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Koi – Der Verdauungstrakt

Koi Fische
Nippon Direct – Koi – Der Verdauungstrakt

Die Verdauung bringt die aufgenommene Nahrung in eine Form, in der sie für den Körper nutzbar wird.

Dazu wird das Futter im Schlund mit Hilfe der Schlundzähne mechanisch zerkleinert und im Darm durch Enzyme in einzelne Bestandteile zerlegt.

Diese werden dann über die Zellen der Darmwand aufgenommen und in das Blut weiter geleitet. In der Leber erfolgt die Umwandlung in Produkte, die für die Körperorgane verwertbar sind oder gespeichert werden können.

Der Verdauungstrakt wird eingeteilt in den Vorderdarm (Maul, Schlund, Speiseröhre), den Mitteldarm und den Enddarm.

Koi Karpfen
Nippon Direct – Koi Karpfen

Geruchs- und Geschmacksorgane des Koi

Zum Auffinden der Nahrung benötigt der Koi seinen Geruchs – bzw. Geschmackssinn. Dieser ist beim Koi sehr gut ausgeprägt. Allgemein ist zu sagen, dass dieser beim Pflanzen fressenden Fisch stärker entwickelt ist als beim (rein) Fleisch fressenden. Koi besitzen charakteristischerweise vier Barteln, welche als Geschmacks- und Tastorgane dienen. Futter kann mit diesen ebenso wie über die Riechfalten der Nase (vier Nasenöffnungen, zwei auf jeder Seite, die miteinander verbunden sind) wahrgenommen werden und wird über die Barteln ertastet. Dieses Sinnesorgan wird auch für die Erkennung von Artgenossen verwendet. Über den gesamten Körper verteilt, hauptsächlich im Bereich der Seitenlinie und der Flossen befinden sich Geschmacksknospen.

Koi Maul und Lippen
Nippon Direct – Koi Maul & Lippen

Maul des Koi

Die Maulhöhle wird von Lippen begrenzt, welche beim Koi vorstülpbar sind. Bei der Futteraufnahme vergrößert sich die Maul- und Kiemenhöhle und das Futter wird durch den entstehenden Sog nach innen gesaugt (Saugmaul). Das Maul ist beim Koi wie bei allen Karpfenartigen unterständig und somit ideal an die natürliche Nahrungsaufnahme vom Grund des Gewässers angepasst, daher auch der Begriff „Gründeln“. Die Maulhöhle stellt den Beginn des Vorderdarmes dar, mit dem das Futter nicht nur in den Körper aufgenommen wird, sondern auch über Schleim produzierende Drüsenzellen gleitfähiger gemacht wird. Das aufgenommene Futter wird außerdem über die im Maul befindlichen Chemorezeptoren, den Geschmacksknospen, für genießbar oder ungenießbar befunden. Im Gegensatz zum Säugetier besitzen Fische aber keine Speicheldrüsen, was zur Konsequenz hat, dass in diesem Bereich auch noch keine enzymatische Aufschlüsselung stattfindet.

Zähne des Koi

Koi haben keine Zähne in der Maulhöhle, dafür so genannte Schlundzähne, von denen sich jeweils fünf auf jeder Seite befinden. Diese sitzen, wie der Name schon andeutet im Schlundboden und dienen der Zerkleinerung der Nahrung. Sie haben als Gegenlager eine verhornte Kauplatte (sog. Karpfenstein). Die Schlundzähne werden ungefähr einmal im Jahr gewechselt. In dieser Zeit fressen die Tiere manchmal schlecht oder spucken die aufgenommene Nahrung wieder aus.

Beim Koi werden die Schlundzähne ungefähr einmal im Jahr gewechselt.

Koi Kiefer Schlundzähne
Nippon Direct – Koi Kiefer & Schlundzähne

Darm des Koi

Zum Vorderdarm gehört auf die Maulhöhle und den Schlund folgend die Speiseröhre (Ösophagus), die ebenfalls Schleimzellen besitzt und die zerkleinerten Futterbestandteile an den „Magen“ weiterleitet. Dieser ist funktionell und morphologisch nicht einfach mit dem Magen anderer Fischarten oder Säugetieren vergleichbar, sondern beim Koi die so genannte magenähnliche Erweiterung des Mitteldarmes. Bei vielen anderen Tierarten und Menschen werden im Magen Salzsäure und Pepsin sezerniert, welche für einen stark sauren pH-Wert sorgen und die Struktur der Proteine so verändern, dass diese aufgeschlüsselt werden können. Cypriniden (Karpfenartige) besitzen keine Zellen die Salzsäure abgeben und bilden auch kein Pepsin, daher bleibt der pH-Wert alkalisch und die eigentliche Verdauung findet im Darm statt.

Der Darm hat bei Brütlingen etwa die einfache, bei erwachsenen Koi die dreifache Länge des Körpers.

Nach der Speiseröhre beginnt der Mitteldarm. Dieser ist bei Raubfischen relativ kurz, bei den Karpfenartigen also auch beim Koi, die Allesfresser mit einem pflanzlichen Schwerpunkt sind, deutlich länger, da diese Verdauung wesentlich aufwendiger ist. Der Darm hat bei Brütlingen etwa die einfache, bei erwachsenen Koi die dreifache Länge des Körpers. Aufgrund der Gesamtlänge des Darmes ist dieser in Schleifen im Fischkörper angeordnet. Der Weitertransport des Futterbreis erfolgt durch die glatte Muskulatur des Darmes, welche sich kontrahiert und so den Inhalt weiter schiebt, mechanisch zerkleinert und durchmischt.

Der Mitteldarm geht in den Enddarm über. Er ist ein sehr kurzer Anteil, der sich durch ein weiteres Lumen und das Fehlen von Drüsen vom Mitteldarm unterscheidet. Er mündet vor der Harn- und Geschlechtsöffnung in den After, welcher unmittelbar vor der Afterflosse liegt.

Leber und Pankreas sind Anhangsdrüsen des Darms, ohne die von ihnen gebildeten Stoffe wäre die Verdauung nicht möglich. Die Gallenblase dient zur Speicherung der in der Leber gebildeten Gallenflüssigkeit und stellt die Verbindung der Leber zum Darm dar.

Koi Darm
Nippon Direct – Koi Darm

Leber und Gallenblase des Koi

Die Leber ist ein ganz zentrales Stoffwechselorgan und liegt zwischen den Darmschlingen eingelagert. Das Blut mit den aus dem Darm aufgenommenen Substanzen fließt über das Pfortadersystem in die Leber. Eine ganz entscheidende Aufgabe des Organs ist die Speicherfunktion für Proteine, Fette, Kohlenhydrate (in Form von Glykogen) und Vitamine. Diese gespeicherten Substanzen können in Hungerphasen und der Winterruhe mobilisiert werden und ermöglichen dem Fisch so das Überleben. Das bedeutet aber nicht, dass Fische unbegrenzt gefüttert werden sollten. Werden die Koi Fische zu fett, so verfettet auch die Leber, wodurch sie in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt wird. Dies kann bis zum Funktionsverlust und somit zum Tod der Tiere führen.

Werden die Koi zu fett, so verfettet auch die Leber, wodurch sie in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt wird.

In der Leber werden außerdem fast alle Faktoren für die Blutgerinnung und die Gallensäuren, welche für die Fettverdauung notwendig sind, gebildet, sowie Blutfarbstoffe zu so genanntem Bilirubin abgebaut. Die Gallenflüssigkeit wird in der Gallenblase gespeichert und wenn der Koi Futter aufgenommen hat über einen Ausführungsgang in den Darm abgegeben. Die Galle bringt die Fettanteile erst in eine Form (so genannte Mizellen), in der sie für die Lipase, ein im Pankreas und der Darmwand gebildetes, fettspaltendes Enzym besser angreifbar sind. In zerlegter Form sind sie dann über die Darmwand aufnehmbar und können in die Blutbahn weitergeleitet werden.

Koi Leber Gallenblase
Nippon Direct – Koi Leber & Gallenblase

Pankreas (Bauchspeicheldrüse) des Koi

Das Pankreas liegt in der Leber, daher wird diese anatomische Einheit auch als Hepatopankreas bezeichnet. Das Pankreas ist einerseits für die Regulation von Stoffwechselvorgängen über die Ausschüttung von Hormonen (Insulin und Glukagon) zuständig. Eine der Hauptaufgaben ist die Regulierung des Blutzuckerspiegels. Andererseits hat es auch eine wichtige Funktion bei der Verdauung, da hier Enzyme (Trypsin, Chymotrypsin, sowie Lipase und Amylase) gebildet werden, welche über einen Ausführungsgang direkt nach der Speiseröhre in den Darm abgegeben werden und die Aufspaltung von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten ermöglichen. In dieser zerkleinerten Form sind die Nahrungsbestandteile resorbierbar (d.h. aus den Darm aufnehmbar) und für den Körper zu verwerten. Die Verdaulichkeit von Rohprotein liegt beim Karpfen trotz des Fehlens eines Magens bei 78 bis 98 %. Dagegen kann er Kohlenhydrate eher schlechter verdauen.

Die Zeit, die vergeht zwischen der Futteraufnahme und der Ausscheidung von unverdaulichen Substanzen ist temperaturabhängig. Bei 25 °C liegt diese bei 16 Stunden, bei 12 °C bei 60 Stunden. Auch die Aktivität der Verdauungsenzyme ist temperaturabhängig. Deshalb variiert die Verwertbarkeit der aufgenommenen Nahrung je nach Temperatur. Draußen in natürlichen Seen und Flüssen sucht und findet der Karpfen das zur jeweiligen Jahreszeit und Temperatur passende Futter von selbst. Im künstlichen Koiteich ist er ganz von Art, Beschaffenheit und Menge des vom Menschen angebotenen Futters abhängig. Der Koihalter ist hier gefordert, genau zu überlegen was er füttert. Das Futter sollte zur Jahreszeit bzw. der Wassertemperatur passen. Hier gibt es im Handel heute eine große Auswahl (Packungsaufdrucke beachten). Da in natürlichen Gewässern tendenziell eher ein gewisser Nahrungsmangel herrscht, sollte man seinen Pfleglingen auch im Koiteich nicht Futter im Überfluss zukommen lassen.

Weniger ist meist mehr.

 

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Quelle: Koi Kurier Ausgabe 57 – Koi – Der Verdauungstrakt | Text & Bilder: Dr. med. vet. Werner Hoedt, Dr. med. vet. Friederike Weinzierl, Maite Schneider;

Bildnachweis: Julian Paderes | Lizensiert via Unsplash

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