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Sinnesleistungen der Koi

Roter Koi Karpfen
Nippon Direct – Sinnesleistungen der Koi

Jeder von uns kennt sicherlich Beispiele über die „Supersinne“ der Tiere.

Aus wie vielen Kilometern Höhe kann ein Raubvogel eine Maus wahrnehmen? Wie kann eine Meeres schildkröte nach vielen Jahren wieder an ihren Geburtsstrand zurückfinden, um dort ihre Eier abzulegen? Wie erzeugt ein Nilhecht ein elektro magnetisches Feld, um Beute zu fangen?

Koi Supersinne oder begabte Allrounder?

Das sind alles beeindruckende Leistungen. Aber was ist eigentlich mit unseren Koi? Haben sie auch „Supersinne“ oder sind sie eher durchschnittlich begabte „Allrounder“ wie wir?

Sinnesorgane

Ein Sinnesorgan nimmt chemische und physikalische Reize aus der Umwelt auf. Dies geschieht über mehr oder weniger differenzierte Zellen oder Zellverbände. Die Reize werden in elektrische Signale umgewandelt und über die Nervenbahnen weitergeleitet, um dann im Gehirn in extra dafür zuständige Areale in eine Wahrnehmung umgewandelt zu werden. Der Schmerzsinn ist insofern etwas Besonderes als er auch Informationen aus dem Körper selbst und nicht nur aus der Außenwelt vermittelt.

Koi Seitenlinienorgan
Nippon Direct – Seitenlinienorgan des Koi

Seitenlinienorgan des Koi

Das Seitenlinienorgan, oder auch Ferntastsinn genannt, dient den Koi Karpfen zur Orientierung in dunklem oder trüben Wasser. Dort ist die Sehkraft nicht mehr ausreichend. Mit diesem Organ können die Koi Fische Hindernisse aller Art wahrnehmen, Futter orten, oder sogar anhand des Flossenschlages Fried- von Raubfischen unterscheiden; auch Erschütterungen werden mit diesem Organ wahrgenommen.

Äußerlich sichtbar sind kleine Poren, die in etwa auf der Länge der Wirbelsäule die Flanken des Fisches in einer Linie überziehen. Auch im Kopf bereich finden sich unter den Augen und im Bereich des Maules weitere Gruben. In der Tiefe sind diese Öffnungen durch Kanäle, die so genannten Lorenzini-Ampullen miteinander verbunden. Diese Kanäle sind mit einer gallertigen Flüssigkeit gefüllt. In das Lumen der Kanäle hinein reichen Nervenenden; die so genannten Neuromasten kleiden ihn aus, welche den Zellen im Innenohr gleichen. Dabei handelt es sich um Zellen, die eine oder mehrere Zilien (haarartige Zellanhänge) besitzen. Diese Zilien sind von Nervenzellen überzogen, welche die Signale aufnehmen und weiterleiten können. Kommt es nun aufgrund eines Hindernisses oder eines anderen Fisches zu einer minimalen Änderung des Wasserdruckes, so wird die Gallertsäule in Schwingung versetzt und damit auch die Zilien der Neuromasten. Dieser Reiz kann nun über die Nervenzellen aufgenommen und weitergegeben werden.

Die Gallertmasse verhindert ein Eindringen von Wasser durch die Öffnungen in die Lorenzini-Ampullen, was eine falsche Wahrnehmung von Strömungsrichtungen erzeugen würde, die im Gewässer gar nicht vorhanden sind. Durch die komplette Füllung der Kanäle mit gallertiger Flüssigkeit können selbst kleinste Druckänderungen und winzigste Änderungen der Strömung wahrgenommen werden, zum Beispiel durch einen anderen Fisch oder die Bewegung von Wasserpflanzen.

Auch Kälte und andere chemische oder elektrische Reize werden verarbeitet. Die so aufgenommenen Reize werden über Nervenbahnen an das Nachhirn weitergeleitet, dort entspringen auch die meisten anderen Hirnnerven.

Bei einigen Fischen (z. B. beim Hering) fehlt die Seitenlinie, aber auch diese haben meist im Kopfbereich entsprechende Wahrnehmungs möglichkeiten. Andere Fische haben das Organ zu einem Naviga tions gerät umfunktioniert, welches geomagnetische Wellen aufnehmen kann, wodurch sich die Tiere bei langen Wanderungen am magnetischen Erdfeld orientieren können. Interessanterweise besitzen auch die Larven von Amphibien ein Seitenlinienorgan, was dann aber bei den erwachsenen Tieren verloren geht. Hier kann man von einem Supersinn sprechen.

Seitenlinienorgan des Koi
Nippon Direct – Seitenlinienorgan des Koi

Ohr des Koi

Allen Koibesitzern ist sicher schon aufgefallen, dass Koi Fische keine Ohrmuschel wie wir besitzen. So fehlt bei ihnen sowohl das äußere Ohr als auch das Mittelohr. Sie haben aber ein Innenohr, welches auch stato akkustisches Organ genannt wird; es fungiert also für das Hören und als Gleichgewichtsorgan.

Der Hörsinn des Koi

Ein großes Problem aller wasserlebenden Tiere ist die Wahrnehmung von Schallwellen, da die Fische von Wasser umgeben sind und die Schallübertragung daher nicht so einfach ist. Karpfenartige, Salmler und Welse nehmen die Schallwellen über die Schwimmblase wahr, deren Wand dadurch, dass sie ausschließlich mit Luft gefüllt ist, durch Schallwellen in Schwingung versetzt werden kann. Sie fungiert so als Schallverstärker. Von dort aus werden die Schallwellen über eine Kette von Knochen (Webersche Knöchelchen) an das Innenohr weitergegeben. Durch die Schwingung der Knöchelchen gerät die Flüssigkeit im membranösen Labyrinth in Bewegung, was wiederum die Sinnes härchen der Innenohrzellen anregt, die über Nervenzellen Impulse aufnehmen und weitergeben. Karpfen haben ebenso wie Welse einen ausgezeichneten Gehörsinn.

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Das Gleichgewichtsorgan des Koi

Dieser Teil des Ohres ist das sogenannte Labyrinth, welches aus drei Bogengängen (Utriculus, Sacculua und Lagena) besteht, die so angeordnet sind, dass sie die drei Ebenen des Raumes darstellen und damit auch die möglichen Bewegungsrichtungen. Diese Bogengänge sind mit Endolymphe, einer Flüssigkeit, gefüllt. Die Seiten sind mit Sinneszellen ausgekleidet, die über haarartige Fortsätze verfügen, auf denen Nervenenden münden. Im unteren Teil dieses Systems, in einer Aussackung finden sich die Gehörsteinchen (Otolithen), welche je nach Nahrung altersgemäß an Größe zunehmen. Durch kleinste Bewegungen oder Erschütterungen, durch Geschwindigkeitsänderungen bewegt sich die Lymphe aufgrund der Trägheit und dadurch auch die Otolithen, welche wiederum die Nervenzellen durch die Bewegung der Sinneshärchen reizen. Diese Impulse werden über Nerven weitergeleitet ans Gehirn, wo der eigentliche Sinneseindruck wieder generiert wird. So ist die Beurteilung der Lage des Körpers im Raum möglich. Dieses Organ ist mit dem anderer Wirbeltiere vergleichbar.

Koi Barteln, Lippen und Maul
Nippon Direct – Geschmacks- und Geruchssinn des Koi

Geschmacks- und Geruchssinn des Koi

Im Gegensatz zum Geruchssinn kann man den Geschmackssinn nicht auf ein bestimmtes Körperteil festlegen, da der Geschmackssinn nicht nur wie beim Menschen durch Geschmacksknospen auf der Zunge repräsentiert wird, sondern auch noch durch Sinneszellen auf den Barteln, den Lippen und dem Maul sowie etwas weniger auf der restlichen Körperoberfläche. Besonders viele Geschmacks knospen haben hier unbeschuppte Tiere.

Der Geruchssinn des Koi

Die Nasenlöcher liegen beim Koi oberhalb des Maules und bestehen jeweils aus zwei Öffnungen – einer vorderen und einer hinteren. Sie sind mit Hautfalten ausgekleidet, um die Oberfläche zu vergrößern, welche mit Riechschleim haut überzogen sind. Im Gegensatz zum Menschen ist hier aber nicht die Luft der Trägerstoff, der Duftmoleküle trägt, sondern das Wasser. Die Duftmoleküle reizen die zilienbesetzten Sinneszellen. Diese Nervenimpulse werden über Nerven bahnen an das Geruchszentrum im Vorderhirn weitergegeben, wo die Sinneseindrücke verarbeitet werden.

Die meisten Fische besitzen einen sehr gut ausgeprägten Geruchssinn. Allerdings gibt es keine direkte Verbindung zwischen den Nasenlöchern und dem Maul. Die Auswahl der Nahrung erfolgt über den Geschmackssinn. Eine Ausnahme bilden die Schleimfische, die durchaus eine Verbindung besitzen. Grund hierfür ist vermutlich die Tatsache, dass sich die Fische in die Beute einbohren, und ohne diese Verbindung nicht atmen könnten.

Der Geschmackssinn des Koi

Die Geschmacksknospen überziehen, wie bereits erwähnt, die gesamte Körperoberfläche. Das bedeutet also, der Koi Karpfen schmeckt mit dem ganzen Körper. Besonders hoch ist die Zahl der Geschmacksknospen aber auf den Barteln, sowie den Lippen und dem Maul, da diese Körperregionen die größte Bedeutung bei der Nahrungssuche und -aufnahme haben. Mit Hilfe der Barteln kann der Koi auch im trüben Wasser seine Nahrung ertasten, und so gleich auch schmecken. Das Futter wird aufgenommen und durch das Schmecken für gut oder schlecht befunden. Die ungenießbaren Teile werden einfach wieder ausgespuckt. Soweit bekannt, können Fische die Geschmacksrichtungen sauer, süß, salzig und würzig erkennen.

Koi Barteln, Lippen und Maul
Nippon Direct – Geschmacks- und Geruchssinn des Koi

Das Auge des Koi

Jedem Koibesitzer ist sicher schon aufgefallen, dass seine Koi keine Augenlider besitzen. Ansonsten sieht das Auge aber vergleichbar zu den Säugetieren aus. Im Großen und Ganzen stimmt das auch. Wie bei uns, liegt der Augapfel in der knöchernen Augenhöhle (Orbita). Die Augen sind seitlich am Kopf, was ein Gesichtsfeld von fast 360° ermöglicht und dadurch eine frühere Erkennung von Feinden ermöglicht. Der Augapfel wird von außen durch die Lederhaut (Sklera) und die Horn haut (Cornea) begrenzt, welche vor allem eine Schutz- und Stützfunktion haben und die Augeninnenstrukturen ernähren.

Die Cornea ist durchsichtig und ermöglicht so den Durchtritt von Licht in das Augeninnere. Das Licht wird beim Durchtritt durch die Hornhaut im Gegensatz zum Menschen nicht gebrochen, da das Wasser den gleichen Brechungsindex hat wie die Hornhaut. Unter der Hornhaut liegt die mittlere Augenhaut oder Aderhaut (Chorioidea), welche zusammen mit der Retina den Ziliarkörper (Corpus ciliare) bildet, an dem die Linse aufgehängt ist. An der Vorderseite des Ziliarkörpers liegt die Iris an, die beim Menschen die Augenfarbe bestimmt. Die Öffnung, die die Iris frei lässt, ist die Pupille. Die Iris reguliert die Größe der Pupille und bestimmt damit die Lichtmenge die durchtreten kann. Bei einigen Fischen ist diese starr und kann nicht in der Größe verändert werden. In der Öffnung liegt die Linse, welche bei Fischen kugelig ist. Auch sie ist lichtdurchlässig. Sie ist dicht hinter der Cornea positioniert und auf „Nahsicht“ eingestellt, da dies für die Lebensweise als Fisch, der den Grund nach Nahrung durchwühlt, nützlicher ist.

Koi Auge
Nippon Direct – Koi Auge

Bei der optischen Wahrnehmung schneiden die Koi im Vergleich mit anderen Tierarten eher schlecht ab.

Anders als beim Menschen wird die Linse nicht verformt, um die Entfernung des Scharfsehens zu verändern. Stattdessen kann sie durch Muskeln zurückgezogen werden. Dadurch ist eine geringe Scharfeinstellung (Akkomodation) möglich. Koi sind kurzsichtig. Was weiter als 10 Meter von ihnen entfernt ist, sehen sie unscharf. In getrübtem Wasser ist der Bereich in dem sie scharf sehen noch kleiner. Die vordere Augenkammer ist mit einer klaren durchlässigen Flüssigkeit gefüllt, dem Kammerwasser. Den großen Hohlraum hinter dem Ziliarkörper und der Linse nimmt der Glaskörper ein. Durch den Glaskörper hindurch wird das Licht auf die Netzhaut (Retina) projiziert. Diese ist bedeckt von Sinneszellen, den so genannten Stäbchen und Zapfen. Stäbchen sind bei schwachem Licht besonders effektiv, schaffen aber ein weniger scharfes Bild. Sie sind für das Schwarzweißsehen zuständig. Die Zapfen arbeiten bei hellem Licht und stellen Einzelheiten gut dar. Sie sind für das Farbsehen zuständig. Das Verhältnis von Stäbchen zu Zapfen und deren Verteilung hängt durchaus vom Lebensraum ab. So haben Tiefseefische sinnvollerweise deutlich mehr Stäbchen als Zapfen. Diese geben Impulse an den Sehnerv (Nervus opticus) weiter. Auf dem Dach des Mittelhirns befinden sich zwei ovale optische Lappen, die die Informationen der Augen auswerten.

Koi Sehnerv
Nippon Direct – Sehnerv des Koi

 

Aufgrund seiner Lebensweise im eher trüben Wasser, in dem er den Schlamm auf der Suche nach Futter durchwühlt, hat der Sehsinn keine so wichtige Bedeutung für den Karpfen. Dennoch ist dieser aber gut entwickelt, der Koi kann auch Bewegungen außerhalb des Wassers gut wahrnehmen. Bei der optischen Wahrnehmung schneiden die Koi Fische im Vergleich mit anderen Tierarten eher schlecht ab.

Generell kann man feststellen, dass es sich bei dem Koi im Bezug auf seine Sinnesleistungen eher um einen „Allrounder“ handelt, der sowohl in stark getrübtem oder gar unsichtigem Wasser wie auch in klarem Wasser gut zurecht kommt, da er für jede Umgebung unterschiedliche nützliche Sinne besitzt und auch nutzen kann. In den meisten Koiteichen wurden die Koi vom ursprünglich in weitgehender Dunkelheit lebenden Bodenbewohner, der sein Futter durch Tasten, Riechen und Schmecken findet, zum eher oberflächlich lebenden Klarwasserfisch „umprogrammiert“, der seine Augen einsetzt, um an sein Futter zu gelangen.

Wie viele andere Tiere auch, so haben Koi sicherlich neben den in diesem Artikel aufgezeigten Sinnen auch eine Art „Zeitsinn“ (Zeitgedächtnis, Zeitorientierungsvermögen); das heißt sie können bei regelmäßiger Fütterung durch ihre Pfleger abschätzen, wann eine Fütterung nach dem Zeitplan „fällig“ sein müsste. Sie sind dann zu diesen Zeiten sehr unruhig, wenn sie am Koiteich eine Erschütterung oder auffällige Bewegung ausmachen. In größeren Gewässern kommen ausgesetzte Koi bzw. Karpfen zu bestimmten Zeiten immer wieder an Erfolg versprechende Futterstellen.

 

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Quelle: Koi Kurier Ausgabe 58 – Sinnesleistungen der Koi | Text & Bilder: Dr. med. vet. Werner Hoedt, Dr. med. vet. Friederike Weinzierl, Maite Schneider & Dr. Jens Fritsche;

Bildnachweis: Thyla Jane | Lizensiert via Unsplash

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