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Der Koiteich im Winter

Koi Fische
Nippon Direct – Der Koiteich im Winter

Das Thema Überwinterung von Koi wird regelmäßig in allen wichtigen Koizeitschriften und Foren behandelt. Die Halter mit langjährigen Erfahrungen werden sicherlich die für ihren Koiteich optimale Form gefunden haben.

Wir möchten daher zu allererst denjenigen eine Hilfestellung geben, die sich den Traum vom eigenen Koiteich erst vor kurzem erfüllt haben und nun Fragen über Fragen haben was die Überwinterung betrifft.

Koi und deren Haltung im Winter

Bevor wir uns den Koi und deren Haltung im Winter widmen, werfen wir einen Blick auf die Haltung von Karpfen, von denen die Koi abstammen, die eine jahrhundertealte Tradition in Deutschland hat. Im Gegensatz zu den Salmoniden (Forelle, Saibling) bevorzugen Karpfen relativ hohe Wassertemperaturen von über 20°C. Sie ernähren sich von den im Wasser lebenden Nährtieren, wie Kleinkrebsen, Rädertieren, Hüpferlingen, Insektenlarven, Würmern und Mollusken sowie auch pflanzlichem Futter; wobei pflanzliches Futter kaum verdaut werden kann. Das Futterspektrum wird lediglich in Frühjahr und Herbst durch Zufütterung ergänzt, um die Phase des guten Gewichtszuwachses zu verlängern.

Vor dem Winter wird besonders bei den Jungfischen eine tierärztliche Kontrolle auf Parasiten oder Infektionen durchgeführt, da diese extrem empfindlich sind. Mit sinkenden Temperaturen geht der Karpfen in Winterruhe, wobei die Teiche hier oft zugefroren sind. Eine Fütterung findet während dieser Phase nicht statt, wohl können Karpfen aber auch noch bei 4 °C ab und an Naturfutter aufnehmen. Im Laufe der Zeit hat sich der Trend von flachen zu tieferen Teichen mit etwa 1,5 m verlagert, da hier geringere Temperaturschwankungen auftreten.

Wie sieht das nun bei unseren Koi aus?

Koiteich
Nippon Direct – Koi und deren Haltung im Winter.

Betrachtet man den Temperaturverlauf von den Städten Hiroshima und Niigata, die für die Koizucht wichtig sind und vergleicht diesen mit deutschen Städten wie Aachen und Augsburg so fallen einige Unterschiede auf. Das Temperaturniveau in Japan liegt generell deutlich höher als in Deutschland, besonders in Sommer und Herbst. Der entscheidende Unterschied für die Überwinterung ist aber, dass nur vier Monate im Jahr in den ausgewählten japanischen Städten die Temperatur unter 10 °C liegt, in Aachen sind es schon 6 Monate, in Augsburg sogar 7 Monate.

Nicht nur die Anzahl der kalten Monate, sondern auch die Schwankungen innerhalb kürzerer Zeiträume spielen eine große Rolle. Koi Fische sind poikilotherm (wechselwarm), das bedeutet, dass sie ihre Körpertemperatur nicht wie Vögel und Säugetiere selber erzeugen können, sondern von der Umgebungstemperatur abhängig sind. Man kann davon ausgehen, dass die Körpertemperatur der Koi durch Stoffwechselvorgänge ca. 1 °C über der Außentemperatur liegt. Kühlt es merklich ab, so hat das also auch Auswirkungen auf den Gesamtorganismus. Die Stoffwechselvorgänge werden deutlich verlangsamt oder reduziert (z.B. Verdauung), die Aktivität lässt nach. Selten ist in unseren Breitengraden ein Winter so konstant, wie es die Klimatabelle suggeriert. Immer wieder sind wärmere Phasen eingestreut, die natürlich auch wiederum Auswirkungen auf die poikilothermen Koi haben. Die Stoffwechselaktivität wird wieder erhöht, aber nicht so, dass alle Körperfunktionen optimal arbeiten, das bedeutet, dass der Koi Fisch zwar deutlich mehr Energie verbraucht, aufgrund von vermehrter Aktivität – auch für das Hochfahren des Organismus – aber nicht die entsprechende Energiemenge aufnehmen kann. In diesen Themenbereich gehört das Energiemangelsyndrom.

Jahresverlauf der Temperaturen
Nippon Direct – Jahresverlauf der Temperaturen.

Energiemangelsyndrom bei Koi Fischen

Diese Erkrankung betrifft immer nur einzelne Koi Fische eines Bestandes. Diese taumeln, liegen auf der Seite, haben eventuell gesträubte Schuppen, zeigen Drehbewegungen und wirken apathisch. Für dieses Krankheitsbild gibt es verschiedene Ursachen. Zum einen können Koi davon betroffen sein, die sich im Jahresverlauf keine ausreichenden Fettreserven für den Winter zulegen konnten (Neukäufe, kranke Tiere). Auch die eben erwähnten Temperaturschwankungen im Winter mit wärmeren Phasen führen zu einem erhöhten Energieverbrauch und damit zu einem vorzeitigen Aufzehren der Energiereserven. Auch Sauerstoffmangel im winterlichen Teich fördert diese Erkrankung. Zusätzliche Stoffwechselbelastungen wie Laichanbildung sind ebenfalls zu nennen.

Über den Winter sollte am Koiteich strikte Ruhe herrschen.

Über den Winter sollte am Koiteich strikte Ruhe herrschen. Das Aufhacken des Eises, Lärm, starke Strömung oder anderes führen zu einer erhöhten Aktivität der Koi durch Stress und bewirken einen übermäßigen Energieverbrauch.

Was tun, wenn Koi erkrankt sind?

Wie reagiert man nun, wenn Koi erkrankt sind? Betroffene Koi sollten langsam in höhere Temperaturen überführt werden, am besten in separaten Becken. Der Temperaturanstieg darf nicht höher als maximal 2 °C am Tag sein, da die Koi Karpfen sich sonst nicht anpassen können und sterben. Fangen die Pfleglinge wieder das Fressen an, so kann man guter Dinge sein, dass sie die Krise überstehen. Dennoch macht es auch in diesem Fall Sinn, einen spezialisierten Tierarzt hinzu zu ziehen. Welche Erkenntnisse ziehen wir jetzt aus den vorherigen Ausführungen über die Karpfenhaltung und den Vergleich der Temperaturtabellen?

Koiteich Beheizung ja oder nein?

Im Zuge der stetig steigenden Energiepreise ist es sicher den wenigsten von uns möglich, einen Außenteich dauerhaft zu heizen. Auch ist diese Haltungsform ohne Winterruhe mit Vor- und Nachteilen behaftet. Eine dauerhafte Fütterung bedeutet auch eine stetige Zunahme an Masse, was sich nachteilig auf die Fischgesundheit auswirken kann, gerade bei besonders dicken Tieren. Außerdem gehört diese Ruhephase zum Leben der Koi Karpfen dazu, und hat sicherlich auch Einfluss auf die Hormonausschüttung der Tiere.

Eine Teichheizung kann sinnvoll genutzt werden, um den Übergang in die Winterruhe für die Koi verträglicher zu machen. So können frühzeitige Kälteeinbrüche abgefangen, Temperaturschwankungen abgefedert werden und die Dauer des Winters auf die Kernmonate Dezember bis Februar reduziert werden, die sich normalerweise durch relativ konstante Temperaturen auszeichnen. In diesen Monaten sollte die Temperatur zwischen 4-8 °C liegen. Tiefere Temperaturen sind dringend zu vermeiden, da diese für die Koi lebensgefährlich werden können. Höhere Temperaturen führen zu einer übermäßigen Mobilisierung von Energiereserven (siehe Energiemangelsyndrom). Ende des Monats März sollten dann schon wieder 13°C erreicht werden, vergleichbar mit den Monaten Oktober und November.

Nippon Direct – Koiteich Beheizung ja oder nein?

Vorbereitung der Koi auf die Winterruhe

Die Koi bereiten sich im Prinzip langfristig über Monate auf die Winterruhe vor. Sie legen sich im Herbst mit seinen kürzer werdenden Tagen Fettreserven zu. Ist dies bei einzelnen Tieren wie Neukäufen im Herbst oder bei kranken Fischen nicht möglich, so sollte in Betracht gezogen werden, diese Koi in Innenhälterungen in beheizten Becken über den Winter zu bringen, da die Winterruhe bei ihnen ein übermäßiges Risiko bedeutet.

Rechtzeitig vor dem Sinken der Temperaturen sollten die Koi auf Parasiten oder bakterielle Infektionen untersucht werden.

Rechtzeitig vor dem Sinken der Temperaturen sollten die Koi auf Parasiten oder bakterielle Infektionen untersucht werden, da auch die Aktivität des Immunsystems temperaturabhängig ist, und unter 15°C nur sehr eingeschränkt funktioniert. Auch die Wundheilung ist abhängig von den Wassertemperaturen. Verletzungen müssen daher vor der Winterruhe auskuriert sein, oder die Koi müssen in ein warmes Winterquartier überführt werden. Man darf nicht davon ausgehen, dass Parasiten und Bakterien sich an die Aktivitätsphasen der Koi Fische halten. Viele Parasiten wie Costia und Chilodonella vermehren sich noch bei Temperaturen unter 10 °C, wenn auch langsamer. Haut und Kiemenhakensaugwürmer (Gyrodactylus und Dactylogyrus) kommen mit niedrigen Temperaturen gut zurecht und stellen somit ein weiteres Risiko dar. Betroffene Koi Fische zeigen besonders bei Kälte und Temperaturschwankungen folgende Symptome: Unruhe, Scheuern z.B. am Teichgrund, Umkippen, Rötungen, Hauttrübungen Schuppensträube und Glotzaugen. Eine langsame und vorsichtige Erwärmung des Wassers ist nötig oder ein Überführen in eine Innenhälterung.

Alle Behandlungen an den Koi sollten rechtzeitig vor der Winterruhe abgeschlossen werden.

Alle Behandlungen sollten rechtzeitig vor der Winterruhe abgeschlossen werden, da die heruntergekühlten Koi Fische mit ihrem verlangsamten Stoffwechsel das Medikament nicht mehr ausreichend verstoffwechseln können und damit der Behandlungserfolg nicht gewährleistet ist, besonders bei oral zu verabreichenden Medikamenten. Es kann zu Schädigungen der Koi kommen, da die Wirkstoffe nicht mehr adäquat abgebaut werden können. Formalinhaltige Präparate bilden unter Kälteeinwirkung fischgiftiges Paraformaldehyd.

Winterfütterung der Koi

Einige Informationen sollten in das Thema Winterfütterung mit einfließen. Unter 10°C Wassertemperatur können die Koi nur noch den Erhaltungsbedarf decken, es findet keine Zunahme mehr statt. Aufgrund der reduzierten Stoffwechselaktivität und -effektivität dauert die Darmpassage wesentlich länger und die Verdaulichkeit ist durch die Temperaturabhängigkeit der Verdauungsenzyme stark reduziert. Das bedeutet, dass die Koi Karpfen nur einen gewissen Anteil verdauen können, der Rest wird relativ unverdaut über Kot ausgeschieden.

Wird mehr als nötig gefüttert, so kann das die Wasserqualität gefährlich beeinflussen, da einerseits die Filterbakterien bei winterlichen Temperaturen verminderte Leistung haben und andererseits mehr Ammonium als Stoffwechselprodukt des Einweißstoffwechsels über die Kiemen abgegeben wird. Ammoniak in zu hohen Konzentrationen führt zu Kiemenschädigungen der Koi. Schlamm (abgestorbene Pflanzenteile, Futterreste … ) am Teichboden zehrt Sauerstoff und führt zur Bildung von Ammoniak und Kohlendioxid, was zur Bedrohung für die Koi werden kann. Daher sollte die Fütterung von der Aktivität der Fische abhängig gemacht werden. Ruhen diese ganz friedlich am Teichgrund, so kann sie unterbleiben, suchen die Koi nach Futter, so kann eine Futtergabe alle 2-3 Tage erfolgen. Was bei der Wahl der Futtermenge auch bedacht werden sollte, ist je nach Teichart das vorhandene Naturnahrungsangebot. Ganz wichtig ist aber eine sehr restriktive Fütterung mit speziellem Winterfutter. Dieses enthält weniger Eiweiß als im Sommer und etwa 15% hochwertige Fette wie sie in Fischöl, Weizenkeimlingen, Hefen oder Krillmehl enthalten sind. Aufgrund des hohen Fettgehalts ist nur eine kurze Lagerung möglich, da sonst der Fettverderb einsetzt und auch der Vitamingehalt abnimmt. Sinkfutter ist zu bevorzugen, da sich die Tiere so die Energie für das häufigere Auftauchen sparen können.

Koiteich im Winter
Nippon Direct – Wintervorbereitung am Koiteich

Wintervorbereitung am Koiteich

Nicht nur die Koi Fische selbst bereiten sich auf den Winter vor, auch der Koiteich muss dementsprechend winterfest gemacht werden. Bereits im Herbst sollte der Schlamm von Teichboden und Filter letztmals abgesaugt werden, da sonst durch Um- und Abbauprozesse ein zu hoher Sauerstoffbedarf herrscht und sich vor allem bei Sauerstoffmangel Bakterien vermehren, die den Schlamm in sog. unfruchtbaren Schlamm umwandeln und Gase, hauptsächlich Methan und Schwefelwasserstoff bilden, was das Leben der Koi bedrohen kann. Eine Abdeckung mit Kunststoffkugeln verhindert das vollständige Zufrieren und minimiert den Wärmeverlust über die Wasseroberfläche.

Vom Aufhacken der Eisschicht ist unbedingt Abstand zu nehmen, da das zu unglaublichem Stress bei den ruhenden Koi führt.

Vom Aufhacken der Eisschicht ist unbedingt Abstand zu nehmen, da das zu unglaublichem Stress bei den ruhenden Koi Karpfen führt. Stress (z.B. durch zu starke Wasserbewegung und Geräuschentwicklung durch Belüftung am Teichgrund) sollte möglichst vermieden werden. Die Koi sollten einen Rückzugsbereich haben. Lichtundurchlässige Kugeln verhindern ein übermäßiges Algenwachstum. Undurchsichtige Abdeckungen sind eher ungeeignet für bepflanzte Teiche, da diese die Photosynthese von Unterwasserpflanzen, die lichtabhängig ist, verhindern und so kein Sauerstoff gebildet werden kann und Kohlendioxid nicht mehr abgebaut wird, zu bedenken ist hierbei auch die Sonnenscheindauer.

Durch den Anstieg des Kohlendioxids im Teichwasser wird die Kohlendioxidabgabe über die Kiemen vermindert, da die Kohlenstoffdioxidkonzentration im Wasser immer niedriger sein muss als im Fisch, um so einen sog. Diffusionsgradienten aufrecht zu erhalten und damit die Abgabe ans Wasser zu ermöglichen. Wenn dies nicht möglich ist, erleidet der Koi eine Kohlendioxidvergiftung.

Der Teich sollte auch auf einen übermäßigen Eintrag von Kälte hin überprüft werden. Unisolierte Rohre, Fontänen, ein ungeschützter Belüftungspumpenstandort oder andere Kältequellen können die Teichtemperatur extrem beeinflussen. Ist die Pumpe umgekehrt z.B. im Haus, so kann das alleine schon die Wassertemperatur im Winter etwas abfedern. Die Abbaurate der ammoniak- und nitritabbauenden Filterbakterien nimmt unterhalb einer Wassertemperatur von 10°C extrem ab und sie sterben ab, wenn der Filter durchfriert. Findet kein Abbau der Ausscheidungsprodukte mehr statt, besonders wenn ausschließlich mit biologischer Filterung gearbeitet wird, und wird das Wasser noch zusätzlich belastet (z. B. durch übermäßige Fütterung, eine nennenswerte Schlammschicht am Boden, oder einen zu geringen Sauerstoffeintrag) so entsteht ein ungünstiges Klima für den Fisch.

Weniger als 4 mg Sauerstoff pro Liter bewirkt einen massiven Energieverlust der Koi über eine stark vermehrte Atmungsaktivität und kann auf Dauer tödlich enden. Auch die Filterbakterien sind sauerstoffabhängig. Der pH-Wert sollte zwischen 6,5 und 8 liegen und unterliegt bei kalkreichem Wasser geringeren Schwankungen. Der pH-Wert ist im Hinblick auf das Ammonium- / Ammoniakverhältnis entscheidend: bei einem Anstieg des pH-Wertes kann der Anteil des giftigen Ammoniaks in für Fische bedenkliche Höhen ansteigen. Auch die Wassertemperatur und der Salzgehalt des Wassers haben einen Einfluss auf das Verhältnis. Eine regelmäßige Überprüfung der Wasserwerte und die Kontrolle der Technik ist auch im Winter unerlässlich.

Koiteich Lichtundurchlässige Kugeln
Nippon Direct – Lichtundurchlässige Kugeln verhindern ein übermäßiges Algenwachstum

Fazit

Abschließend kann festgestellt werde, dass für die Wintervorbereitung der Koi Fische und des Teiches keine Patentrezept gegeben werden kann, da zu viele Faktoren eine Rolle spielen. Jeder Koiteich-Besitzer kennt die Eigenheiten seines Teiches am besten und kann so unter Berücksichtigung der verschiedenen Einflüsse die für seinen Teich umsetzbare und natürlich möglichst optimale Lösung finden.

 

Original Japan Koi finden Sie in unserem Nippon Direct Koi Shop.

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 54 – Der Koiteich im Winter | Text & Bilder: Dr. med. vet. Werner Hoedt, Dr. med. vet. Friederike Weinzierl, Maite Schneider

Bildnachweis: Kumiko SHIMIZU | Lizensiert via Unsplash

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