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Koiteichbau in Eigenregie – Teil 2

Koiteichbau in Eigenregie - Teil 2

Hier geht’s zum ersten Teil: Koiteichbau in Eigenregie – Teil 1

Das Wetter im Jahr 2018 ermöglichte es vielen Koihaltern und denen die es noch werden wollen, die Saison ein wenig zu verlängern. Somit setzte auch Florian alles daran seine Koiteichbaustelle voran zu treiben.

In seinem Fall war es aber nicht nur der Koiteich, sondern auch der Garten, der eine Rundumerneuerung bekam. Ein schöner japanischer Ahorn und einige Bambuspflanzen fanden ihren Weg, aus den Kleinanzeigen, in das Umfeld des Teiches.

Nippon Direct - Koiteich selber bauen
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Aufgepasst bei Bambus – Fargesia oder Rhizome

Ein Tipp für alle Bambusfreunde: Es ist darauf zu achten, dass Pflanzen verwendet werden, welche Horste ausbilden. Nur so kann man sicher gehen, dass sich der Bambus nicht unkontrolliert ausbreitet. Die dabei in Betracht kommenden Sorten tragen alle den Beinamen Fargesia. Alle anderen sind dafür bekannt, lange Rhizome zu bilden, die mehrere Meter weit von der Hauptpflanze entfernt wieder nach oben kommen und ganze Wege und Terrassen zerstören können. Ebenso wie so manche Teichfolie.

Aufgepasst bei Bambus - Fargesia oder Rhizome
Aufgepasst bei Bambus – Fargesia oder Rhizome

Rechte Winkel und Wasserströmung im Koiteich

Im nächsten Schritt fing Florian an alle Innenecken abzuschrägen. Bei modernen Teichformen, wie hier gewählt, entstehen oft rechte Winkel, welche die Strömung des Wassers stören. Ein Koiteich sollte immer so konstruiert werden, dass das Wasser ohne große Strömungsverluste im Kreis zirkulieren kann. Nur mit einer guten Strömung wird der Schmutz mitgerissen und kann zu den Bodenabläufen gelangen.

Abgeschrägte Innenecken verringern den Strömungsverlust des Wassers.
Abgeschrägte Innenecken verringern den Strömungsverlust des Wassers.

Dreckablagerungen im Koiteich vermeiden

Innenecken brechen die Strömung und verwirbeln das Wasser. Das kann mitunter auch zu Dreckablagerungen führen, die man im Koiteich vermeiden sollte. Ablagerungen aus Kot oder in den Teich gelangten Pflanzenresten, können Brutstätten für Bakterien werden, die sich negativ auf das Teichklima und letztendlich die Koi Fische auswirken.

Isolierung des Koiteiches

Ein Teichbau ist immer mit Entscheidungen verbunden. Manche werden revidiert. So auch hier. Es war von Anfang an geplant den Koiteich zu isolieren. Die Wände als auch den Teichboden. Somit wollte man den Temperaturverlust rein auf die Teichoberfläche reduzieren. Eine vollständige Isolation kann sich lohnen, sofern man vor hat den Teich ganzjährig zu beheizen.

Isolierung des Koiteiches
Isolierung des Koiteiches

Koi Überwinterung – Kalt oder Warm?

Florian hat dies allerdings nicht vor und möchte kalt überwintern. Je nach Region beträgt die Bodentemperatur bei 170-200 cm Tiefe bis zu 4 Grad Celsius. Diese Erdwärme wollte Florian nutzen, um den Koiteich im Winter zu unterstützen. Daher entschied er sich nachträglich dafür, die Isolation der Bodenplatte weg zu lassen. Vorsorglich hatte man jedoch fünf Zentimeter Freiraum bis zur Oberkannte der Bodenabläufe gelassen, damit diese später sauber mit der Isolation abschließen konnten. Dies bedeutete, dass die Bodenplatte nachträglich nochmal auf betoniert werden musste. Es hieß also noch einmal Beton machen und den Teichboden erhöhen.

Koi Profi Wissen zum Thema Koi und Überwinterung finden Sie in unserem Beitrag ➨ Überwinterung von Koi Karpfen.

Isolierung ja, aber nicht bei der Bodenplatte.
Isolierung ja, aber nicht bei der Bodenplatte.

Zeit für die Winterpause

Dem goldenen Herbst folgte dann zügig ein regnerischer November. Eine Dachkonstruktion mit Folienbespannung sollte die Baustelle vor zu viel Feuchtigkeit und anderem Dreck schützen. Es wurde Zeit für die Winterpause.

Eine Dachkonstruktion mit Folienbespannung sollte die Baustelle vor zu viel Feuchtigkeit und anderem Dreck schützen.
Eine Dachkonstruktion mit Folienbespannung sollte die Baustelle vor zu viel Feuchtigkeit und anderem Dreck schützen.

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Deckelelemente für den Filterkeller

Neues Jahr – Neues Glück, hieß es am 9. Januar 2019. Für den Filterkeller wurden Holzrahmen angefertigt. Diese lassen mit Scharnieren aufklappen und bilden somit den Filterdeckel. Auch die Deckelelemente wurden mit Styrodur isoliert. Von oben wurden OSB Platten aufgeschraubt, welche letztendlich mit einigen Bahnen Dachpappe bedeckt wurden. Somit sollte der Filterkeller weitestgehend vor Feuchtigkeit von oben geschützt werden. Einen weiteren Vorteil sehe ich in den relativ geringen Materialkosten und dem geringen Gewicht, welches bei vielen Abdeckungen zum Problem werden kann. Nicht selten werden mit Holz verkleidete Filterdeckel extrem schwer, quellen auf, verkanten oder verziehen sich mit der Zeit durch die Sonneneinstrahlung.

Für die Filterkeller-Deckel wurden Holzrahmen angefertigt.
Für die Filterkeller-Deckel wurden Holzrahmen angefertigt.

Ein kleines Gartenhaus für die Teichtechnik

Für die Teichtechnik hatte man sich entschieden einen separaten Ort zu finden. Über ein Leerrohr sollten Kabel und Schläuche zum Filterkeller geführt werden. Den Sicherungskasten, sowie benötigte Membranpumpen sollten trocken und über Teichniveau stehen. Dazu wurde ein kleines Gartenhaus aus Metall verwendet, welches sich an einem Nachmittag aufbauen ließ. Die Hütte bekam noch ein extra Fundament, damit die Technik später in Waage stehen konnte. Zur Absicherung sollte eine der Membranpumpen sogar direkt vom Haus gespeist werden. Sollte also der FI-Schalter des Sicherungskastens vom Koiteich einmal auslösen, würde zumindest eine Belüftung weiter funktionieren. Die Kabelverlegung und das Anschließen der elektrischen Bauteile im Sicherungskasten wurde durch einen Fachmann ausgeführt.

Für den Sicherungskasten, sowie benötigte Membranpumpen wurde ein kleines Gartenhaus aus Metall verwendet.
Für den Sicherungskasten, sowie benötigte Membranpumpen wurde ein kleines Gartenhaus aus Metall verwendet.

Restlicher Aushub wird entsorgt

Mitte Februar wurde dann nochmal ein Radlader geordert. Der überschüssige Aushub musste entsorgt werden. Rund 60 Kubikmeter Erdreich wurden abtransportiert und der Garten nahm wieder ungeahnte Größen an. Sehr schnell hatte man sich an die beengten Verhältnisse gewöhnt.

Verstellbares Gestell für den Trommelfilter

Parallel wurde an einem Gestell für den Trommelfilter gearbeitet. Dieses besteht aus verzinktem Vierkantrohr und wurde vom Teichbauer selbst in der benötigten Ausführung angefertigt. Das Gestell sollte später noch verstellbare Schwerlastfüße bekommen, um den Filter auszurichten. Der Ort an dem der Filter samt Gestell stehen sollte, musste ebenso vorbereitet werden. Ein DN 250 Rohr wird dort den letztendlichen Anschluss zwischen Bio- und Vorfilter bilden. Dafür musste noch ein Durchbruch erstellt werden. Die Wände der Filterkammer wurden sauber verputzt. Weiterhin wurden die Schieber an den Zuläufen montiert. Diese wurden senkrecht eingebaut, damit sich im Schieber kein Dreck ablagern und der das innenliegende Schild blockieren kann.

Konstruktion aus verzinktem Vierkantrohr für den Trommelfilter.
Konstruktion aus verzinktem Vierkantrohr für den Trommelfilter.

Trommelfilter PP100 mit acht Eingängen

Ende März wurde der Trommelfilter in den Keller herab gelassen, auf dem Gestell platziert und verrohrt. Viel Platz war nicht, aber alle Anschlüsse konnten letztendlich mit sogenannten Flexmuffen verbunden werden. Beim Trommelfilter handelt es sich um das Modell PP100 mit insgesamt acht Eingängen. Alle im Filter ankommenden Rohre haben eine rote Rohrisolierung erhalten, die man noch auf Lager hatte. Vor dem Filter wurden die Zuläufe nach oben verlängert. Dadurch erhält man Revisionszugänge. Hier kann man später und bei Bedarf die Rohre reinigen, sollten sie mal verstopfen. Der Abgang des Trommelfilters, also die Verbindung in die Biologie wurde mit einer großen Flexmuffe realisiert, welche man nochmal mit zwei Extra-Schellen gesichert hat.

Senkrechte Schieber verhindern Dreckablagerungen.
Senkrechte Schieber verhindern Dreckablagerungen.
Die im Trommelfilter ankommende Rohre werden mit roter Rohrisolierung geschützt.
Die im Trommelfilter ankommende Rohre werden mit roter Rohrisolierung geschützt.

Isolierung des Koiteich mit Styrodur

Es war nun Zeit für den Endspurt. Die Filterkammern, sowie der Koiteich wurden mit Styrodur ausgekleidet und somit isoliert. Weiterhin wurden 20 mm Druckluftleitungen gelegt, welche später dafür sorgen, dass der Biofilter mit Sauerstoff versorgt werden kann, welcher über große Membranteller in das Wasser gelangt.

Isolierung des Koiteich mit Styrodur und Vlies
Isolierung des Koiteich mit Styrodur und Vlies

Abdichtung des Koiteiches mit PVC Folie

Nachdem die Baustelle nochmal gesäubert wurde, war alles für die Folienverlegung vorbereitet. Man hatte sich für eine Abdichtung mit PVC Folie entschieden, die man sich von einer Fachfirma einschweißen lassen wollte. Bis es soweit war, nutzte man die Zeit, dass Teichumfeld weiter zu gestalten. Außerdem wurde an einem Zaunprojekt gearbeitet, welches den Koiteich vor Vier- und kleinen Zweibeinern etwas absichern sollte.

Nach genau einem Jahr und einem Monat war es dann soweit. Die Teichfolie wurde eingebracht. Zuerst eine Lage aus Vlies, welches die Folie von unten nochmal schützt. Dann konnte Bahn für Bahn gelegt und miteinander verschweißt werden. Es handelt sich um schwarze PVC Folie mit 1,5 mm Stärke. Die Verlegearbeiten dauerten insgesamt zwei lange Tage. Natürlich bekam auch der Filter seine Folienauskleidung.

Abdichtung des Koiteiches mit PVC Folie mit 1,5 mm Stärke
Abdichtung des Koiteiches mit PVC Folie mit 1,5 mm Stärke

Biofilter mittels Japanmatten und Helix

Das lang ersehnte Ende der Baustelle war nun in Sicht, also gab Florian nochmal Alles. Im Bereich des Biofilters war der Plan mit zwei unterschiedlichen Medien zu filtern. Die Entscheidung fiel auf Japanmatten und ein Moving Bed mit Helix Filtermaterial. Also wurden insgesamt 30 Matten und 700 Liter Helix in den Filter eingebracht.

Koiteich Biofilter mittels Japanmatten und Helix
Koiteich Biofilter mittels Japanmatten und Helix

Der Koiteich war gefüllt bei 55.000 Litern

Und dann hieß es: Wasser marsch! In Etappen und über mehrere Tage füllte man den Koiteich, um eventuelle Schwachstellen rechtzeitig ausfindig machen zu können. Zur Zufriedenheit aller Beteiligten gab es keine. Bei 55.500 Litern, inklusive Filter, blieb der Wasserzähler letztendlich stehen. Der Koiteich war gefüllt. Außer einigen Feinjustierungen lief der Teich und seine Technik auch rund.

Der Koiteich war gefüllt bei 55.000 Litern
Der Koiteich war gefüllt bei 55.000 Litern

Jetzt fehlen nur noch die Koi!

Es hieß nun wieder warten. Darauf, dass die Sonne das Wasser erwärmen würde. Denn eines fehlte ja noch – die Koi! Die ersten Koi Fische wurden schon während der Bauphase erworben und durften beim Händler verbleiben, bis ihr neues Zuhause bereit war. Doch dies ist eine andere Geschichte …

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Koiteichbau in Eigenregie – Bildergalerie

Quelle: Koi Kurier Ausgabe 100 – Teichbau in Eigenregie – Teil 2: Steinreich | Text & Bilder: Florian Wilhelm

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