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Resistenzen in der Koihaltung

Koi Karpfen im Koiteich
Nippon Direct – Resistenzen in der Koihaltung.

Im Bereich der Koihaltung wird oft von Resistenzen gesprochen. Tatsächlich sind Resistenzen ein Problem, welches uns in der Praxis im Bereich der bakteriellen Erkrankung häufig begegnet, auch bei der Therapie von Parasitenbefall bei Koi sind Resistenzen zu beobachten.

Wenn eine Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt, muss nicht gleich eine Resistenz vorliegen. Es sollte immer überprüft werden, ob bei der Durchführung ein Fehler gemacht wurde?

Unter anderem eine zu kurze Behandlungsdauer, eine falsche Dosierung oder eine Verdünnung des Medikamentes durch Wasserwechsel können Gründe für einen ausbleibenden Behandlungserfolg sein.

Koi Karpfen im Gartenteich
Nippon Direct – Resistenzen von Bakterien.

Koihaltung – Was ist eine Resistenz?

Das Wort kommt aus dem Lateinischen – „resistere“ bedeutet innehalten, sich widersetzen. Innerhalb der Medizin versteht man darunter die Widerstandsfähigkeit eines Organismus gegenüber negativen äusseren Einflüssen (Noxen). Im weiteren Sinn umschreibt Resistenz auch die fehlende bzw. nachlassende Wirkung verschiedener Arznei- oder Desinfektionsmittel.

Koihaltung – Resistenzen von Bakterien

Beim Einsatz von Antiinfektiva kann unterschieden werden ob es sich um ein so genanntes bakterizides oder bakteriostatisches Antiinfektivum handelt. Bakterizide töten die Bakterien ab, Bakteriostatika hemmen das Bakterienwachstum. Die verschiedenen Wirkstoffe setzen an unterschiedlichen Stellen der Bakterienzelle an: der Zellwand, der Plasmamembran, den Ribosomen, der DNA.

Die Funktionen der einzelnen Teile einer Zelle

Geisseln: dienen der Fortbewegung
Fimbrien: zum Anhaften an die Wirtszelle
Kapsel: haftet an Oberflächen, schützt vor Austrocknung, bildet einen Schutz gegen das Immunsystem oder Antiinfektiva
Äussere Membran (nur bei gramnegativen Bakterien vorhanden): besitzt Kanäle, um Stoffe selektiv in die Zelle zu lassen und ist mit Haftapparaten ausgestattet
Murein: besteht aus Zuckerketten und Aminosäuren und gibt der Zelle die Form
Zytoplasma: Barriere, hält den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt aufrecht, Ansatzpunkt für Geisseln.
DNA: Erbinformation
Ribosomen: Biosynthese der Eiweisse
Plasmid: Extrachromosomale DNA
Depotstelle: Speicherstelle für unterschiedliche Stoffe die die Zelle benötigt

Schematischer Feinaufbau eines Bakteriums
Nippon Direct – Schematischer Feinaufbau eines Bakteriums.

Resistenzen der Zellwand

Wird die Synthese der Zellwand gehemmt, so können die Bakterien ihren Druck nicht mehr regulieren und platzen. Zur Abwehr bilden die Bakterien ein Enzym welches das eingesetzte Medikament zerlegt und damit unwirksam macht.

Resistenzen des Plasmamembran

Stoffe, die an der Plasmamembran wirken, erhöhen deren Durchlässigkeit, dadurch verliert die Zelle lebenswichtige Stoffe und stirbt. Wie die Resistenzmechanismen in diesem Bereich wirken ist noch nicht ausreichend bekannt.

Resistenzen der Ribosomen

Sind die Ribosomen der Angriffspunkt, wird die Protein-Synthese in den Ribosomen gehemmt oder falsch gesteuert. So können diverse Stoffwechselprozesse der Zelle nicht mehr ungehindert ablaufen und das Bakterium kann sich auch nicht weiter vermehren. Um das zu verhindern ändert die Bakterienzelle ihre elektrische Ladung, was zur Folge hat, dass der Wirkstoff nur in einem geringen Umfang durch die Zellmembran transportiert und nicht effektiv wirken kann.

Resistenzen auf der DNA-Ebene

Medikamente die auf der DNA-Ebene wirken, binden an die Gyrase, ein Enzym welches beim Entwinden der DNA wichtig ist. Dadurch wird das Enzym und damit die bakterielle Replikation gehemmt. In diesem Bereich ist der Resistenzmechanismus die Veränderung der Bindungsstelle am Enzym, so dass der Hemmstoff nicht mehr binden kann.

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Resistenzen – Es werden immer wieder neue Mechanismen entdeckt!

Dies war nur ein kleiner Ausschnitt aus dem vielfältigen Bereich der Resistenzmechanismen. Auch werden immer noch neue Mechanismen entdeckt.

Zellwandlose Bakterien gegen bestimmte Wirkstoffe unempfindlich

Manche Bakterienarten sind gegen bestimmte Antiinfektiva-Gruppen primär resistent. Ein Beispiel hierfür sind zellwandlose Bakterien, die aufgrund ihres speziellen Aufbaus gegen Wirkstoffe unempfindlich sind, die an der Zellwand ansetzen.

Resistenz wird via Genom an die nächste Generation weitergegeben

Es entstehen aber immer neue Resistenzen, die auch im Genom verankert werden und so an die nächste Generation weitergegeben werden. Für die Bakterien ist dies eine Sicherung für ihr Überleben.

Koi Karpfen im Koiteich
Nippon Direct – Resistenzen – Es werden immer wieder neue Mechanismen entdeckt!

Multiresistente Keime in der Koihaltung

Da wir es in vielen Bereich der Koihaltung mittlerweile mit multiresistenten Keimen zu tun haben, ist es wichtiger denn je den Medikamenteneinsatz genau zu überdenken.

Ist eine antibiotische Behandlung überhaupt notwendig?

Zuerst sollte überlegt werden ob im vorliegenden Fall eine antibiotische Behandlung des Koi überhaupt notwendig ist. Bei Wunden sollte unterschieden werden ob es sich um eine frische Verletzung oder um eine bereits Infizierte Wunde handelt. Liegt eine frische Wunde vor ist eine Wunddesinfektion oftmals ausreichend. Auch sollte unterschieden werden ob es sich um die Erkrankung eines Einzeltieres oder um ein Bestandproblem handelt.

Gezielte Behandlung der Koi

Es sollte immer eine Anzucht der Bakterien und das Anlegen eines Resistogrammes erfolgen, so kann gezielt behandelt und bestehende Resistenzen erkannt werden.

Koi mit infizierter Wunde
Nippon Direct – Koi mit infizierter Wunde.

Vorsicht bei Unterdosierung oder einer zu kurzen Behandlungsdauer!

Bei der Dosierung sollten Wasserwechsel und Ähnliches genau eingeplant werden um ein Unterdosierung zu vermeiden. Bei einer Unterdosierung oder einer zu kurzen Behandlungsdauer können leicht Resistenzen entstehen. Ein Teil der Bakterien die schon teilweise resistent sind, überlebt und gibt die Resistenz an die nächste Generation weiter. Alle Antiinfektiva sind natürlich auch für den Koi Karpfen giftig, daher kann die Dosis nur bis zu einem gewissen Spiegel angehoben werden, ohne den Koi zu schädigen.

Keine Prophylaktische Behandlungen!

Prophylaktische Behandlungen sollten keinesfalls durchgeführt werden, denn auch hier besteht die Gefahr der Resistenzbildung.

Ist Behandlung zum Abtöten der Koi Parasiten überhaupt sinnvoll?

Bei Parasiten ist es nicht immer einfach zu entscheiden ob eine Behandlung zum Abtöten der Koi Parasiten überhaupt sinnvoll ist. Liegt ein geringgradiger Befall vor und die Koi zeigen keine Veränderungen, so ist eine Behandlung oft nicht notwendig. Bei einigen Parasiten ist auch nicht abschliessend erforscht ob sie überhaupt eine schädigende Wirkung auf ihren Wirt haben. Auch Koi-Parasiten entwickeln ähnlich wie Bakterien Resistenzmechanismen und geben diese im Genom weiter. Es sind viele Mittel zur Parasitenbehandlung freiverkäuflich. Leider werden diese ohne vorherige Diagnose und teilweise auch in der falschen Dosierung eingesetzt.

Koi Parasit mikroskopische Untersuchung
Nippon Direct – Koi Parasit mikroskopische Untersuchung.

Im Folgenden wichtige Punkte die bei der Behandlung gegen Parasiten bei Koi beachtet werden sollten:

  • eine genaue Diagnose muss in den meisten Fällen mit dem Mikroskop gestellt werden ✔
  • die Befallsstärke muss ermittelt werden ✔
  • ein passendes Medikament, wirksam gegen den festgestellten Parasiten und für die Fischart verträglich muss ausgewählt werden ✔
  • das Medikament muss für das entsprechende  Wasservolumen (welches sicher ermittelt werden muss, wenn es nicht bekannt ist) korrekt dosiert werden ✔
  • gibt es Wasserwechsel, muss eventuell nachdosiert werden ✔
  • es muss sichergestellt werden, dass kein Antiparasitikum mit dem Wasser in die Umwelt gelangt ✔
  • die Wassertemperatur muss für die Behandlung passend sein ✔
  • ob das eingesetzte Mittel die Filterbakterien schädigt, muss über die Wasserwerteüberwacht werden ✔

Behandlung der Koi in den meisten Fällen erfolgreich

Werden diese Punkte alle beachtet, so verläuft die Behandlung der Koi unserer Erfahrung nach in den allermeisten Fällen erfolgreich. Oft wird im Parasitenbereich zu schnell von Resistenzen gesprochen und es handelt sich nur um eine nicht korrekt durchgeführte Behandlung.

Wichtig – Man muss Ursache der Erkrankung auf den Grund gehen!

Sowohl bei Koi Parasiten, als auch bei Bakterien ist es sehr wichtig der Ursache der Erkrankung auf den Grund zu gehen. Antiparasitika und Antiinfektiva sollten nur eingesetzt werden, wenn es wirklich notwendig ist. Es sollte so wenig wie möglich des wirksamen Medikamentes eingesetzt werden. So bleiben uns wirksame Arzneimittel für Mensch und Tier längstmöglich erhalten.

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Quelle: Koi Kurier Ausgabe 93 – Resistenzen | Text & Bilder: Dr. med. vet. Werner Hoedt, Dr. med. vet. Friederike Weinzierl, Tierärztin Maite Schneider;
Bildnachweis: Marta Dzedyshko | Marta Dzedyshko | Lizensiert via Pexels

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