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Yamada – Der absolute Perfektionist!

Wenn man die meiste Zeit hier in Japan verbringt geschehen oft unerwartet grossartige Dinge, wie zum Beispiel etwas Neues über Koi oder die japanische Kultur zu erfahren. So etwas ereignete sich an einem Tag Anfang April dieses Jahres, als ich die Gelegenheit hatte, Mr. Yasumasa Yamada zu treffen.

Die japanische Kultur ist fremdartig und erscheint jenseits allen Erfahrungen, die ich bisher in der ganzen Welt gesammelt habe. Eine Sache ist die Bereitschaft der Japaner, bei allem, was sie machen, das höchstmögliche Niveau zu erreichen. So geschehen auch an jenem Tag, den ich mit Yamada San verbrachte.

Yamada – Der absolute Perfektionist!

Ich traf Yamada San im Haus von Tokuzo Miya auf der Miyaishi Koi Farm. Als ich das Haus betrat – was ich fast jeden Tag mache – fiel mir ein neues und wirklich fantastisches Koi-Ölgemälde ins Auge. Miya-San stellte mir Yamada-San vor und erklärte schnell, dass er das Gemälde im letzten Oktober bei ihm in Auftrag gegeben hatte und dass es heute eingetroffen sei.

Yamada – ein Hobby-Koizüchter

Im Gespräch mit Yamada San erkannte ich schnell, dass er nicht nur ein aussergewöhnlicher Künstler, sondern auch Hobby-Koizüchter ist, der eine wirklich ungewöhnliche Geschichte zu erzählen weiss. Er ist jetzt 70 Jahre alt und hat sein ganzes Leben in einem Dorf namens Izumozaki verbracht. Dieses Dorf liegt in der Nähe der Küstenstadt Teradomari am Japanischen Meer, etwa 40 Autominuten von den Bergen von Yamakoshi entfernt. Als Kind hatte er Goldfische gezüchtet, aber erst etwa 30 Jahre später Mitte der 60er Jahre begann er, sich mit Koi Fischen zu beschäftigen. In den Bergen von Yamakoshi hatte er von Koi Karpfen gehört. Also setzte er sich an den Wochenenden in öffentliche Busse oder Bahnen (zur damaligen Zeit konnte er sich kein Auto leisten) und machte sich auf den Weg dorthin.

Er verbrachte fast jedes Wochenende damit, in den Bergen zu wandern und mit Koi Züchtern zu sprechen, um so viel wie möglich über Koi zu erfahren. Damals in den 60er Jahren begegnete er Miya San zum ersten Mal. Und er erklärte sogleich, dass Miya Sans Vater, Ishitaro Miya, damals noch lebte. Der heute berühmte Name Miyaishi setzt sich aus den Silben ISHItaro und MIYA zusammen. Yamada San sagte, dass Miyaishi schon damals wegen seinen qualitativ hochklassigen Koi berühmt war.

Yamada und seine wirklich fantastischen Koi-Ölgemälde

Eine Zeitlang lernte Yamada San mehr und mehr hinzu bis er dann zuversichtlich genug war, selbst Koi zu züchten. Er hatte bereits beschlossen, dies nur als Hobby zu betreiben. Im normalen Arbeitsleben war er ein erfolgreicher Geschäftsmann, der Chrom-Autoteile für die Fahrzeugindustrie herstellte. Aber in seiner ganzen sparsamen Freizeit engagierte er sich für Koi Karpfen.

Seine ersten Erfahrungen in der Koizucht

Seine ersten Erfahrungen in der Koizucht machte er mit Yamabuki Ogon. Er kaufte nur jeweils einen männlichen und einen weiblichen Koi von einem Züchter namens Nishi-Yamamachi aus der Stadt Kashiwazaki und nahm sie mit nach Hause. Seine ersten Teiche waren alte Reisfelder aus Familienbesitz, die er selbst von Hand ausgegraben hatte. Am Ende des ersten Zuchtjahres hatte er bei der Auslese der Fischbrut etwa 1.000 Tosai erreicht.

Dieser Erfolg weckte bei ihm grössere Ambitionen, noch bessere und ungewöhnlichere Koi zu produzieren. Er liebte die Kawarimono- und Hi Kawarimono-Varietäten und begann mit der Suche nach Elternfischen, während er gleichzeitig die Zucht weiter studierte. Zur damaligen Zeit kaufte er seine Koi beim Myakoya Auktionshaus, wo er auch mit dem Verkauf seiner eigenen Koi begann. Nach ein paar Jahren besass er eine beeindruckende Privatsammlung und suchte weiterhin nach guten Koi bei allen lokalen Koi-Züchtern.

Mitte der 80er Jahre während der Nogiyosai Show in Ojiya hatte einer seiner Koi, ein Kin Showa, einen Preis gewonnen. Zur damaligen Zeit waren gute Kin Showa sehr selten und dieser Koi brachte Yamada San sehr viel Aufmerksamkeit. Selbst Miya San, der eine grosse Vorliebe für Kin Showa hat und die Entwicklung der Zucht dieser Koi gefördert hatte, setzte für die Veredlung seiner eigenen Blutlinien vor 10 Jahren einen weiblichen Kin Showa von Yamada ein.

Yamada Koi Teiche für die heranwachsenden Fische.

Freundschaft der Koi Züchter

Yamada sagt, dass er bei den Miyaishi Kin Showa bis zum heutigen Tage seine Blutlinien erkennen kann. Bei dieser Show traf er zwei weitere in der Koiszene relativ neue Züchter, Kase San und Aoki San. Beide gingen anderen Beschäftigungen nach und hatten einen anderen Hintergrund. Kase San war Koch und Aoki San Besitzer eines Fleischrestaurants. Sie wurden Freunde und tauschten ihre Fische untereinander bei der Zucht aus. Ausserdem besassen sie einige Koi gemeinsam, arbeiteten während der Erntezeit zusammmen und teilten sich die Fischbrut, um sie dann weiter heranwachsen zu lassen.

Ihre Freundschaft wuchs weiter, zur damaligen Zeit hatte Yamada San schon länger Koi gezüchtet als Kase und Aoki und er machte Vorschläge, welche Männchen und Weibchen für die Koi Zucht einzusetzen seien, um neue Koi-Varietäten hervorzubringen. Aus den Ideen und Vorschlägen dieser Drei wurden die Varietäten Kikokuryu und Beni Kukokuryu entwickelt. Der Rest ist Geschichte.

Kase San ist heute ein hochgeachteter Vollzeitzüchter, während Aoki San noch immer sein Fleischrestaurant führt. Er hat aber diese Koi-Varietät mehr als irgend jemand sonst weiterentwickelt und seine Koi Fische wurden eine der populärsten Varietäten in Europa, USA und selbstverständlich auch in Japan.

Sie sind immer noch sehr gute Freunde, und obwohl Yamada San seine Koihaltung noch immer als Hobby betreibt ist er äusserst stolz darauf, dass die Koigeschäfte von Kase und Aoki florieren.

An diesem Punkt fragte ich, ob wir nun zu ihm fahren und seine Koi ansehen könnten. Ich hatte nur mal kurz gefragt, und 45 Minuten später standen wir bereits vor seinem Haus, das nur 4 km vom Japanischen Meer entfernt liegt. Der Eingang des beeindruckenden Hauses wird von Gemälden, polierten Steinen und kleinen, geschmackvoll eingetopften Blumen umsäumt. Yamada San erklärte, dass dies seine anderen Hobbys neben der Koizucht seien.

Yamada und seine Stein Sammlung

Yamada besitzt eine erstaunliche Stein Sammlung.

Mit dem Malen hatte er als kleiner Junge begonnen, aber erst in den letzten zehn Jahren hatte er angefangen, Ölgemälde zu malen – nicht nur von Koi, sondern auch Landschaftsbilder. Heute malt er jährlich etwa 30 Bilder, er hat eine sehr bezeichnende Art zu malen und alle seine Bilder sind in der rechten unteren Ecke mit Y.Y. gekennzeichnet. Sein Künstleratelier ist eines seiner Tosai-Fischhäuser, ein fantastischer Ort für Inspirationen und das Malen von Koi.

Seinen schönsten nennt er Goshiki-Stein wegen seiner fünf verschiedenen Farben.

Ausserdem sammelt er polierte Steine, die er beim Wandern an Flüssen und Seen in seiner Heimat findet. Er erklärte, dass man sich nach einem Regenschauer, wenn die Steine noch nass sind, am besten ein Bild machen kann, wie ein Stein in poliertem Zustand aussieht. Er besitzt eine erstaunliche Sammlung, nicht nur in seinem Haus, sondern auch in einem seiner Nebengebäude. Seinen schönsten nennt er Goshiki-Stein wegen seiner fünf verschiedenen Farben. Seine Sammlung enthält mehrere Hundert Steine, und noch einmal die gleiche Anzahl wartet darauf, poliert zu werden.

Yamada und seine Liebe zu „Schneeblumen“

Seine nächste Liebe heisst „Ukiwarisou“, was wörtlich übersetzt „Schneeblumen“ bedeutet. Diese kleinen, fast wie Unkraut aussehenden Blumen sind schon eine Kunst für sich. Sie gleichen einer Schneedecke in den Bergen und blühen nur zwei Wochen lang. So wie vieles, was Japaner tun, auch hier – Sammler dieser Blumen haben sie in Gewächshäusern weiter veredelt und es gibt zahlreiche Bücher und Blumen-Shows allein für diese zarten, nur zwei Wochen lang blühenden Blumen. Eine Show in Ueno in der Nähe von Tokyo ist eine der besten in ganz Japan, und Yamada San präsentierte mir hocherfreut zwei seiner Blumen, die Preise gewonnen hatten. Jede dieser kleinen Blumen wurde für verblüffende 500.000 Yen verkauft (2.500 Pfund, 3.500 Euro oder 4.400 Dollar). Sein Gewächshaus beinhaltet mehrere hundert sorgfältig gepflegte Pflanzen, aber er erklärte schnell, dass nicht alle solch riesige Geldbeträge wert seien.

Seine nächste Liebe heisst „Ukiwarisou“, was wörtlich übersetzt „Schneeblumen“ bedeutet.

Yamada und sein Koi Fischhaus

Endlich betraten wir sein Koi Fischhaus, in dem etwa 3.000 wirklich hochklassige Tosai gehalten werden. Jetzt konzentriert er sich nur noch auf Kin Showa, Shusui, Kujaku, Kohaku und Sanke. Yamada erklärte, dass er von diesen 3.000 Fischen nur etwa 1.000 behalten und heranwachsen lassen würde; der Rest sollte schnell einfach an andere japanische Koi-Züchter verkauft werden. Seine etwa 300 grösseren zwei- und dreijährigen Koi werden während der Wintermonate draussen in Teichen gehalten. Dies ist im nur 25 km entfernten Yamakoshi sonst nicht üblich, aber hier fällt nicht die gleiche Menge Schnee, da das Haus in Küstennähe liegt und die Temperaturen hier milder sind.

Yamada Koi Zucht.

Wir sahen uns einen seiner grossen, für die heranwachsenden Fische angelegten Teiche an, in den er im Frühling und im Sommer etwa 300 Tosai einsetzen wird. Seine Liebe zum Detail bei seinen Hobbys, ob Koi, Malen, Blumen oder Polieren von Steinen, ist wirklich erstaunlich. Mir ist nicht klar, wie man mit 70 Jahren solche Stärke und Zeitaufwand aufbringen kann, um alle diese Dinge zu betreiben, aber er schafft es und ich hatte das Privileg genossen, ihn zu treffen und alles selbst zu sehen. Zweifellos ist dieser sehr liebenswerte Gentleman der „absolute Perfektionist“ – bei allem, was er macht.

In unseren Koi Online Shop finden Sie eine Vielzahl an verschiedenen Kois.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 48 – Yamada – der absolute Perfektionist | Text & Bilder Martin Symonds

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