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Zoonosen im Koiteich

Kind im Koiteich
Nippon Direct – Zoonosen – Was ist das?

Können sich Koihalter an Koi und anderen Gartenteichfischen anstecken?

Zoonosen – was ist das?

Unter Zoonosen versteht man Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übergehen. Vom Fisch geht im Gegensatz zum Säugetier dabei eine geringere Gefahr aus, da dieser entwicklungsgeschichtlich weiter von uns entfernt ist. Ein anderer Grund ergibt sich daraus, dass die Fischkrankheitserreger an das wechselwarme Leben angepasst sind.

Bei einer Infektion des Menschen sehen die Symptome oft anders aus als beim Koi (z.B. Fischtuberkulose). Ob eine Infektion erfolgt und wie stark diese ausfällt wird maßgeblich durch den Immunstatus des Betroffenen beeinflusst. Beim Menschen sind vor allem Schwangere, Kinder, alte und immunsupprimierte Personen gefährdet.

Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick über die wichtigsten Krankheitserreger:

Den zahlenmäßig größten Anteil stellen hierbei Bakterien. Es handelt sich nicht nur um Erreger, die auch dem Koi Karpfen gefährlich (pathogen) werden können, sondern auch um Keime, die für den Fisch völlig harmlos (apathogen) sind. Viele der nachfolgend aufgezählten Bakteriengattungen sind ubiquitär, was heißt, dass sie weit verbreitet in Wasser oder Erde vorkommen. Hierbei ist noch anzumerken, dass sich die im Koiteich vorkommende Bakterienflora auch auf dem Koi wiederfindet.

Bakterien

Aeromonas- und Pseudomonasarten: diese Bakterien sind ubiquitäre Keime, Aeromonaden kommen oft im Wasser vor. Während Aeromonas salmonicida nur fischpathogen ist, können andere Arten und auch Pseudomonaden gelegentlich beim Menschen Wundinfektionen hervorrufen. Bei einer Infektion mit Aeromonas spp. treten gelegentlich auch Erkrankungen des Magendarmtraktes und Sepsis auf. Bei diesen Keimen zeigen sich bereits zahlreiche Resistenzen, die sicher auch auf die prophylaktische Versorgung der Tiere mit Antibiotika zurückzuführen sind, was besonders beim Transport aus den Ursprungsgebieten gängige Praxis ist.

Enterobacteriaceae

Besonders zu nennen sind Escherichia coli und Salmonella spp.. Diese führen beim Koi nicht zu Beschwerden, können aber beim Menschen durchaus gefährliche Magendarminfekte hervorrufen. Diese Keime werden häufig durch Wassergeflügel (auch nur durchziehendes Geflügel) in den Koi-Teich eingeschleppt, da dieses zum Großteil infiziert ist. In Australien sind einige Kinder mit hohem Fieber und blutigen Durchfällen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Es stellte sich heraus, dass die Salmonella-Bakterien, mit denen sie infiziert waren, resistent gegen die gängigen Antibiotika waren. Epidemiologische Nachforschung führte schließlich zu den heimischen Aquarien der Familien. Dort, so stellte sich heraus, lebte der Keim im Wasser, im Boden und an Steinen und Pflanzen. Er wurde offenbar mit den Fischen aus einer Fischzucht bezogen. Auch in Europa sind schon tödlich verlaufende Salmonelleninfektionen beschrieben worden, die auf das heimische Aquarium zurückzuführen waren. (Quelle: ARD-Buffet: Salmonellen im Aquarium).

Bakterien
Nippon Direct – Bakterien

 

Escherichia coli und Salmonella spp. können beim Menschen durchaus gefährliche Magendarminfekte hervorrufen!

Citrobacter freundii

Citrobacter freundii ist ein Bakterium, was relativ häufig für Hautveränderungen der Koi verantwortlich ist. Auch dieser Keim kommt ubiquitär im Wasser vor und kann bei Menschen mit Immunschwäche zu Infektionen von Hautwunden oder Magendarmbeschwerden führen; auch Harnwegsinfektionen sind möglich. Gleiches gilt für Edwardsiella Tarda, ein Bakterium, das aber seltener nachgewiesenwird.

Proteus spp.

Auch Proteus spp. können gelegentlich Erkrankungen bei Fischen hervorrufen. In Hinblick auf den Menschen besteht bei diesem Keim nur ein geringes pathogenes Vermögen, welches eher bei Menschen mit schlechtem Immunsystem zu Infektionen führen kann.

Staphylokokken

Staphylokokken sind ubiquitäre Keime, die darüber hinaus auch zur Standardflora von Haut und Schleimhäuten gehören. Bei immunkompetenten Personen wird in der Regel nur eine lokale eitrige Entzündung hervorgerufen, bei geschwächten Menschen kann es zu einer systemischen Erkrankung kommen.

Streptokokken

Diese Bakterien können beim direkten Kontakt mit dem infizierten Fisch zu Wundinfektionen führen. Gravierende Erkrankungen kommen selten vor.

Koi mit Stenotrophomonas Maltophilia
Nippon Direct – Aus einem Abszess auslaufender Eiter, der Stenotrophomonas maltophilia enthielt, ein gram-negatives Bakterium, das beim Menschen zu schwer behandelbaren Infektionen führen kann. Früher wurde Stenotrophomonas zu den Pseudomonaden gezählt, seit 1993 eigenständige Bakterienart.

 

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Mykobakterien

Eine Erkrankung, die sog. Fischtuberkulose, wird bei Zierfischen relativ häufig, bei Koi etwas seltener nachgewiesen. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt über Hautverletzungen. Es kommt dann zu lokalen Hautveränderungen. Bei immunsupprimierten Personen kann diese Infektion einen weitaus dramatischeren Verlauf nehmen und die regionalen Lymphknoten betreffen, sowie benachbartes Gewebe und zu einer Streuung im Körper kommen.

Die Inkubationszeit ist mit 2-3 Wochen relativ lange. Der häufigste zu nennende Erreger ist Mykobakterium marinum. Eine Therapie ist sehr langwierig für den Menschen, für befallene Fische gibt es keine. Sind die Koi Fische befallen stellt sich dann die Frage, ob die Tiere euthanasiert werden sollten, damit für die Pflegepersonen kein unnötiges Risiko entsteht.

Erysipelotrix rhusiopathia

Diese Erkrankung ist bekannter unter dem Namen “Rotlauf” und spielt besonders bei Schweinen eine Rolle. Eine Infektion des Fisches ist völlig symptomlos (apathogen), kann aber gelegentlich nachgewiesen werden. Eine Übertragung erfolgt lediglich über einen direkten Kontakt mit einem infizierten Koi über Hautwunden. Erkrankungen sind beim Menschen selten, und äußern sich primär über lokale Veränderungen an der Eintrittsstelle (Rötungen, Schwellungen) können dann aber auch gravierende Formen annehmen.

Bakteria
Nippon Direct – Bakteria

 

Allgemein ist zu den genannten bakteriellen Infektionen zu sagen, dass alle diese Keime nur Schaden anrichten können, wenn sie eine Eintrittspforte haben. Das können zum Beispiel Hautverletzungen sein, oder auch die orale Aufnahme von kontaminiertem Wasser. Auch wenn die meisten der erwähnten Bakterien bei einem gesunden Menschen keine Erkrankungen hervorrufen sollten, so ist doch immer eine grundlegende Hygiene einzuhalten – genau wie beim Umgang mit anderen Tieren. Die Gerätschaften sollten ausschließlich für den Teich verwendet werden, die Hände und Arme sollten nach dem Umgang mit den Tieren und dem Teichwasser gewaschen werden. Liegen offene Hautverletzungen vor, so sollte zur Vorsicht der direkte Kontakt mit dem Wasser gemieden werden. Zieht man sich beim Arbeiten am Koi-Teich Verletzungen zu, so sollten diese gereinigt und desinfiziert werden.

Besondere Vorsicht gilt immer für Menschen, die ein schwaches Immunsystem haben. Wird wegen Infektionen oder lokalen Hautveränderungen ein Arzt aufgesucht, so sollte man zur Vorsicht beim Vorgespräch anmerken, wenn die Möglichkeit besteht, dass man sich über das Teichwasser eine Infektion zugezogen haben könnte (z.B. Wasser in den Mund bekommen, Hautinfektionen nach dem Arbeiten am Teich). Besonders wichtig ist das bei einer möglichen Fischtuberkulose, da diese Diagnose nicht unbedingt für den behandelnden Arzt auf der Hand liegt.

Genau wie beim Umgang mit anderen Tieren, sollte doch immer eine grundlegende Hygiene eingehalten werden.

Der Nachweis eines Erregers erfolgt über dessen Anzucht. Hierzu wird eine Tupferprobe genommen, auf eine Nährstoffplatte ausgestrichen und angezüchtet. Normalerweise kommen hier hohe Temperaturen zum Einsatz, der Körpertemperatur der Säugetiere nachempfunden.

Bei Koi Fischen und deren Erregern ist das anders. Da sich diese an niedrigere Temperaturen der Umwelt angepasst haben, muss das auch bei der Erregeranzucht bedacht werden. Sonst kann es sein, dass Bakterien wachsen, welche gar nicht die Ursache sind, da der Wasserkeim bei hohen Temperaturen im Brutschrank ins Hintertreffen kommt. Die einzelnen Bakterienkolonien werden dann von der Platte auf eine andere übertragen, welche mit Plättchen bestückt ist, die die wichtigsten Antibiotika enthalten. So kann eine geeignete Therapie frühzeitig eingeleitet werden, da ausgeschlossen ist, dass Zeit mit einem unwirksamen Antibiotikum vergeudet wird. Dieses Vorgehen empfiehlt sich nicht nur bei Infektionen des Menschen, sondern auch des Koi, besonders wenn mehrere Fische betroffen sind.

Viren

Viruserkrankungen spielen als Zoonosen, die vom Fisch auf den Menschen übergehen, keine Rolle. Auch Erkrankungen, die im Koiteich dramatische Folgen haben, wie das Koi-Herpesvirus (Cyprines Herpesvirus III), gelten derzeit für Personen, die mit infizierten Tieren umgehen, als ungefährlich. Sicherlich ist hier noch nicht alles bis ins Kleinste erforscht, aber es gibt bisher keinen Hinweis, dass gängige Viren wie Karpfenpockenviren (Cyprines Herpesvirus 1), Koi-Herpesvirus (Cyprines Herpesvirus III) o. ä. auf den Menschen übergehen. Dennoch ist eine präventive Hygiene sicher immer ratsam, besonders wenn bereits Grunderkrankungen vorliegen, die das Immunsystem beeinträchtigen.

Parasiten im Koiteich
Nippon Direct – Im Koiteich vorkommende Parasiten sind für den Menschen nicht gefährlich.

 

Parasiten

Parasiten sind meist sehr wirtsspezifisch, dass heißt, dass ein Parasit sich nur in einem geeigneten Wirt vermehren kann. Ungeeignete Wirte nennt man Fehlwirt. Hier können sich Parasiten eventuell erhalten, aber sicher nicht vermehren, da dazu die Voraussetzungen fehlen. Im Falle der Koi oder allgemein der Fischhaltung kommt uns zusätzlich noch zugute, dass unsere Pfleglinge sich entwicklungsgeschichtlich doch sehr von uns unterscheiden und auch andere Temperaturen brauchen. Die gängigen Parasiten, mit denen jeder Koibesitzer sicher schon einmal Bekanntschaft gemacht hat, wie Kiemen- und Hauthakensaugwürmer, Karpfenläuse, Costia u. a. sind für den Menschen daher nicht gefährlich.

Dennoch empfiehlt sich auch hier wieder eine gute Einhaltung von Hygienemaßnahmen, da niemals nur Parasiten, oder nur Viren in einem Teich vorkommen, sondern auch viele verschiedene Bakteriengattungen, die Probleme bereiten können.

Generell kann man sagen, dass dieses Hobby für Menschen, die Koi pflegen, relativ unbedenklich ist.

Generell kann aber gesagt werden, dass dieses Hobby für den Besitzer und Menschen, die die Koi Fische pflegen, relativ unbedenklich ist. Die wenigsten werden durch ihre Koi gesundheitliche Probleme bekommen, wenn einige grundlegende Hygieneregeln eingehalten werden.

 

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Quelle: Koi Kurier Ausgabe 53 – Zoonosen im Koiteich | Text & Bilder: Dr. med. vet. Werner Hoedt, Dr. med. vet. Friederike Weinzierl, M.Schneider;

Bildnachweis: CDC | Lizensiert via Unsplash
Michael Schiffer | Lizensiert via Unsplash

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