankheit begünstigen. Der Übertragungsweg ist bisher nicht geklärt.

Eingesunkene Augen beim Koi

Teilweise sind nur einzelne Koi betroffen, in manchen Fällen aber auch viele oder der gesamte Bestand. Die infizierten Kois zeigen hochgradige Apathie, Schwimmstörungen, Absinken auf den Teichboden sowie regungsloses Liegen am Grund. Auch wenn diese Fische mittels Kescher gefangen werden, sind sie nicht „weckbar“, sondern weiterhin lethargisch. Sie stellen die Futteraufnahme ein. Bei einer genauen Adspektion können eingesunkene Augen, Hautläsionen und ein Verlust der Schleimschicht festgestellt werden. Eine Ödematisierung, die den ganzen Körper betreffen kann, inklusive der inneren Organe (hauptsächlich Leber und Nieren) sowie eine Entzündung des Anus sind weitere Anzeichen.

Die Kiemen der Koi sind geschwollen und verschleimt oder nekrotisch – dies führt natürlich zu Atemnot und Sauerstoffmangel. Um mit Sicherheit sagen zu können, dass es sich um oben beschriebene Erkrankung handelt, müssen Proben zur Untersuchung gewonnen und eingeschickt werden. Der Nachweis erfolgt mittels einer Realtime PCR (Polymerase Chain Reaction). Die Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung der tierärztlichen Hochschule Hannover führt die Untersuchung durch. Als Probenmaterial eignet sich Kiemengewebe.

Tiefliegendes Auge beim Koi
Nippon Direct – Tiefliegendes Auge beim Koi.

Behandlung mittels Medikamenten nicht möglich

Leider ist wie bei den meisten Virusinfektionen eine Behandlung mittels Medikamentengabe nicht möglich. Ein langsames Erwärmen des Wassers auf 29 °C und die Gabe von Salz (5 g/l) ins Wasser kann das Fortschreiten der Infektion teilweise eindämmen. Die Behandlung sollte mindestens 14, besser 20 Tage erfolgen. Haben die Kois eine Infektion überstanden, scheinen sie immun zu sein, allerdings fehlen hierfür wissenschaftliche Daten.

Schlafkrankheit bei Koi – Erfahrungen aus dem letzten Jahr

Trotz positiven CEV-Befunds keine weiteren Ausfälle oder Erkrankte

Entgegen der in verschiedenen Quellen genannten hohen Verlustraten (bis zu 80 % !), haben sich in den von uns betreuten Koi-Teichen mit positivem CEV-Befund nur in wenigen Teichen Krankheitsanzeichen über einen längeren Zeitraum gehalten und zu mäßigen Verlusten geführt. Häufiger war, dass im Teich keine weiteren Erkrankten zu vermelden waren. In einem Teich wurden trotz positiven CEV-Befunds (und insgesamt vier toten Koi; drei gestorben; einer nach der Probennahme aufgrund sehr schlechten Allgemeinbefindens eingeschläfert) im selben Jahr 2015 wieder Koi Karpfen zugesetzt und es gab überraschenderweise keine Ausfälle oder Erkrankte.

Koi Kiemenamaterial zur Untersuchung auf CEV
Nippon Direct – Koi Kiemenamaterial zur Untersuchung auf CEV.

Konsequente Behandlung der sekundären Probleme

Wichtig war in diesen Fällen auch eine konsequente Behandlung der sekundären Probleme – meist bakterielle Besiedelung der geschädigten Bereiche. Bei Einsatz von Paraimmunitätsinducern kann sich deutliche Besserung ergeben. Leider gibt es dazu bisher keine belastbaren Daten. Es ist aber gut vorstellbar, dass eine Stärkung der unspezifischen Immunabwehr zu einer Milderung der Erkrankungsstärke beiträgt.

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Schlafkrankheit bei Koi – Was hat sich in der Diagnostik getan?

CEV-Befund – neue und sensitivere PCR-Methode

„Leider“ haben die Fortschritte in der Diagnostik auch dazu geführt, dass Koi Karpfen, die ursprünglich CEV-negativ getestet wurden, mit der verfeinerten Methode letztlich doch als positiv erkannt wurden. So sind etwa ein Drittel der zuvor negativen CEV-Befunde (d.h. „kein CEV gefunden“) beim Nachtesten mit der neueren sensitiveren PCR-Methode dann z.T. Monate später doch noch in CEV-positiv umbewertet worden.

Koi Kiemengewebe weiterhin als geeignetes Material bestätig

Kiemengewebe des Koi hat sich weiterhin als geeignetes Material bestätig, es enthielt im Vergleich zu Nieren, Herz, Leber und Milz hohe Mengen an viralen Nukleinsäuren. Insgesamt kann man sagen, dass die Genauigkeit inzwischen (Stand April 2016) nun sehr hoch ist.

Koi Probenmaterial zum Versenden an das Labor
Nippon Direct – Koi Probenmaterial zum Versenden an das Labor.

Fortgeschrittene Diagnostik – Was bedeutet das für die Koihalter?

Wir können aus unseren Erfahrungen innerhalb der Praxis subjektiv folgenden Zwischenstand zur Schlafkrankheit der Koi feststellen:

CEV ist in Deutschland definitiv keine exotische Krankheit

CEV ist in Deutschland definitiv keine „exotische“ Krankheit (mehr), welche nur ab und zu auftaucht. Man sollte der Krankheit ein größeres Augenmerk schenken als bisher. Die Durchseuchung der Bestände ist wesentlich weiter fortgeschritten als angenommen wurde.

Als CEV-negativ eingestufte Koi können CEV-positiv sein

Auch solche im Jahr 2014 oder 2015 mit „älteren“ Untersuchungsmethoden als „CEV-negativ“ eingestufte Koi können CEV-positiv sein. Deshalb wäre es sinnvoll, nochmals testen zu lassen.

Einschleppungsrisikos – kein Unterschied zwischen teuren und billigen Koi

Bisher war in unserem Patientengut (welches natürlich nur einen kleinen Ausschnitt darstellt) kein Unterschied zwischen teuren und billigen Koi festzustellen. Der Preis eines Koi sagt nichts über die Höhe des Einschleppungsrisikos aus!

Wurde schon auf CEV getestet?

Beim Neuerwerb von Koi wäre es sinnvoll, die Händler oder Vorbesitzer zu fragen, ob bereits auf CEV getestet wurde. So kann die Sensibilität im Umgang mit der Erkrankung weiter erhöht werden.

Verschleimte Kiemenlamellen eines Koi Karpfen
Nippon Direct – Verschleimte Kiemenlamellen eines Koi Karpfen.

CEV – Schlafkrankheit bei Koi kann sehr dezent auftreten!

Da es an Koiteichen erfahrungsgemäß immer wieder mal zu einzelnen Ausfällen oder kümmernden Koi kommt, denkt man nicht gleich an das Vorliegen einer „Seuche“. Es muss ja auch nicht immer gleich die schlimmste Option zutreffen. Aber man sollte doch bedenken: CEV führt in nicht wenigen Teichen eben nicht zu den beschriebenen dramatischen Fischsterben (so haben wir es jedenfalls bei den Koiteichen unserer bayerischen Kunden wahrgenommen). CEV kann sehr „dezent“ auftreten!

Wir werden auch mit dem neuen Virus leben können und müssen

So wie es eineinhalb Jahrzehnte nach Auftreten von KHV (Koi Herpesvirus) weiterhin Koihaltung in Teichen gibt, werden wir auch mit dem neuen Virus leben können und müssen. Allerdings wird es gerade ambitionierten Anfängern im Hobby “Koi” schwer gemacht: so liegt bei einem unserer Patientenbesitzer schon die Aufgabe des Koi-Hobbies nach nur knapp 2 Jahren und vorliegendem positivem CEV-Befund in der Luft. Das Thema CEV – Schlafkrankheit bei Koi ist bei Besatz oft nicht bekannt und wird dem Neubesitzer gegenüber oft auch nicht angesprochen. Über den Status von KHV (Koi Herpesvirus) werden die Neubesitzer dagegen informiert.

Händler und Züchter sollten hier für Ordnung sorgen und nicht nur auf die durch KHV (Koi Herpesvirus) verursachte (anzeigepflichtige) Krankheit testen und hinweisen. Es sollte zusätzlich auch auf CEV untersucht werden, um Vertrauen bei Koihaltern aufbauen bzw. zurück zu gewinnen. Solange das nicht der Fall ist, schrecken momentan einige Koihalter vor Neukäufen von Koi zurück.

Koi Kiemennekrosen
Nippon Direct – Koi mit Kiemennekrosen.

Impfstoff gegen CEV wäre wünschenswert

Ein Impfstoff gegen das CEV – Carp Edema Virus wäre sehr wünschenswert! Im Gegensatz zu KHV ist das hier eher denkbar, da es sich bei CEV um ein Pockenvirus handelt. Die Frage ist nur, ob der Absatzmarkt für einen Hersteller groß genug erscheint.

Koi auf keinen Fall in der Natur aussetzen!

Man darf Koi auf keinen Fall in der Natur oder in Fischteichen aussetzen! In vielen Flüssen, Bagger- und Badeseen oder sonstigen Gewässern wie frei zugänglichen Fischweihern oder Angelteichen/-seen sieht man immer wieder „freigelassene“ beziehungsweise entsorgte Koi schwimmen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass wir uns gezwungenermaßen mit dieser Erkrankung befassen müssen. Jeder Koi Halter, Züchter, Händler und Tierarzt sollte dazu beitragen, das Thema bekannter zu machen.

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Quelle: Koi Kurier Ausgabe 88 – CEV – Wie geht es weiter? | Text & Bilder: Dr. med. vet. Werner Hoedt, Dr. med. vet. Friederike Weinzierl, Tierärztin Maite Schneider;
Bildnachweis: Ranurte | Lizensiert via Unsplash

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