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Vorschriften und gesetzliche Regelungen zum Thema Koiteich

Koi Fische im Naturteich
Nippon Direct – Vorschriften und gesetzliche Regelungen zum Thema Koiteich.

Ist es nicht schön, den Nachmittag am Gartenteich zu verbringen? Den Koi zu zusehen, die Seele baumeln zu lassen?

Die wenigsten denken bei Koiteich an gesetzliche Regelungen, doch auch hier gibt es einige, die man kennen und beachten sollte.

Am besten ist es sicherlich, sich bereits vor dem Bau des Koiteiches und der Anschaffung der Koi Fische zu informieren. Das erspart Ärger und Zeit im nachhinein.

Überlegungen vor dem Bau eines Koiteiches

Ist der Gartenteich noch in Planung, so sollte man sich bei Teichen, die das übliche Maß überschreiten, absichern, dass diese nicht aufgrund regionaler Vorschriften einer Genehmigung oder Reglementierung unterliegen.

Koi Karpfen im Naturteich
Nippon Direct – Überlegungen vor dem Bau eines Koiteiches.

Gefahr für Kleinkinder

Generell gilt auch für Teichbesitzer die Regel, dass jeder, der eine Gefahrenquelle schafft, dafür die Verantwortung trägt (Allgemeine Versicherungspflicht). Es muss beim Teichbau auch daran gedacht werden, dass dieser zur Gefahr für Kleinkinder werden kann. Sich alleinig auf die Aufsichtspflicht der Aufsichtspflichtigen zu berufen ist nicht ratsam. Daher ist das Grundstück oder der Teich zu umzäunen, sofern damit zu rechnen ist, dass Kinder das Grundstück betreten. Das Aufstellen eines Warnschildes oder das Aussprechen eines Verbotes den Kindern gegenüber ist nicht ausreichend. Die Sicherungsmaßnahmen müssen aber nur realistische Gefahren, nicht aber völlig abstrakte Gefahren abdecken.

Achtung bei Hochwassergebiet!

In Hochwassergebieten muss dafür Sorge getragen werden, dass auch bei Hochwasser keine Möglichkeit entsteht, dass Fische abwandern.

Speisung von öffentlichen Gewässern

Wenn der Teich von öffentlichen Gewässern gespeist werden soll, wird es noch komplizierter. Es greifen beispielsweise Regelungen aus dem Wasserhaushaltsgesetz und dem Fischereigesetz. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt vorab zu erkundigen.

Koi Fische im Naturteich
Nippon Direct – Koiteich und das Tierschutzgesetz

Koiteich und das Tierschutzgesetz

Die Verpflichtung den Teichbewohnern gegenüber Tiere stehen in Deutschland unter dem Schutz des Tierschutzgesetzes. § 1:

„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

Des Weiteren beschreibt § 3:

„Es ist verboten… 3. ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen“.

Letztlich sollte die Erfüllung dieser Pflichten selbstverständlich sein. Auch hier ist es natürlich am sinnvollsten, bereits vor der Anschaffung der Koi Fische gut zu überlegen, ob der Platz auch für die ausgewachsenen Tiere mit eventuell Nachzuchten ausreichend ist, ob sich die jeweilige Fischart für den Winter in unseren Breitengraden eignet. Welche Arten harmonieren und vieles mehr.

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Der Teich wird nicht nur von Koi Fischen bewohnt

Häufig schildern Koibesitzer, dass der Teich auch von Ringelnattern frequentiert wird. Diese Schlangenart gehört in Deutschland zu den besonders geschützten Tieren und darf daher weder, wie im Gesetz formuliert, „belästigt, gefangen oder gar getötet“ werden. Auch Frösche und Kröten sowie deren Laich umsiedeln ist nicht so einfach. Einheimische Arten gelten allesamt als besonders geschützte Arten im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes.

Einige Arten wie Wechsel-, Kreuzkröte oder der Laubfrosch sind sogar vom Aussterben bedroht und gelten daher als streng geschützte Arten. Auch hier gilt das gleiche wie bei den Ringelnattern. Sie dürfen absolut nicht gestört werden, auch nicht ihre Laichplätze oder Zufluchtstätten. Werden die Tiere einfach umgesetzt, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Man kann einen Antrag auf Befreiung von den artenschutzrechtlichen Verboten zum Fang oder zur Umsetzung zu beantragen, allerdings wird dieser oft negativ beschieden.

Frosch im Naturteich
Nippon Direct – Der Teich wird nicht nur von Koi Fischen bewohnt

Das Aussetzen von Teichfischen

Immer wieder werden Teichfische, darunter auch Koi in natürliche Gewässer ausgesetzt. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Auflösung von Koi-Teichen bis hin zur Entsorgung ungewollter Nachzuchten oder kranker Fische. Es ist nicht nur ethisch mehr als fragwürdig, ein Tier, für das der Besitzer die Verantwortung trägt, einfach wegzuwerfen. Darüber hinaus stellt das Aussetzen von Tieren auch einen Verstoß gegen diverse Gesetze dar:

Wie oben bereits erwähnt: Tierschutzgesetz § 3 Abs. 3:

„Es ist verboten… ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen“.

Hier wird kein Unterschied gemacht, ob für das Tier eine Gefahrenlage entsteht. Ist der Tatbestand des Aussetzens erfüllt liegt eine Ordnungswidrigkeit vor, die gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 4 mit einem Bußgeld von bis zu 25. 000 € bestraft werden.

Bundesnaturschutzgesetz: § 40 (4):

„Das Ausbringen von Pflanzen gebietsfremder Arten in der freien Natur sowie von Tieren bedarf der Genehmigung der zuständigen Behörde. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn eine Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen oder Arten der Mitgliedsstaaten nicht auszuschließen ist.“

Tierseuchengesetz § 9:

„Bricht eine anzeigepflichtige Tierseuche aus oder zeigen sich Erscheinungen, die den Ausbruch einer solchen Tierseuche befürchten lassen, so hat der Besitzer der betroffenen Tiere unverzüglich der zuständigen Behörde oder dem beamteten Tierarzt Anzeige zu machen und die kranken oder verdächtigen Tiere von Orten, an denen die Gefahr der Ansteckung fremder Tiere besteht, fernzuhalten.“

Koi Karpfen im Naturteich
Nippon Direct – Das Aussetzen von Teichfischen

KHV – Koi Herpes Virus

Zu diesen anzeigepflichtigen Tierseuchen gehört unter anderem die KHV, also das Koi-Herpesvirus. Der Besitzer macht sich also strafbar, wenn er Tiere mit dem Verdacht auf KHV in einen Naturteich entsorgt. Dies trifft nicht nur auf die betroffenen Koi zu, sondern auch auf alle anderen Tiere im Teich, da zum Beispiel Goldfische zwar selber nicht erkranken, die Tierseuche aber verschleppen können.

Aussetzen von Koi bedeutet also häufig den Tod!

Über die gesetzliche Regelung hinaus sollte man sich einmal über die weiteren Konsequenzen im Klaren werden: Zum Einen die Konsequenzen für den ausgesetzten Fisch. Diese Tiere mögen zwar augenscheinlich ein tolles Leben in einem großen Naturteich mit vielen Pflanzen führen, aber sind sie wirklich konkurrenzfähig und können hier langfristig überleben?

Häufig entsprechen weder die Wasserwerte, Qualität, Sauerstoffgehalt noch die Temperatur dem, was der Fisch als Ansprüche an seine Umwelt hat. Koi Kaprfen sind meist bunt gefärbt, fallen also jedem Fressfeind im Teich sofort auf und bilden eine leichte Mahlzeit. Viele natürliche Gewässer sind gar nicht tief genug, um ein adäquates Überwintern zu ermöglichen. Das Aussetzen bedeutet also häufig den Tod!

Koi Fisch im Naturteich
Nippon Direct – Aussetzen bedeutet also häufig den Tod!

Würden kranke Fische in der Natur wieder gesund werden?

Auch die teilweise zu findende Überzeugung, kranke Fische würden in der Natur wieder gesund werden, trifft in den allermeisten Fällen keineswegs zu. Zum Anderen die Konsequenzen für den Teich und dessen Bewohner: Das biologische Gefüge der verschiedenen Pflanzen- und Tierarten hat sich im Laufe der Evolution in einer Region entwickelt. Alles ist genau aufeinander abgestimmt und im Gleichgewicht. Wird nun eine fremde Art in ein ursprüngliches Biotop eingesetzt, so passt diese nicht ins Gefüge und bringt das Gleichgewicht durcheinander und kann zur völligen Zerstörung eines wertvollen Lebensraumes führen. Pflanzen- und Tierarten werden stark dezimiert oder ausgerottet (Pflanzen oder Froschlaich als Futterquelle).

Einheimische Arten können verdrängt werden

Es können einheimische Arten verdrängt werden, die vielleicht weniger konkurrenzfähig sind. Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Sonnenbarsch beispielsweise ist mittlerweile sehr verbreitet und hat zudem ein starkes Territorialverhalten. Auch ein künstlich herbeigeführter Überbesatz durch die Entsorgung eines Bestandes oder die Vermehrung ausgesetzter Fische kann zur starken Belastung von Gewässern mit Nährstoffen (Eutrophierung) führen und dieses zum Kippen bringen und dadurch zerstören.

Durch das Einsetzen von Fischen in natürliche Gewässer kann es auch zur Einschleppung von vielen unterschiedlichen Krankheiten wie zum Beispiel Parasiten kommen. Handelt es sich dabei um eine Erkrankung mit der die Wildfische noch nie in Kontakt kamen, können ganze Bestände dadurch gefährdet sein. Ein Beispiel, wenn auch nicht aus den Fischbereich, ist die durch amerikanische Flusskrebsarten eingeschleppte Krebspest, eine Pilzerkrankung, die den heimischen Flusskrebsen schwer zu schaffen macht. Daher sollte man bereits vor dem Kauf von Fischen die Teichgröße einplanen und auch die Vermehrung der Tiere mit in die Überlegungen einbeziehen. Unkontrollierte Vermehrung lässt sich am einfachsten durch das Entfernen des Laichs stoppen.

Koi Fische im Naturteich
Nippon Direct – Einheimische Arten können verdrängt werden.

Der schlimmste Fall tritt ein: KHV – Koiherpesvirus

KHV – das Koiherpesvirus ist nicht nur eine Katastrophe für den einzelnen Koibestand, sondern auch die einzige Erkrankung der Koi, die bei den anzeigepflichtigen Tierseuchen gelistet ist. Daher gilt in diesem Fall das Tierseuchengesetz, das die Bekämpfung der hier genannten Erkrankungen regelt.

Tierseuchengesetz § 9 (1) besagt:

„Bricht eine anzeigepflichtige Tierseuche aus oder zeigen sich Erscheinungen, die den Ausbruch einer solchen Tierseuche befürchten lassen, so hat der Besitzer der betroffenen Tiere unverzüglich der zuständigen Behörde oder dem beamteten Tierarzt Anzeige zu machen und die kranken und verdächtigen Tiere von Orten, an denen die Gefahr der Ansteckung fremder Tiere besteht, fernzuhalten.“

Dieser Paragraph ist völlig eindeutig formuliert und erlaubt keinen Spielraum! Über das weitere Prozedere entscheidet die zuständige Behörde.

Wenn nun ein kranker Koi ausgesetzt wird, muss auch damit gerechnet werden, dass dieser an KHV erkrankt ist. Flüsse und auch Seen sind oft keine einzeln dastehenden Gewässer ohne Verbindung, sondern oftmals eher ein Wassergeflecht. Kommt ein infizierter Koi Fisch in ein solches Gewässer sind die Ausbreitungswege oft nicht absehbar. Fischzuchten, die durch ein natürliches Gewässer gespeist werden, können dann von der Erkrankung ebenfalls betroffen sein. Für kleine Fischzuchten kann ein KHV-Ausbruch existenzbedrohend sein. Dies gilt natürlich auch für andere Erkrankungen.

Da immer mehr Teiche in Gärten zu finden sind, ist das Thema in letzter Zeit stärker in den Fokus gerückt. Daher wird auch die Überwachung strenger werden. Dieser Artikel soll nicht die Freude an einem sehr schönen Hobby verderben, sondern im Gegenteil ein paar Aspekte beleuchten um Ärger zu vermeiden und das Koi Hobby in Ruhe genießen zu können.

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Quelle: Koi Kurier Ausgabe 73 – Gesetze am Gartenteich | Text & Bilder: Dr. med. vet. Werner Hoedt, Dr. med. vet. Friederike Weinzierl, Tierärztin Maite Schneider;
Bildnachweis: Jan Canty | Lizensiert via Unsplash

Frosch
Nippon Direct – Vorschriften und gesetzliche Regelungen zum Thema Koiteich.
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