Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Blutbestandteile und Blutwerte der Koi – Teil 2

Chemische Blutbestandteile gesunder und kranker Koi

Wie in Teil 1 – Zelluläre Bestandteile gesunder und kranker Koi Fische gezeigt wurde, enthält das Blut der Koi ebenso wie das anderer Haustiere mehrere verschiedene Blutzellen. Daneben enthält es auch noch eine große Menge verschiedener chemischer und biochemischer Verbindungen. Auch diese Verbindungen können möglicherweise, wie in anderen Gebieten der Tiermedizin auch, Anhaltspunkte zur Erkennung von krankhaften Vorgängen im Inneren eines Koi geben. Bedauerlicherweise ist die Durchführung von Blutuntersuchungen bei Koi Fischen noch nicht die Regel.

Ergänzend zum ersten Teil des Artikels sollen in diesem zweiten Teil die nichtzellulären Blutbestandteile kurz vorgestellt und im Hinblick auf einen Einsatz für die Diagnostik beurteilt werden. Grundlage des Überblicks sind wieder Forschungsergebnisse vergangener Jahre, insbesondere von K. Böttcher, J. M. Groff und J. G. Zinkl sowie von P. Scheinert und R. Hoffmann.

Blut-Zentrifuge
Nippon Direct – Blut Zentrifuge

Nichtzelluläre Blutbestandteile

Über das Blut werden Nahrungsstoffe, Produkte des Stoffwechsels, Gase, Wasser, Ionen, Proteine, Fette und verschiedene Blutzellen durch den Körper befördert. Die einzelnen Bestandteile des Blutes können gemessen werden. Um die nichtzellulären Bestandteile von den zellulären zu trennen, muss das Blut zentrifugiert werden (Foto oben). Die Zentrifugation erfolgt 15 Minuten lang bei 3.000 Umdrehungen pro Minute. Da die im Blut schwimmenden Zellen schwerer sind als die in Flüssigkeit gelösten Moleküle, setzen sie sich unten ab (Foto S. 45). Der Überstand wird abpipettiert und kann in einem Analysegerät trocken- oder nasschemisch näher bestimmt werden.

Aufgaben bzw. Bedeutung der verschiedenen chemischen Stoffe im Blut

Glukose

Beim zentrifugierten Blut misst man genau genommen die Plasmaglukose. Die Glukose ist erheblichen Schwankungen unterworfen. Dabei spielen die Ernährung, die Jahreszeit, der Reproduktionsstatus und auch Stresseinwirkungen eine Rolle. Die Plasmaglukose reagiert bei Koi Fischen auf Verunreinigungen des Wassers, Sauerstoffarmut im Wasser, auf kurzfristige Temperaturveränderungen sowie Fangstress oder Parasitenbefall. Stress kann schon durch eine kurzfristige Temperaturerhöhung ausgelöst werden. Bei Vergiftungen mit dem Insektizid Lindan wurde ein drastischer Abfall des Blutzuckerspiegels beobachtet. Bei gefütterten Koi Karpfen ist die Plasmaglukose erwartungsgemäß deutlich höher als bei nüchternen. Bei Parasitenbefall kann der Blutzucker absinken. Da Koi zur Blutentnahme ruhiggestellt werden müssen, ergeben sich auch hieraus Einflüsse auf die gefundenen Werte. Bei Verwendung von MS-222 muss mit etwa 20 % niedrigeren gefundenen Glukosewerten im Vergleich zum tatsächlichen Wert gerechnet werden. Da die in der Literatur genannten Normwerte für die Glukose im Plasma stark variieren, ist hier eine große Unsicherheit bezüglich der Interpretation gegeben.

Fructosamin

Fructosamine sind Verbindungen zwischen körpereigenen Eiweißen und Zuckern oder zuckerartigen Substanzen. Über die Bedeutung der Fructosaminkonzentration im Serum und Plasma der Fische ist wenig bekannt. Bei Haussäugetieren können Rückschlüsse auf das Vorliegen einer dauerhaften Blutüberzuckerung getroffen werden. Referenzwerte für Koi Karpfen fehlen in der Literatur weitgehend, d.h. auf die Bestimmung der Fructosaminkonzentration wurde meist verzichtet.

Triglyceride

Triglyceride sind Speicherfette, d.h. sie stellen Energiereserven dar. Bei starker Nahrungsaufnahme steigen die Plasmatriglyceridspiegel und bei Nahrungsentzug fallen sie. Wegen der Nahrungsaufnahme ist der Plasmatriglycerid-Spiegel im Sommer auf seinem höchsten Wert. Nach dem Winter sind die Werte im Frühjahr niedrig.

Koi Blut vor dem Zentrifugieren
Nippon Direct – Koi Blut vor dem Zentrifugieren

Cholesterin

Auch die Cholesterinwerte schwanken in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme, dem Alter und dem Sexualzyklus stark. Diagnostisch können Rückschlüsse auf den Zustand der Leber getroffen werden, da die Leber im Cholesterin- und Triglyceridmetabolismus eine große Rolle spielt.

Gesamteiweiß

Die Plasmaproteine halten den kolloidosmotischen Druck aufrecht und wirken als Puffer. Die Gesamteiweißkonzentration ist die Summe aus der Albuminfraktion und der Globulinfraktion, die noch in alpha1-, alpha2-, beta- und gamma-Globuline unterteilt wird. Beim Koi werden hier relativ konstante Werte gefunden. Der Albumin-Globulin-Quotient kann zur Beurteilung des Gesundheitsstatus und des immunologischen Abwehrpotentials von Koi herangezogen werden. Ab einem Quotienten Albumin zu Globulin von unter 0,35 ist die Krankheitsabwehr des Koi beeinträchtigt. Krankhafte Zustände können sich bei Fischen auf die Eiweißkonzentration im Blut auswirken. Niedere Konzentrationen entstehen wenn Proteine verloren gehen oder die Aufnahme aufgrund Erkrankung (Darmschädigung) oder Futterverweigerung (gestörtes Allgemeinbefinden) nicht möglich ist.

Albuminfraktion

Die Veränderungen des Albumingehaltes im Plasma folgen denen des Gesamteiweißgehaltes: kleine Werte im Frühjahr und größere im Herbst.

Globuline

Die Konzentration der Globuline ergibt sich aus der Gesamtproteinkonzentration minus der Albuminkonzentration. Die Werte der Plasmaglobuline sind im Frühjahr niedriger und im Herbst höher. Ferner könnten die Plasmawerte für Natrium, Chlorid, Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphat, Harnsäure, Harnstoff, Ammonium, Creatinin u. a. bestimmt werden.

Ammoniak, Harnstoff und Harnsäure

Diese Stoffe sind bei den Tieren die drei wichtigsten Verbindungen der Stickstoffausscheidung, wobei die Koi Fische als Hauptendprodukt hauptsächlich Ammoniak und daneben nur etwas Harnstoff ausscheiden. Ammonium ist das Hauptausscheidungsprodukt der Fische. Es steigt besonders nach der Fütterung für einige Stunden stark an. Die Harnsäure wird beim Koi zum Hauptteil in der Leber, zum kleinen Teil in der Niere produziert. Sie wird in Harnstoff umgewandelt und zum Großteil über die Kiemen ausgeschieden. Obwohl der größte Teil des Harnstoffs (oft abgekürzt als: BUN = Blood Urea Nitrogen) in der Leber produziert wird, findet er sich aufgrund schneller Durchdringung der meisten inneren Membranen in allen Geweben des Fisches. Eine Erhöhung des Harnstoffs im Blut könnte auf eine Leber- oder Kiemenerkrankung hindeuten. Aussagen über die Funktion von Leber und/oder Kiemen wären so möglich, nicht jedoch über das Vorliegen einer Nierenerkrankung.

Nippon Direct - Koi Online Shop | Original Japan Kois

Enzyme

Hier stützt sich die Diagnostik auf Enzyme, die primär in bestimmten Geweben oder Zellen (z.B. Leber, Niere, Muskulatur, Gehirn etc.) lokalisiert sind und bei Schädigung dieser Zellen ins Blutplasma austreten und dann dort zeitweise zirkulieren. Rückschlüsse auf den Ausgangsort, den Zeitpunkt und des Ausmaßes der Schädigung werden dann versucht. Erstaunlicherweise weist die Enzymverteilung in den Organen des Koi Karpfens eine große Ähnlichkeit mit der der Säugetiere auf. In der Enzymdiagnostik kommt den intrazellulären Enzymen AP, AST, ALT, GLDH, LDH und CK eine besondere Bedeutung zu: Da die in den Zellen lokalisierten Enzyme bei gesunden Individuen im Blut in relativ konstanten und meist niedrigen Aktivitäten vorliegen, bedeutet der Nachweis einer erhöhten Enzymaktivität im Blut in jedem Fall eine Schädigung von Zellen. Aus der Höhe der Enzymaktivität und dem Enzymmuster ergeben sich Hinweise auf den Herkunftsort, sowie auf Ausdehnung und Schweregrad der Zellschädigung.

Bei gefütterten Koi ist die Plasmaglukose erwartungsgemäß deutlich höher als bei nüchternen

Scheinert und Hoffmann wiesen schon 1986 darauf hin, dass die Enzymdiagnostik für die Erkennung pathophysiologischer Abläufe auch bei Fischen eingesetzt werden kann. Einen Schwerpunkt sahen sie hierbei vor allem bei toxikologischen Fragestellungen und der Klärung der Pathogenese infektiöser Erkrankungen. Muster der Untersuchungen sind die in der Human- und Veterinärmedizin üblichen Enzyme zu denen Standardtests auf dem Markt angeboten werden. Die Frage, ob es bei Koi Fischen besser geeignete Enzyme gäbe, die man nutzen könnte, bleibt offen. Ein anderes Problem kann in der Analysetemperatur gesehen werden. Die Temperatur liegt bei 37 °C, was für Koi sicher nicht der wahren Körpertemperatur entspricht, bei der die Enzyme arbeiten. Deshalb sehen Groff und Zinkl (1999) hier nicht unbegründet eine große Fehlerquelle. Eine weitere Fehlerquelle kann sich daraus ergeben, dass um an eine Blutprobe zu gelangen, die Haut und die Muskulatur durchstochen werden muss, was einer Verletzung dieser Gewebe gleichkommt und die muskelständigen Enzyme in der Probe stark erhöhen kann.

Koi Blut nach dem Zentrifugieren
Nippon Direct – Koi Blut nach dem Zentrifugieren

Folgende Plasmaenzyme werden hier kurz vorgestellt

Alkalische Phosphatase (AP)

Phosphatasen sind Enzyme, die Phosphorester hydrolytisch spalten und anorganisches Phospat bilden. Beim Koi Karpfen sind die höchsten Aktivitäten in der Niere zu finden, weshalb die AP als nierenspezifisch gelten kann. Im Frühjahr ist die Plasmaaktivität dieses Enzyms deutlich geringer als zu anderen Jahreszeiten. Es ist aber scheinbar nicht temperatur- oder fütterungsabhängig.

Aspartat-Aminotransferase (AST, ASAT, früher GOT)

Die AST ist je nach vorliegender Form leber-/nieren oder muskel-/herzspezifisch. Die AST Aktivität ist beim Koi Karpfen im Herzen am höchsten, gefolgt von der Leber, Niere, Kiemen und Gehirn. Bei der Plasmaaktivität der AST konnten von Böttcher (1998) keine saisonalen Veränderungen ausgemacht werden. Allerdings wurden mit zunehmendem Alter der Testkarpfen geringere AST Aktivitäten gemessen. Temperatur- oder fütterungsbedingte Unterschiede in der Enzymaktivität konnten nicht festgestellt werden.

Alanin-Aminotransferase (ALT, ALAT, früher GPT)

Die ALT kann als leberspezifisch angesehen werden, da sie dort in sehr hoher Aktivität vorkommt. Wenn Leberzellen zugrunde gehen, können akut hohe Aktivitäten im Plasma gemessen werden. Mittlere Aktivitäten sind in der Niere und im Darm gefunden worden. Die Aktivität der ALT ist im Frühjahr auf einem niedrigen Niveau, im Sommer auf einem hohen. Mit zunehmendem Alter der Koi ist er eher niedriger.

Glutamat-Dehydrogenase (GLDH)

Die GLDH-Aktivität ist in der Leber am höchsten. Bei der GLDH kann von einer hohen Saisonalität ausgegangen werden. Im Frühjahr ist die Zeit der geringsten Aktivität.

Lactat-Dehydrogenase (LDH)

Bei der LDH wurde von Böttcher (1998) bei Koi Karpfen eine altersabhängige Aktivitätsabnahme festgestellt: Bei den älteren Koi Karpfen also weniger Aktivität dieses Enzyms. Die Aktivität der LDH ist weder fütterungs- noch temperaturabhängig. Allerdings kann es zu hoher LDH-Aktivität kommen, wenn bei der Blutentnahme größere Gewebeschäden gesetzt werden, weil mehrere Einstichversuche nötig waren.

Creatin-Kinase (CK)

Die CK weist bei Koi Karpfen die höchste Aktivität in der Muskulatur auf. Mittlere Aktivität ist im Herzen und im Gehirn zu verzeichnen. CK-Aktivitäten bewegen sich bei Karpfen in einem weiten Bereich. Stößt man bei der Blutentnahme auf Schwierigkeiten, so kann der CK-Wert nach oben verfälscht werden.

Koi Karpfen
Nippon Direct – Koi Karpfen

Erstaunlicherweise weist die Enzymverteilung in den Organen des Koi Karpfens eine große Ähnlichkeit mit der der Säugetiere auf.

Zusammenfassung: Blutbestandteile und Blutwerte der Koi – Teil 2

Um bei Koi Anhaltspunkte für eine Erkrankung zu erhalten, kann zur Untersuchung Blut entnommen werden. Im Blut der Koi sind neben Blutzellen die verschiedensten Substrate und Enzyme enthalten. Auch wenn es wie beim Menschen und bei den Haussäugetieren individuelle Schwankungen gibt, können bei den meisten Bestandteilen gewisse Normwerte angegeben werden, innerhalb derer sich der Gehalt im Blut „normalerweise“ bewegt. Abweichungen davon müssen im Zusammenhang mit anderen Daten interpretiert werden.

Bei den Plasmasubstraten könnten die Werte: Gesamteiweiß, Albumin, Globuline, Glucose und Harnstoff wichtige Informationen liefern. Die Enzymdiagnostik kann zur Erkennung pathophysiologischer Abläufe im Innern des Koi, vor allem von Vergiftungen, genutzt werden. Es können sich Anhaltspunkte dafür ergeben, welche inneren Organe betroffen sind.

Schon ältere Untersuchungen zeigten, dass sich für Lebererkrankungen, z.B. nach Vergiftungen, die Enzyme AST, ALT und GLDH zur enzymatischen Diagnostik eignen würden. Die Enzyme AP und GLDH können in der Nierendiagnostik eine Rolle spielen.

Zur Diagnose von Muskelerkrankungen stünden prinzipiell die Enzyme LDH und CK zur Verfügung, die allerdings aufgrund der hohen natürlichen Schwankungsbreite zur Diagnostik bei Koi nicht geeignet sind. Beim Ankauf wertvoller Koi, die verdächtig sind weil sie am Boden liegen und/oder nicht ans Futter gehen, sonst aber augenscheinlich gesund sind, kann eine Blutuntersuchung helfen, das Risiko beim Koi Kauf zu vermindern oder zumindest eine Orientierung für weiterführende Untersuchungen geben.

Blutwerte gesunder Koi („normaler“ Bereich)

Blutwerte gesunder Koi („normaler“ Bereich)
Nippon Direct – Blutwerte gesunder Koi („normaler“ Bereich)

Eine faszinierende Auswahl an Original Japankois finden Sie in unserem Koi Online Shop.

Nippon Direct - Koi Shop | Original Koi aus Japan

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 52 – Blutbestandteile und Blutwerte der Koi – Teil 2 | Text & Bilder: Dr. Werner Hoedt unter Mitarbeit von cand. med. vet. Maite Schneider

Weiterführende Literatur:

Amlacher, E. (1992): Taschenbuch der Fischkrankheiten, Grundlagen der Fischpathologie
Böttcher, K. (1998): Untersuchungen zu klinisch-chemischen Parametern im Blutplasma von Karpfen (Cyprinus carpio), Inaugural-Dissertation Hannover 1998
Groff, J.M. und Zinkel, J.G. (1999): Hematology and Clinical Chemistry of Cyprinid Fish. Common Carp and Goldfish, in: Veterinary Clinics of North America: Exotic Animal Practice Philadelphia
Scheinert, P. und Hoffmann, R. (1987): Qualitative und quantitative Verteilung von sieben Enzymen in Organen der Regenbogenforelle (Salmo gairdneri R.) und des Karpfens (Cyprinus carpio), in: Journal Vet. Med. A, 34, S. 339 – 343, Paul Parey Scientific Publishers

Bildnachweis: Jason Leung | Lizensiert via Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.