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Sakai Koi Farm

In den letzten 28 Jahren hatte ich das Glück, einen grossen Teil meines Lebens und meiner Arbeitszeit mit den Koi Züchtern hier in Niigata verbringen zu dürfen. Während dieser Zeit hörte ich viel über die Geschichte und das Heranwachsen der Koi-Branche und hatte auch den Vorteil, ein Teil dieser Entwicklung sein zu dürfen. In den folgenden Artikeln werde ich einige Geschichten über diverse Koi-Familien und ihre Farmen erzählen und die nächste Generation vorstellen, die die Herrschaft und Entwicklung der Koi-Industrie in Ojiya, Niigata, übernehmen wird.

Gemäss den Aussagen vieler Menschen über Jahre hinweg scheint es in den frühen Jahrzehnten von Nishikigoi zwei Arten von Koi-Betrieben gegeben zu haben, einmal Reisbauern, die neben ihrem Reisanbau Koi züchteten und zum anderen in den Bergen lebende Reisbauern, die Koi von diesen Farmern kauften und sie an die Bergbewohner in ihren Dörfern verkauften.

Die Sakai Koi Farm

Ich erinnere mich an einen sehr freundlichen Burschen, der glücklich war, mir seine Koi zeigen zu dürfen und mich in sein Haus einlud.

Koi Sanke 80+

Wenn Sie die Namen Yamamatsu Yorijo, Matsunosuke oder Sakai San in der Ortschaft Mushigame hören, ist eines sicher: Sie befinden sich in Gesellschaft einer der weltberühmten Familien von Nishikigoi. Bei meinem ersten Besuch im Jahr 1982 mit dem Ziel, Koi zu kaufen, brachte man mich zu Sakai San. Ich erinnere mich an einen sehr freundlichen Burschen, der glücklich war, mir seine Koi Fische zeigen zu dürfen und mich in sein Haus einlud. Mir ist klar, dass dieses erste Treffen zu der engen Freundschaft führte, die wir bis heute pflegen.

Toshiyuki Sakai ist Jahrgang 1944, heute 66 Jahre alt und der Gründer der Yamamatsu Koi Farm, gelegen in und um die Landstriche Mushigame und Yamakoshi in den Bergen über Ojiya. Er vertritt die sechste Generation seiner Familie, die dort seit etwa 400 Jahren lebt.

Toshiyuki Sakai war mit der zweiten Betriebsart aufgewachsen. Sein Vater Tomisaku Sakai startete damit vor der Geburt von Toshiyuki vor dem Zweiten Weltkrieg. Dessen Vater, auch ein Reisbauer, erwarb Koi Karpfen bei den lokalen Koizüchtern in den Bergen von Yamakoshi und brachte sie in sein Heim, wo er einen Teich unterhalb seines Hauses angelegt hatte. Der Teich enthielt ursprünglich Magoi (gewöhnliche Karpfen). Er hielt diese Fische als Lebensmittelvorrat für die langen und kalten Wintermonate. In diesen Tagen gab es noch keine richtigen Strassen. Wenn der erste Schnee fiel, war man viele Monate bis zum Beginn des Frühlings von der Welt abgeschnitten und die Fische waren eine wichtige Ernährungsgrundlage.

Sakai mit einem JKX-Kundenkoi.

Mit den Kois aufgewachsen

Sein Vater nutzte diesen Teich auch für die Haltung von Koi. Überwiegend hielt er 2jährige Koi, bis er genug für den Verkauf hatte. Der Name seines Familienhauses lautete Matsunosuke. So war Toshiyuki seit seiner Geburt mit Koi aufgewachsen. Einige seiner frühesten Erinnerungen hat er an das Alter von 9 Jahren, als er und sein Bruder Toshio erstmalig beim Transport der Koi von seinem Elternhaus in die tiefer gelegenen Ebenen von Ojiya geholfen hatten.

Dies geschah mit Hilfe von 2 hölzernen Eimern an einer Stange, die sie auf ihren Schultern trugen und die jeweils 35 Kilo Fische und Wasser enthielten; oder aber einer langen Stange mit 3 Eimern, die von 2 Trägern gehalten wurde. In jedem Fall begann der Arbeitstag am frühen Morgen und endete mittags in den tiefer gelegenen Ebenen. Für eine solche Strecke, die man heute in 5 Minuten mit dem Auto zurücklegt, benötigte man in jenen Tagen zu Fuss etwa 5 Stunden. Der Verdienst, den man damals mit diesen Koi erzielen konnte, war abhängig von deren Qualität, richtete sich aber nach dem Gewicht. Es dauerte einige Zeit, bis wir herausgefunden hatten, dass in jenen Tagen verschiedene Geld- und Gewichtsysteme gebräuchlich waren. Für 3,8 kg Standard-Koi erhielt man 3.000 Yen, für bessere Qualitäten 5.000 Yen. Ein Verkaufsziel in Ojiya war die Miyaishi Koi Farm. Toshiyuki glaubt, dass sein Vater und Miyaishi die Vereinbarung getroffen hatten, dass die Standard-Koi in den örtlichen Verkauf gehen sollten und bessere Qualitäten für den Verkauf zu höheren Preisen in ganz Japan zurückgehalten wurden.

Einer von Sakais Koi Mudponds.

Einstieg in das Koi Geschäft

Als der die Highschool im Alter von 15 Jahren beendete, entschloss er sich, ins Koigeschäft einzusteigen.

Während seiner Schulzeit war Toshiyuki mit diesen Tätigkeiten beschäftigt. Als der die Highschool im Alter von 15 Jahren beendete, entschloss er sich, ins Koigeschäft einzusteigen. Sein Vater hatte aber andere Vorstellungen und wünschte, dass er den Reisverkauf weiterführen sollte. Es kostete viel Überzeugungskraft, dem Vater zu verdeutlichen, dass Koi seine Sache waren. Endlich stimmte dieser zu und erlaubte ihm, „von Hand“ mit dem Spaten zwölf Teiche auszubuddeln, die früher einmal Reisfelder waren. Er erledigte dies alles allein und startete mit dem Koigeschäft etwa im Jahr 1959. Von dem Erlös aus dem Koiverkauf an die Bewohner von Ojiya kaufte er seine ersten Elternfische, Yamabuki, Goromo, Doitsu Sanke und Gin Showa, von Koi Züchtern aus der Region.

Sakai Koi Farm

Der erste Koi bei der All Japan Koi Show

So begannen seine Lehrjahre in der Koizucht. Er suchte die Unterweisung bei anderen Koi Züchtern aus der Region. Es dauerte aber weitere 5 Jahre, bis man begann, über seine Koi zu reden, ihnen Beachtung schenkte und sie auch kaufte. Damals besass er keine Fischhäuser; er hielt im Winter einige seiner Koi in dem Teich, den sein Vater unter seinem Haus angelegt hatte. Die anderen mussten in weiteren Teichen den brutal harten Winter mit heftigen Schneefällen überleben. Einige Teiche, die er angelegt hatte, konnten wie eine Kiste abgedeckt werden, so dass die Koi dem eisigen Winter standhalten konnten. All dies wurde über Jahre mit Irrungen und Wirrungen erlernt, bis Toshiyuki dann im Jahr 1961 seine Koi bei der ersten All Japan Koi Show vorstellte und verkaufte.

Vater und Sohn – ein eingespieltes Team.

Koi Zucht und Verkauf

Der erste Fremde, der zusammen mit einem japanischen Koi Händler im Jahr 1970 seine Koi Farm besuchte, kam aus Taiwan.

1965 begann er mit der Zucht von Sanke. Zuerst sagte man, seine Sanke wären zu klein, was ihn veranlasste, seine Sanke Blutlinie zu verbessern. Etwa 1967 hatte er sein erstes Koihaus errichtet und sein Geschäft weiter ausgebaut. In diesen Tagen waren alle seine Kunden Japaner. Der erste Fremde, der zusammen mit einem japanischen Koi Händler im Jahr 1970 seine Sakai Koi Farm besuchte, kam aus Taiwan.

Koi Meisterklasse!

Die Matsunosuke Sanshoku Koi Blutlinie

Bis 1974 hatte er durch Kreuzung verschiedener Elternfische die Matsunosuke Sanshoku Blutlinie entwickelt.

Sein Bruder Toshio Sakai hatte in Isawa seinen eigenen Koi-Betrieb gegründet, das heute renommierte „Isawa Nishikigoi Center“. Auch er züchtete Sanke. Toshiyuki stellte fest, dass die Koi seines Bruders aufgrund des wärmeren Klimas in Isawa grösser wurden. Dies brachte ihn auf die Idee, seine Koi im Frühling und Sommer in Mushigame aufwachsen zu lassen und sie dann in den Wintermonaten zur Farm seines Bruders zu bringen. Bis 1974 hatte er durch Kreuzung verschiedener Elternfische die Matsunosuke Sanshoku Blutlinie entwickelt; in dieser Zeit startete das Phänomen Matsunosanke. Sein Augenmerk war auf die Entwicklung großer Koi gerichtet und er meint, die besten Jahre seines Geschäftes waren die von 1965 bis 1980, als Angebot und Nachfrage expandierten.

Wie man sieht, die Arbeit macht immer noch Spaß.

All Japan Koi Show

Die harte Arbeit und Hingabe hatten sich ausgezahlt. Bis heute haben ihre Fische bei der All Japan Koi Show 4x (mit 3 Sanke und einem Kohaku) den Grand Champion Titel errungen – sowie zahllose weitere Preise über Jahre hinweg. Jedoch haben sie niemals die zweitgrösste Show, die Nogiyousai Show in Ojiya, gewonnen. Toshiyuki hat aber mit einem frechen Grinsen zugegeben, dass sie bei dieser Show nicht ihre besten Koi vorgestellt hatten. Jetzt im Jahr 2010 besitzt die Sakai Koi Farm etwa 100 Mudponds, 10 Fischhäuser und produzieren jedes Jahr millionenfach Fischbrut, wovon schlussendlich etwa 10.000 Tosai durch den Winter gebracht werden. Obwohl er noch immer der Chef ist, überläßt Toshiyuki die Geschäfte mehr und mehr seinem Sohn.

Toshiaki Sakai ist 39 Jahre alt, wie sein Vater mit dem Koigeschäft aufgewachsen und wollte schon immer in die Fussstapfen seines Vaters treten. Nach der Highschool im Alter von 18 Jahren startete er mit dem Full Time Job im Koigeschäft. Er steht voll hinter der harten Arbeit und Aufopferung, die der hohe Standard, den sein Vater entwickelt hat, erfordert. Er weiss, dass sein Vater das Geschäft aus dem Nichts aufgebaut hat, und obwohl er dieses Gefühl nicht kennt, versteht er, dass er die Qualität der Koi mit dem Ziel weiterer Champions verbessern muss.

Kato betrachtet seine Koi.

Export der Koi Fische

Heute exportiert die Firma 70 % der Fische, während 30 % in Japan verkauft werden.

66 Jahre jung – Toshiyuki Sakai

Es hat den zukünftigen Geschäftsverlauf fest im Blick; 6 Mitarbeiter (einschl. Toshiaki und seinem Vater) arbeiten heute in der Firma der Sakai Koi Farm. Der Bau weiterer Mudponds oder Fischhäuser ist nicht geplant, da der Betrieb bereits am Limit arbeitet. Wichtiger ist die Verbesserung der Qualität seiner Koi Karpfen. Er ist offen für neue Elternfische, die die Blutlinie auffrischen, aber sehr vorsichtig bei KHV und ergreift jede Vorsichtsmassnahme, um diese Erkrankung auszuschliessen. Nach dem Erdbeben im Jahr 2004 war auch er von der Krankheit betroffen, kehrte aber so schnell wie möglich ins Geschäft zurück. Heute exportiert die Firma 70 % der Fische, während 30 % in Japan verkauft werden, und er möchte Verkauf auf beiden Ebenen weiter intensivieren.

Obwohl Toshiaki mit vielen anderen Züchtern in der Gegend befreundet ist, sind diese selbstverständlich Konkurrenten, und schlussendlich konzentriert er sich voll auf sein Geschäft. Koi Züchter aus dem japanischen Süden betrachtet er reserviert, da er meint, dass Niigata Koi besser sind, da sie Jahr für Jahr weiter vervollkommnet werden. Dies ist seiner Meinung nach bei Koi aus dem Süden nicht der Fall. Heute ist er verheiratet, Vater eines Sohnes und zweier Töchter und hofft, in seinem Sohn einen Nachfolger für sein Geschäft zu haben. Er will ihn aber nicht drängen, „er muss es lieben“, so sein Grundsatz.

Den ganzen Tag hatte er bei der Ernte am Mudpond von Mr. Kato, einem der Top-Koi-Hobbyisten aus Japan, verbracht. Beide, Vater und Sohn, waren zusammen mit anderen Züchtern mit der Koi Ernte beschäftigt. Es war grandios, zu beobachten, wie beide zusammen arbeiteten, dies auch genossen, und ihre enge Beziehung zu betrachten.

Als wir dann am späten Abend zusammensassen, fragte ich Toshiyuki, ob er jemals daran geglaubt habe, dass sich das Hobby „Koi“ in dieser Art entwickeln würde. „Nein, ich bin erstaunt, aber glücklich über den Fortschritt, den Koi in der ganzen Welt erreicht haben. Dies hat es mir ermöglicht, verschiedene Länder zu bereisen und viele Menschen kennenzulernen“. Obwohl sie in der Koi-Welt eine der renommiertesten und hoch respektierten Familien sind, ist ihre Bescheidenheit beachtenswert. Sie verbringen jeden Tag auf gutem Weg mit dem Ziel, das Koi Geschäft vorwärts zu bringen.

Der perfekte Koi

Er weiss aber, dass der „perfekte“ Koi utopisch ist – einfach ein Traum.

Ein gutes Team arbeitet eng zusammen.

Heute, mit 66 Jahren, glaubt Toshiyuki, dass er sich auch einmal entspannen kann, da sein Sohn die Arbeit im Geschäft übernommen hat. Er möchte Koi produzieren und halten; sein Traum ist ein selbst gebauter, 1 Meter großer Teich, in dem 6 wunderschöne, perfekte Kois schwimmen. Er weiss aber, dass der „perfekte“ Koi utopisch ist – einfach ein Traum. Toshiaki sagt, dass er liebend gern den Traum seines Vaters erfüllen und auch nur einen dieser vollkommenen Koi für ihn aufziehen möchte.

Toshiyuki ist sehr stolz auf seinen Sohn, sagt aber, dass es für den Sohn so viel einfacher als für ihn selbst bei seinem Start geworden ist. Heute sind alle Fischhäuser sowie alles Wissenswerte über den Einsatz richtiger Elternfische, Umgang mit Koi und Kunden bereits vorhanden – trotzdem er hat noch immer viel zu lernen. Er zwinkert mir zu und ich sehe, dass Toshiaki damit nicht einverstanden ist und diskutieren möchte – ein grossartiger Abschied. Eines ist sicher, bei der Familie Sakai trifft man nicht nur sehr freundliche Menschen, sondern auch auf die absolute Koi-Dynastie der Zukunft.

In unseren Koi Online Shop finden Sie eine Vielzahl an verschiedenen Kois aus Japan.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 66 – Sakai Koi Farm – Die nächste Generation | Text & Bilder Martin Symonds

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