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Frühlingsvirämie bei Koi

Koi Fische im Teich
Nippon Direct – Frühlingsvirämie beim Koi.

Die Frühlingsvirämie beim Koi ist in vielen Teilen Europas sowie in China, USA und Brasilien weit verbreitet. Sie ist eine durch Viren bedingte Erkrankung.

Der Erreger, das sogenannte Spring Viremia of Carp Virus, konnte erstmals 1971 nachgewiesen weerden und gehört zur Familie der Rhabdoviridae.

In alter Literatur findet man die Krankheit auch unter dem Begriff akute oder infektiöse Bauchwassersucht.

Frühlingsvirämie bei Koi – Spring Viremia of Carp Virus

Bei einer Wassertemperatur von ca. 14°C herrscht die höchste Ausbruchswahrscheinlichkeit. Wassertemperaturen niedriger als 10°C und höher als 20°C machen einen Krankheitsausbruch unwahrscheinlich. Die Erkrankung verläuft akut und ist hochinfektiös. Koi Karpfen aller Altersklassen können erkranken.  Bei Nutzkarpfen sind hauptsächlich ein- und zweijährige Tiere betroffen.

In Privatkoihaltungen spielt die Erkrankung keine große Rolle. Sie ist eher ein Problem der Koi-Zucht und des Koihandels. Die Nutzkarpfenbestände in Europa sind mittlerweile weitgehend durchseucht, so dass es auch hier selten zu größeren Ausfällen kommt.

Die Erkrankung unterliegt derzeit nicht mehr der Meldepflicht.

Zeichnung Virus Frühlingsvirämie der Koi Karpfen
Nippon Direct – Zeichnung Virus Frühlingsvirämie beim Koi.

Koi bleibt lebenslager Virusträger

Wird ein Koi infiziert, kommt es zu einer Virusvermehrung im Blut. Danach werden die inneren Organe infiziert. Hat ein Koi die Infektion überstanden, so bleibt er lebenslang Virusträger und kann unter bestimmten Umständen andere Kois infizieren. Das Virus wird mit dem Kot der Fische in das Wasser abgegeben. So kann die Infektion über das Wasser übertragen werden. Auch eine Verschleppung über Gerätschaften wie Kescher ist denkbar. Als Haupteintrittspforte werden die Kiemen angesehen. Eine Übertragung ist aber auch durch blutsaugende Parasiten wie zum Beispiel die Karpfenlaus oder Fischegel möglich. Heute verlaufen Ausbrüche der Erkrankung weitgehend verlustfrei.

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Koi zeigt bei Erkrankung verschiedenste Anzeichen

Wenn ein Koi erkrankt, zeigt er verschiedenste Anzeichen. Es kommt zu Atemnot, welche sich durch Stehen an sauerstoffreichen Bereichen des Koi-Teichs äußert, zu unkoordinierten Schwimmbewegungen und Dunkelfärbung. Die Koi Karpfen bekommen Glotzaugen. Es kommt zu Blutungen in der gesamten Haut, der Muskulatur sowie den Kiemen. Durch den Blutverlust kann es zu blassen Kiemen kommen. Weitere Symptome können Auftreibungen der Leibeshöhle und ein Ausstülpen des Afters sein. Daher sollte bei einer sogenannten Bauchwassersucht auch an SVCV – Spring Viremia of Carp Virus (Frühlingsvirämie beim Koi) gedacht werden. Der Kot wird in langen Strängen ausgeschieden.

Koi mit Blutungen in der Haut
Nippon Direct – Es kommt zu Blutungen in der gesamten Haut, der Muskulatur sowie den Kiemen.

Wie kann die Frühlingsvirämie Erkrankung beim Koi nun festgestellt werden?

Hinweisend kann eine pathologisch-morphologische Untersuchung sein. Dabei kann man eine blutig seröse Flüssigkeit in der Bauchhöhle feststellen. An den inneren Organen des Koi zeigen sich Ödeme und punktförmige Blutungen. Der Darm ist entzündlich verändert und der Inhalt gelblich schleimig.

Eine gesicherte Diagnose kann durch den Erregernachweis erbracht werden. Das Virus wird im Labor auf speziellen Fischzellkulturen angezüchtet. Auch eine Untersuchung mittels PCR (Polymerase chain reaction) ist möglich. Während der virämischen Phase zu Beginn der Erkrankung befindet sich der Erreger im Blut. Daher kann den Koi Karpfen Blut entnommen und das Virus daraus angezüchtet werden. In einer späteren Phase befindet sich das Virus in den inneren Organen und kann somit auch nur aus diesen nachgewiesen werden. Eine spezifische Behandlung ist wie bei den meisten Viruserkrankungen nicht möglich.

Koiteich im Herbst
Nippon Direct – Koiteich im Herbst.

Sekundäre Infektion mittels Antibiotika behandeln

Es kann unter Umständen auch sinnvoll sein, die sekundäre bakterielle Infektion mittels Antibiotika zu behandeln. Bei einem Ausbruch kann die Wassertemperatur erhöht werden, um das Geschehen zu stoppen. In der Speisekarpfenproduktion wird versucht, SVCV-freie Bestände aufzubauen, indem gesunde Jungfische verwendet und die Eier desinfiziert werden.

Umweltbedingungen spielen eine große Rolle

Die Umweltbedingungen spielen in diesem Krankheitskomplex eine große Rolle. Schlechte Wasserqualität, stark schwankende Temperaturen und Nahrungsmangel oder schlechte Futterqualität sowie mangelnde Teichhygiene begünstigen die Infektion mit SVCV.

Koi im herbstlichen Teich
Nippon Direct – Koi im herbstlichen Teich.

Gesamtzustand der Koi von entscheidender Bedeutung

Da für diese Erkrankung der Gesamtzustand der Koi von entscheidender Bedeutung ist, möchten wir hier nochmal kurz auf die wichtigsten Dinge bei der Überwinterung und dem Start ins Frühjahr eingehen.

Die wichtigsten Dinge bei der Überwinterung von Koi und dem Start ins Frühjahr

Vergleicht man die klimatischen Verhältnisse von Mitteleuropa mit denen der japanischen Koizuchtgegenden, so stellt man fest, dass der Winter in Europa insgesamt länger ist und die Temperaturen weitaus stärker schwanken. Im Herbst schwanken die Lufttemperaturen in unseren Breitengraden von 0-25 °C. Die Wassertemperaturen ändern sich natürlich nicht in dem Maße, aber sie zeigen dennoch erhebliche Unterschiede. Die Länge des Winters und die Temperaturschwankungen machen den Koi Fischen zu schaffen. Sie verbrauchen in den wärmeren Phasen zu viel Energie, da der Stoffwechsel zu aktiv ist, ohne dass die Koi Futter aufnehmen. Daher ist es sinnvoll, bei der Überwinterung nachzuhelfen. Dafür gibt es unterschiedliche Modelle.

Toter Koi im winterlichen Koiteich
Nippon Direct – Ungünstige Bedingungen während des Winters können im schlimmsten Fall zum Tod der Koi führen.

Überwinterung von Koi in der Innenhälterung

Hier gibt es wiederum zwei Möglichkeiten. Die warme Überwinterung ohne Temperaturabsenkung. Auch bei dieser Art sollte im Winter etwas weniger gefüttert werden, um einer Verfettung oder einem übermäßigen Laichansatz vorzubeugen, denn bei dieser Art der Winterhaltung entfällt die natürliche Fastenperiode. Ansonsten unterscheidet sich die Haltung nicht von der im Sommer. Die andere Möglichkeit ist eine Innenhälterung mit Temperaturabsenkung. Ab 8 °C halten die Kois Winterruhe, dies kann beispielsweise über zwei Monate durchgeführt werden. Der Vorteil ist hier, dass die Temperatur jederzeit regelbar ist und unerwünschte Schwankungen entfallen.

Überwinterung von Koi im Teich mit Heizung und oder Abdeckung

Um die Schwankungen des Teichwassers auszugleichen, kann das Wasser geheizt werden. Dies kann mit den unterschiedlichsten Technikvarianten erreicht werden, beispielsweise mit Hilfe einer Wärmepumpe. Entweder kann die Temperatur dauerhaft angehoben werden, oder es kann ab einer bestimmten Temperatur geheizt werden.

Auch eine Abdeckung des Koiteiches minimiert den Wärmeverlust und verkleinert die Schwankungen. Es gibt ganz unterschiedliche Abdeckungsformen, wie helle oder dunkle Kugeln, Platten (Styrodur, Doppelsteg), Noppenfolie oder Gewächshäuser. Diese können dunkel oder hell sein, worauf die Koi durchaus reagieren. Wird ein „Sichtfenster“ eingebaut, können die Karpfen auch während der Wintermonate kontrolliert werden. Liegt die Abdeckung direkt dem Wasser auf, ist ein Gasaustausch nicht mehr möglich, daher kann es durchaus zu einem Sauerstoffmangel oder einer Vergiftung durch zum Beispiel Faulgase mit teilweise fatalen Folgen kommen. Natürlich ist es auch sinnvoll, Heizung und Abdeckung zu kombinieren.

Während des Winters sollte immer eine Belüftung stattfinden, einerseits, um die Sauerstoffversorgung zu gewährleisten, andererseits, um sicher zu gehen, dass Schadgase entweichen können.

Koiteich mit Sichtfenster in der Abdeckung
Nippon Direct – Koiteich mit Sichtfenster in der Abdeckung.

Überwinterung von Koi ohne Abdeckung und Heizung

Hier sind die Fische völlig den Launen der Natur ausgesetzt. Bei dieser Überwinterungsform sind die Teichtiefe und das Wasservolumen entscheidend. Sind diese nicht ausreichend, bedeutet das für die Fische absolute Lebensgefahr. Auch hier gibt es wieder zwei Varianten: Einerseits kann man den Teich komplett zufrieren lassen, wobei hier auch kein Gasaustausch mehr möglich ist. Andererseits kann der Teich teilweise offen gehalten werden, um eben diesen zu ermöglichen. Dauer der Winterperiode und eventuelle Temperaturschwankungen können in beiden Fällen nicht beeinflusst werden.

Parasitenkontrolle der Koi vor der Überwinterung ist sinnvoll

Welche Überwinterungsform auch gewählt wird, so ist es immer wichtig, dass die Koi Karpfen in guten Zustand in die Überwinterung gehen. Sinnvoll ist eine Parasitenkontrolle, bevor die Tiere in den Winter gehen. Falls dies aus irgendwelchen Gründen nicht der Fall ist, wäre eine warme Überwinterung am sichersten. Auch während der Überwinterung scheiden die Koi aus. Daher ist es wichtig, die Wasserwerte auch im Winter zu kontrollieren.

Nicht nur der Zustand der Koi, sondern auch der des Koiteiches ist entscheidend.

Im Herbst sollte entweder verhindert werden, dass Laub in den Teich fällt oder es muss wieder entfernt werden. Ansonsten können während der Überwinterung Faulgase entstehen die für die Koi Fische lebensbedrohlich sein können.

Laub im Koiteich
Nippon Direct – Laub im Koiteich.

Start ins Frühjahr der Koi ist entscheidend

Ist dann der Winter überstanden so ist auch der Start ins Frühjahr entscheidend. Langsam steigen die Wassertemperaturen. Die Koi werden wieder aktiver. Da die Filterbakterien sich erst wieder aufbauen müssen, ist es wichtig die Fütterung langsam zu steigern. So können sich die Bakterien nach und nach aufbauen. In dieser Phase sollten die Wasserwerte in kurzen Abständen überwacht werden.

Das Frühjahr ist die Zeit mit den meisten Erkrankungen. Die Kois sind teilweise durch den Winter geschwächt und das Immunsystem arbeitet noch nicht perfekt. Die Bedingungen müssen gerade dann optimal sein. Die Koi sollten sehr gut beobachtet werden.

Sind die Koi Karpfen in gutem Zustand aus der Überwinterung gekommen, so haben sie gute Voraussetzungen für einen guten Start in die neue Koi Saison!

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Quelle: Koi Kurier Ausgabe 86 – Frühlingsvirämie beim Koi | Text & Bilder: Dr. med. vet. Werner Hoedt, Dr. med. vet. Friederike Weinzierl, Tierärztin Maite Schneider;
Bildnachweis: Micheile Henderson | Lizensiert via Unsplash

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